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Lesetipps Krimi: Wenn die Zeit davonläuft

Donato Carrisis neuer Thriller ist ein albtraumhafter Pageturner, und Christoffer Carlson schliesst endgültig seine 2013 begonnene Krimireihe ab.
Arno Renggli

Brillanter Thriller um ominösen «Hasenmann»

Donato Carrisi ist der derzeit vielleicht aufregendste Krimiautor Italiens. «Der Nebelmann» bedeutete letztes Jahr ein absolutes Highlight und wurde inzwischen mit Jean Reno verfilmt. Während dieser Krimi sehr realistisch wirkt und eine Portion Medienkritik enthält, ist der neue ein suggestiver, albtraumhafter Pageturner. Privatdetektiv Bruno Genko, der gerade eine tödliche Diagnose erhalten hat, ermittelt nochmals im Falle eines Mädchens, das vor 15 Jahren entführt worden ist. Nun ist es als junge Frau wieder aufgetaucht, orientierungslos, traumatisiert. Und berichtet von einem Mann in Hasenmaske, der sie in einem unterirdischen Labyrinth gefangen gehalten habe.

Bald schon wird Genko persönlich mit dem «Hasenmann» konfrontiert, der nach eigenen Regeln spielt und weitere Opfer hat. Kann er den Täter stoppen, bevor seine eigene Zeit abläuft? Der Krimi ist erzählerisch brillant und extrem spannend, wobei er am Ende vielleicht eine Wendung zu viel nimmt. Aber dieser Versuchung können Thrillerautoren ja oft nicht widerstehen.

Donato Carrisi: Diener der Dunkelheit. Atrium, 316 S., Fr. 30.-

Der Polizist und sein Freund, der Verbrecher

Mit gerade mal 27 Jahren startete der Schwede Christopher Carlsson 2013 eine Krimireihe, die zu Recht für Furore gesorgt hat. Nun liegt der vierte und letzte Band um den Polizisten Leo Junker vor. Es ist ein endgültiger und würdiger Abschluss. Junker hat nach einem traumatischen Erlebnis, das vor allem im ersten Buch über ihn Thema war, wieder in den Polizeialltag zurückgefunden. Da drängt ihn sein Jugendfreund Grim, ein abgetauchter prominenter Krimineller, den Jahre alten Fall einer ermordeten Prostituierten erneut aufzunehmen.

Nicht zum ersten Mal lässt Junker sich von Grim manipulieren, doch die Fährte wird tatsächlich wieder heiss. Und führt mitten in eine berüchtigte Spezialbehörde der Polizei. Wie schon in den vorherigen Büchern verbindet Carlsson eine starke, teils fast poetische Sprache mit der präzisen Schilderung der Ermittlungsarbeit. Der Fall selber bietet Hochspannung bis zum Schluss. Und interessant bleibt auch die ambivalente Beziehung Junkers zu seinem Freund Grim, von dem er sich nicht lösen kann. Bis das Schicksal entscheidet.

Christoffer Carlsson: Zeit der Angst. Verlag C. Bertelsmann, 364 S., Fr. 24.-

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