Au revoir
Aufbruch in eine ungewisse Zukunft

Im Theater Basel steht ein grosser Wechsel an - nun verabschiedet sich das Team mit einem letzten Stück: «Aufbruch. Die letzten 48 Stunden».

Elena Manuel
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Das künstlerische Leitungsteam der Abschlussproduktion (von links): Demian Wohler (sitzend), Petra Barcal, Stephan Weber (sitzend), Anne Buffetrille, Tomas Schweigen, Tumasch Clalüna, Karen F. Petermann.

Das künstlerische Leitungsteam der Abschlussproduktion (von links): Demian Wohler (sitzend), Petra Barcal, Stephan Weber (sitzend), Anne Buffetrille, Tomas Schweigen, Tumasch Clalüna, Karen F. Petermann.

Kenneth Nars

In zwei Wochen schwärmen sie in alle Himmelsrichtungen davon. Ein paar ziehen nordwärts nach Hamburg, manche fliegen nach Wien in den Osten, andere bleiben im Süden, hier, in Basel. Das jetzige Ensemble steht am Ende ihrer Spielzeit. Sobald sich die Blätter gelb und braun färben, betritt ein neues Ensemble die Bretter des Theater Basels. Noch sind die Schauspieler, Regisseure und Assistenten hier und proben für ihr letztes gemeinsames Stück.

Zwei Tage dauert die Abschiedsproduktion «Aufbruch. Die letzten 48 Stunden». Das Theaterstück wird von den drei Regisseuren Petra Barcal, Tumasch Clalüna und Tomas Schweigen als «Show-of» inszeniert. «Wir fahren alles auf, was das Schauspiel bieten kann», erzählt Schweigen. 90 Kostüme, 24 Schauspieler und Schauspielerinnen, zwei Opern-Bühnenbilder und eine Live-Band. Das wird ein Kraftakt für alle Beteiligte.

Ein hölzernes Labyrinth

Um was es im Stück geht, wollen die drei Regisseure nicht preisgeben. Ein Besuch auf der Bühne verrät mehr: Das Schauspielhaus ist nicht kaum zu erkennen. Wo normalerweise die Tribünen für die Zuschauerplätze sind, steht ein Labyrinth aus hölzernen Wänden. Man betritt einen engen und langen Korridor, aus dem unzählige Türen in weitere Korridore führen. Was hier wohl geschehen mag?

Das Theater-Team hat sich ein intimes Format für den «Aufbruch» überlegt. Zu jeder vollen Stunde finden nur acht Zuschauer Eintritt in das Labyrinth. Dort erleben sie die Schauspieler hautnah während 75 Minuten. Nach dem Rundgang im Irrgarten steht die Hafenkneipe – die Theaterkantine – für einen Abschiedstrunk offen. Von dort aus kann man das Geschehen im Irrgarten über eine Leinwand verfolgen. Das hat durchaus seinen Reiz: Die 24 Schauspieler übergeben sich die Rollen wie den Stab in einer Stafette. So werden die Figuren jeweils neu interpretiert. Keine Stunde verläuft demnach so wie die vorherige.

Das Ticketprinzip funktioniert so: Man bucht für eine Uhrzeit nach Wahl einen Platz. Wenn man in der Nacht kommt, also um 4 Uhr morgens, bezahlt man die Hälfte des ursprünglichen Preises. Für Tiefschläfer bieten die Schauspieler sogar einen persönlichen Weckruf an. Zum Finale der 48 Stunden werden die Gäste gegen Ende des zweiten Tages erneut zum Schauspielhaus gebeten.

Kabinett der Kuriositäten

Der Irrgarten wird zum Kabinett der Kuriositäten, so viel verraten die Regisseure. In der Wunderkammer schaffen sie eine fiktive Welt, die metaphorisch für den Wechsel im Theater und für den Aufbruch steht. Als Text verwenden sie teilweise grosse Fragmente der Weltliteratur, die in thematischem Zusammenhang zum Stücktitel stehen, teilweise fliessen eigene Texte ein. Die Szenen werden von Geräuschen und atmosphärischen Klängen untermalt. Auch Live-Musik wird gespielt. «Es wird eine eigenständige Produktion, die mehr bedeutet als ‹wir gehen›», sagt Schweigen. Das Regie-Trio wolle keinesfalls eine von Abschiedstränen triefende Produktion zeigen, sondern den Aufbruch als Neu-Anfang inszenieren.

Clalüna und Schweigen zeigen sich nicht wehmütig. Im Gegenteil. Ungewissheit scheint den beiden keine Angst zu bereiten. Sie wirken neugierig und gelassen. «Aufbrechen und aufgebrochen werden sind zwei unterschiedliche Dinge», sagt Clalüna. «Das Leben kann man als immer währender Aufbruch verstehen; unter diesem Blickwinkel fällt der Abschied nicht schwer.»

«Aufbruch. Die letzten 48 Stunden» findet vom 19. bis 21. Juni ab 18 Uhr statt. Das Finale beginnt am Sonntag um 17 Uhr. Reservieren ist empfohlen. Mehr Informationen entnehmen Sie: www.theater-basel.ch.