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Brotkunst mit Kunstbroten im Shed Frauenfeld

Max Bottini hat am Donnerstag Kunstwerke in Roggenbrote einbacken lassen und sie versteigert – ein Heidenspass mit Hintersinn.
Dieter Langhart
Max Bottini (l.) mit zwei Besuchern vor den 24 Kunstbrotlaiben im Shed Frauenfeld. (Bilder: Dieter Langhart)

Max Bottini (l.) mit zwei Besuchern vor den 24 Kunstbrotlaiben im Shed Frauenfeld. (Bilder: Dieter Langhart)

Der Shed im Eisenwerk ist einer der vier Austragungsorte der Werkschau Thurgau. Und während die Kunstwerke an den Wänden hängen und am Boden liegen, hat sich der Uesslinger Künstler Max Bottini gestern Donnerstag etwas Lebendiges ausgedacht: die Aktion «Brotkunst – Kunstbrot».

Bottini hat sich seit jeher «food projects and paintings» auf die Künstlerfahne geschrieben, also Projekte rund um Essen und Ernährung, Nahrungsmittel und ihre Produktion. Und verblüfft jedes Mal aufs Neue mit seinen Ideen. Diesmal geht es ihm also ums Brot.

Die Assoziation liegt nahe: Künstler ist ein brotloser Beruf, aber sein täglich Brot braucht jeder von uns, ob Künstler, Kunstliebhaber oder Unbefleckter. Und da drei von vier Schweizern ein bedingungsloses Grundeinkommen 2016 an der Urne versenkt haben, sagt Max Bottini:

«Brotlose Kunst braucht weiterhin Unterstützung.»

Max Bottini in Aktion vor versammelten Brot- und Kunstliebhabern.

Max Bottini in Aktion vor versammelten Brot- und Kunstliebhabern.

Er unterscheidet: «Brot ist physische Nahrung – Kunst ist geistige Nahrung.» Und will beide auf einen Nenner bringen. Er fragt weiter: «Wie entstehen Werte in Kunstwerken? Wer hat die Deutungshoheit über den Wert: die Kunstkonsumenten, die Museumsdirektoren, die Kuratorinnen, die Galeristen?» Max Bottini weiss keine Antwort.

Für fünfeinhalb Franken gibt es ein Kilo Roggenbrot zu kaufen. Darin stecke der Preis fürs Mehl, der Lohn des Bäckers, ein kleiner Gewinn. «Aber wenn wir das Brot mit Kunst anreichern, erzeugen wir stets einen Mehrwert.» Mindestens 25 Franken erhofft sich Max Bottini für jedes der 24 Kunstbrote, die auf einem langen Tisch liegen. Der Clou?

Ein lokaler Bäcker hat in die Laibe ein Röhrchen mit eingebacken, und in jedem Röhrchen hat Bottini ein Kunstwerk versteckt – ein winziges Original oder die Kopie eines von sechs Gemälden, die sich wegen ihrer Grösse nicht einrollen liessen. Es geht dem Künstler um nichts weniger als um Wertschätzung von Kunst – ohne dass der Käufer weiss, welchen Inhalt er bekommen wird, denn alle Brote gleichen sich wie ein Laib dem andern. Mit seiner Aktion werde gewissermassen ein Marktpreis erzeugt, und er sagt:

«Seien Sie grosszügig.»

Max Bottini appelliert an die Gäste.

Max Bottini appelliert an die Gäste.

Der Erlös gehe vollumfänglich an die Künstler, sagt Max Bottini. Bevor er beginnen kann, schnappen sich die Anwesenden beim Eingang einen Coupon und signalisieren damit, dass sie potenzielle Kunstkäufer sind. Da mehr Coupons weggehen, als da Laibe liegen – denn keiner will aussen vor bleiben –, muss jeder ein Los ziehen mit einer Nummer von 1 bis 22 drauf; alle andern werden eine Niete ziehen. Doch auch für sie bleibe eine Chance, sagt Bottini: die letzten beiden Kunstbrotlaibe werde er an den Meistbietenden versteigern. Das heizt die Bereitschaft und die Stimmung in der kühlen Shedhalle an.

Woher hat Max Bottini die Werke? Er hat alle 32 Künstler angeschrieben, die von der Thurgauer Kulturstiftung für die Werkschau 2019 auserkoren worden sind, und um ein Werk gebeten. 24 haben zugesagt – also liegen 24 Kunstbrotlaibe auf der langen Tafel bereit. Unter den Künstlern sind so gewichtige Namen wie Christoph Rütimann, Rachel Lumsden, Olga Titus oder Judit Villiger.

Wer ein gültiges Los gezogen hat, wählt sich sein Kunstbrot aus.

Wer ein gültiges Los gezogen hat, wählt sich sein Kunstbrot aus.

Die Besitzer der Lose 1 bis 22 treten der Reihe nach vor den Tisch – und stehen vor der Qual der Wahl, welcher Laib der ihre sein soll. Das siebente Los etwa hat Katja Baumhoff gezogen, eine der Kuratorinnen des Sheds. Schon bevor alle Brote bis auf die beiden letzten weg sind, beginnen einige, das Röhrchen aus Ihrem Laib zu klauben und zu schauen, welches Kunstwerk sie denn gekauft haben. Und wer will, schreibt seinen Namen auf eine Liste, damit der betreffende Künstler weiss, wem sein gestiftetes Werk nun gehört.

Dann aber das Finale: die Versteigerung der letzten beiden Kunstbrote. Das erste erhält Mathias Peters, das zweite holt sich Almira Medaric, Künstlerin, Adolf-Dietrich-Förderpreisträgerin und zweite Kuratorin im Shed. Sie hatte bereits ein Los gezogen und wird also zwei Laibe mit heimtragen.

Almira Medaric hat soeben das letzte der 24 Kunstbrote ersteigert, das ihr Aktionskünstler Max Bottini überreicht.

Almira Medaric hat soeben das letzte der 24 Kunstbrote ersteigert, das ihr Aktionskünstler Max Bottini überreicht.

Max Bottini hat alle Banknoten in einer Brotschachtel gesammelt, es sind erfreulich viele. Nein, gezählt habe er das Geld noch nicht, sagt er – und freut sich, dass seine Aktion so viel Anklang gefunden hat.

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