Bregenzer Festspiele sind abgesagt: «Die Fahrt ist nicht zu Ende, die Fahrt geht weiter»

Die Bregenzer Festspiele 2020 sind abgesagt. Die Verdi-Oper «Rigoletto» auf der Seebühne und auch alle übrigen Produktionen der Festspiele werden verschoben, kommen aber in den nächsten zwei Jahren zur Aufführung.

Christina Genova
Drucken
Teilen
Szene aus «Rigoletto» von Giuseppe Verdi, aufgenommen am Freitag, 12. Juli 2019.

Szene aus «Rigoletto» von Giuseppe Verdi, aufgenommen am Freitag, 12. Juli 2019.

Bild: Eddy Risch/Keystone

Nach der Verlautbarung des österreichischen Gesundheitsministers und des Vizekanzler von Freitagmittag sehen sich die Verantwortlichen dazu gezwungen, die Bregenzer Festspiele zum ersten Mal seit 1946 abzusagen. Sie hätten vom 22. Juli bis zum 23. August stattfinden sollen.

Festspieldirektor Hans-Peter Metzler.

Festspieldirektor Hans-Peter Metzler.

Bild: PD

Auf der Seebühne wäre die Verdi-Oper «Rigoletto» zur Aufführung gekommen. Festspieldirektor Hans-Peter Metzler sagte am Freitag an der kurzfristig anberaumten Medienkonferenz per Zoom: «Heute ist natürlich ein sehr enttäuschender Moment für uns alle.» Es sei aber nicht das Ende, sondern der Start in eine neue Phase:

«Die Fahrt ist nicht zu Ende, die Fahrt geht weiter. Rigoletto kehrt zurück.»
Intendantin Elisabeth Sobotka.

Intendantin Elisabeth Sobotka.

Bild: PD

Damit ist gemeint, dass die Verdi-Oper um ein Jahr verschoben wird und im Sommer 2021 zur Aufführung kommt. Ohne die Produktion am See seien keine Festspiele denkbar, sagt Intendantin Elisabeth Sobotka:

«Für uns ist das Herz und der Motor der Festspiele die Seebühne.»

Teilfestspiele kämen deshalb nicht in Frage. Sie spricht von einer «sehr, sehr schweren Stunde». Man müsse sich an den Gedanken gewöhnen, nicht in einem Monat, sondern erst in 13 Monaten mit den Proben zu beginnen.

Alle geplanten Projekte würden jedoch in den nächsten zwei Jahren aufgeführt: «Das ist unser aller Trost», sagt Sobotka, «wir wissen, wir verschieben nur.» Die Oper «Madame Butterfly» von Giacomo Puccini, die 2021 auf die Seebühne gekommen wäre, wird ebenfalls um ein Jahr ins 2022 verschoben.

Kaufmännischer Direktor Michael Diem.

Kaufmännischer Direktor Michael Diem.

Bild: PD

Die österreichische Regierung erlaubt bis Ende Juli nur Veranstaltungen bis 250 Personen, ab August sind es 1000 Personen. Das Auditorium der grössten Seebühne der Welt umfasst jedoch 7000 Personen. Der kaufmännische Direktor Michael Diem sagt:

«Die Saison ist auch wirtschaftlich nicht machbar.»

Das ist umso bitterer, als dass die letzte Saison die erfolgreichste aller Zeiten war und auch der Vorverkauf für die Saison 2020 so gut anlief wie noch nie. 80 Prozent der Tickets waren bereits weg: «Noch heute Vormittag haben wir 30 Karten für die diesjährige Produktion verkauft», sagt Diem.

Für die Besucherinnen und Besucher, die bereit Karten gekauft haben, gibt es vier Möglichkeiten, wobei Diem die erste Variante bevorzugt:

  1. Billettumtausch 
  2. Rückerstattung des Tickets
  3. Ausstellung eines Gutscheins
  4. Spende des Billetts

Die Freunde der Bregenzer Festspiele können ihre Karten ab sofort umtauschen, alle anderen ab Montag. Über ein Onlineformular auf der Website der Festspiele sei das sehr einfach möglich, sagt Diem.

Mehr zum Thema