Mummenschanz
40 Jahre Mummenschanz oder eine Fahrt auf dem Riesenrad der Fantasie

Der Start zur 40-Jahr-Jubiläumstournée von Mummenschanz begeisterte im Zürcher Theater 11. Fast zwei Stunden dauert das neue Programm – wortlos, klanglos, ohne einen Mucks.

Rosmarie Mehlin
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40 Jahre Mummenschanz
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40 Jahre Mummenschanz
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40 Jahre Mummenschanz

Keystone

Das Theater 11 war am Dienstagabend bis auf den letzten Platz besetzt – Szenen- und Schlussapplaus waren riesig. Nebst zahlreichen Promis sassen auffallend viele Kinder und Jugendliche im Publikum, als Jean-Frédéric Jauslin, der Direktor des Bundesamts für Kultur, zu Beginn vor den Vorhang trat: «Mummenschanz sind international die besten Botschafter der Schweiz», sagte er in Vertretung deswegen Terminkollision verhinderten Innenministers Didier Burkhalter. Ein Bundesrat oder dessen Vertreter an einer Theaterpremiere kommt nicht alle Tage vor. Aber Mummenschanz sind ja auch alles andere als Alltag. Und obendrein wird die legendäre Formation 40 Jahre alt.

Abschied für Bernie Schürch

Die Premiere in Zürich war der Start zu einer grossen Jubiläumstournee, für Mitgründer Bernie Schürch die letzte. Bis in den kommenden Sommer hinein wird «Mummenschanz» national und international zeigen, womit sie inzwischen Generationen von Zuschauern in Bann ziehen – keine Zuhörer, werden sie doch auch «Virtuosen der Stille» genannt. Fast zwei Stunden dauert das Programm – wortlos, klanglos, ohne einen Mucks.

Mucksmäuschenstill wars im Theater 11 jedes Mal, wenn ein Scheinwerfer auf der leeren Bühne etwas Geheimnisvolles erfasste. Ein Schlauch? Ein Leintuch? Nein – ein Tier. Oder gar ein Mensch? Da, ein Liebespaar, ja, ganz bestimmt ein Liebespaar. Die Mummenschanz-Figuren sind geheimnisvoll, abstrakt und werden in den Köpfen der Zuschauer plötzlich fassbar, konkret. Nein – nicht in «den Köpfen», vielmehr in jedem Kopf ein bisschen anders. Denn der Raum, die Freiheit für individuelle Fantasien und Interpretationen, die Floriana Frassetto, Bernie Schürch, Raffaella Mattioli und Pietro Montandon dem Publikum bieten, ist schier grenzenlos.

Vielseitig und fantasievoll

Enorm vielseitig und fantasievoll sind auch die zur Gestaltung der Figuren verwendeten Materialien. Unsichtbar mitten drin der Mensch, der Akteur, Artist – mal oben, mal unten, mal liegend, mal stehend. Na, wo ist er denn?, fragt sich der staunende Zuschauer eins übers andere Mal. Blitzschnell sind viele Verwandlungen, und nicht selten ist das, was da plötzlich neu entsteht, sehr komisch, mitunter aber auch melancholisch oder geprägt von anrührender Zärtlichkeit. Nebst der umwerfenden Kreativität von Mummenschanz und der grossartigen Umsetzung liegt ein Geheimnis der erfolgreichen Truppe zweifellos in der Stille – dieser grossen Rarität unserer Zeit.

Daneben aber vor allem auch sehr stark darin, dass der Zuschauer zum Mitdenken geradezu gezwungen wird. Denn was dort oben auf der Bühne vor sich geht, lässt unten im Saal niemanden unberührt. Die zwei dort, lieben sie sich? Ach Gott, sie streiten ja. Und das da, ist das ein Maulwurf oder doch eher ein Igel? Man kann in den Figuren, die Mummenschanz auf die leere Bühne zaubern, alles sehen – aber nie nichts.

40 Jahre Mummenschanz bis 15. 10. im Theater 11, Zürich; 18. bis 23. 10., Musical-Theater Basel. www.mummenschanz.ch

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