Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Theater über Terroranschlag: «Bringen Sie Menschen um?»

High Noon im Verhör: Ein Attentat wird vermutet und der gestresste Polizist braucht ein Geständnis. Daniel Kehlmanns Stück «Heilig Abend» im TAK Schaan ist unter der Regie von Tim Kramer ein intelligentes, vielschichtiges Kammerspiel.
Hansruedi Kugler
Im Verhör: Boglarka Horvath als Terrorverdächtige und Thomas Beck als Polizist. (Bild: Julian Konrad)

Im Verhör: Boglarka Horvath als Terrorverdächtige und Thomas Beck als Polizist. (Bild: Julian Konrad)

22.30 Uhr: Die Uhr tickt knallend an der Plexiglaswand im Verhörraum. Ob auch eine Bombe tickt? Irgendwo in der Stadt, um Mitternacht, ausgerechnet an Heilig Abend? In einem leeren Kaufhaus oder Ministerium? Vielleicht. Die Indizien: Sprengstoffspuren und verdächtige Texte auf einem Computer führen zum Verhör. Aber keine Toten! Nur ein starkes Zeichen an die Welt der ekelhaften strukturellen Gewalt soll es sein – sagt sie, die linksradikale Philosophieprofessorin. Und sitzt da: Mit der kühl-gelangweilten Herablassung, die ihre Selbstbeherrschung und ihre Überlegenheit in Intellekt und sozialem Status demonstriert. Vielleicht war alles aber auch nur ein Gedankenspiel, eine Übung für ihr Philosophieseminar. Die Spannung hält bis Mitternacht.

Als Zuschauer erkennt man sich in beiden Figuren

Aber aufgepasst: Da werden keine Dienstmarken gezeigt, keine uniformierten Polizisten tauchen auf, das Schnurtelefon ist retro. Daniel Kehlmanns Stück spielt mit aktuellen Thrillerelementen: Terroralarmismus der Polizei, totaler Überwachungsstaat, linksradikale Gesellschaftskritik – und mit dem klug inszenierten Klassenunterschied zwischen Professorin und Polizist. Aber er verlegt das Ganze in ein fast schon abstraktes Gedanken- und Gesellschaftsspiel. Es wird ein mitreissendes Dialogstück. Und so erkennt man sich mal in der einen, mal in der anderen Figur. Sind die jährlich 25000 Verkehrstoten in Europa keine Gewalt? Ignorieren wir nicht einfach die Ausbeutung armer Länder? Aber: «Attentate ändern doch nichts!»

Ein in seinem Mannsein verunsicherter Polizist

Das Verhör wird zum Machtspiel zweier gegensätzlicher Menschen. Da sitzt kein Folterer, sondern ein hemdsärmliger, in seinem Mannsein verunsicherter Polizist. Thomas Beck, den man sonst in komödiantischen Rollen kennt, hat einen grossen Auftritt: Unter Zeitdruck muss er ein Geständnis bekommen, mit allen Mitteln. Sein Pressing ist mal schmeichelnd, mal bürokratisch, mal erpresserisch. Beck ist permanent am Drücker, ist Antreiber im Stück. Wie er um Sympathie bettelt, wenn er von seiner Scheidung erzählt und sich für Philosophie interessiert; wie er Verständnis zeigt für den Zorn über Ungerechtigkeit, gar einen tapsigen Annäherungsversuch startet: Toll und anrührend.

Herbe Eleganz, blasierte Gelassenheit

Boglarka Horvath gibt ihrer Figur sehr stimmig die herbe Eleganz und blasierte Gelassenheit der Oberschichtangehörigen. Nur kurz gönnt ihr Regisseur Tim Kramer Momente, in denen sie die Fassade bröckeln lassen darf: Wenn sie sich einmal eine Zigarette anzündet oder sich in Rage redet über den Uranabbau in Niger, der das Land vergiftet.

Am Ende doch ein Beziehungsdrama?

Nach eineinhalb Stunden kommt es zum überraschenden Ende. Hinter dem thrillerartigen Terrorthema taucht ein Beziehungsdrama auf. Und wenn Miles Davis’ Schlussmusik aus dem Film-noir-Klassiker «Fahrstuhl zum Schafott» ertönt, hat man einen Hinweis auf die Auflösung des Stücks (ein fatales Mörderpaar). Aber vielleicht ist das ja auch nur ein Täuschungsmanöver, damit einem das Stück nicht loslässt. Das gelingt denn auch.

Weitere Vorstellungen: Fr, 22.3. und Di, 26.3., TAK Schaan; später im Theater Magdeburg.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.