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Brennende Liebe in Schwarz-Weiss

Mit «Schlafes Bruder» gelingt Beate Vollack am Theater St. Gallen eine tief berührende Annäherung an Robert Schneiders Roman. Dazu trägt neben der Tanzkompanie ganz besonders die Musik der Geschwister Küng bei.
Rolf App
Lorian Mader als Johannes Elias Alder inmitten der Tanzkompanie, über ihnen die Geschwister Küng. (Bild: Ian Whalen)

Lorian Mader als Johannes Elias Alder inmitten der Tanzkompanie, über ihnen die Geschwister Küng. (Bild: Ian Whalen)

Rolf App

rolf.app

@tagblatt.ch

Im Café Roggwiller hat er bei den «besten Vermicelles auf Gottes Erdboden» von Beate Vollacks Plan erfahren. Hier hat Robert Schneider der St. Galler Tanzchefin klargemacht, dass sie ihrem Weg folgen solle, «ungeachtet der Tatsache, dass der Autor noch lebt und ergo etwas einwenden könnte». So erzählt er es im Programmheft. Jetzt steht Robert Schneider auf der Bühne des Theaters St. Gallen und verschwindet gleich wieder. «Schlafes Bruder» ist zwar sein Buch, doch Beate Vollack erzählt es mit ihren Mitteln. Fast ohne Worte, nur mit den Bewegungen des Tanzes, und mit Musik. Und erntet überwältigenden Applaus. Vollständig zu recht.

Für jede Szene eine ganz eigene Stimmung

Die Bühne von Jon Morell gibt der traurig-schönen Geschichte des Johannes Elias Alder (getanzt von Lorian Mader), «der zweiundzwanzigjährig sein Leben zu Tode brachte, nachdem er beschlossen hatte, nicht mehr zu schlafen», einen kargen, aber sehr passenden Rahmen. Da ist vorne ein Fels, den der Schauspieler Christian Hettkamp gerne benutzt, wenn er erzählt, wie es weitergeht mit diesem musikalischen Wunderkind, das in unsterblicher Liebe nicht nur zum Orgelspiel entbrennt, sondern auch zu Elsbeth (Swane Küpper), der Schwester seines Freundes Peter (Alberto Terribile).

Dahinter öffnet sich ein von beweglichen Paneelen umschlossener Raum in Schwarz-Weiss, über dem in einer Art Guckkasten die fünf Musiker der Geschwister Küng sitzen. Sie machen, zusammen mit den Tänzerinnen und Tänzern, den Abend zum grossen Erlebnis mit einer Musik, die an die Volksmusik anknüpft, aber ganz mühelos auch Johann Sebastian Bach einzubauen weiss. Und die für jede Szene eine ganz eigene Stimmung zu schaffen versteht. Mal produzieren sie geradezu sphärische Klänge, mal spielen sie zum ausgelassenen Tanz auf.

Auch geboren wird auf der Bühne, zweimal sogar. Nach Johannes Elias Alder kommt hier Philipp, sein mongoloider Bruder, zur Welt. Stefanie Fischer vermag in dieser Rolle nicht nur das Dorf zu verzaubern, sondern auch uns, die wir durch ein Wechselbad unterschiedlichster Eindrücke gehen. Denn «Schlafes Bruder», das ist eine Geschichte aus der archaischen Welt eines Vorarlberger Dorfes am Beginn des 19. Jahrhunderts. Einerseits.

Aber andererseits handelt «Schlafes Bruder» auch von jener Enge, die wir, als geistige Enge, noch heute spüren. Das erklärt die Faszination, die der Roman nun auch als Tanzstück auszuüben vermag.

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