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BREGENZER FESTSPIELE: Der 20-Millionen-Euro-Mann

Michael Diem liebt die Schweizer. Sie kaufen früh und noch dazu die teuersten Karten für jene Festspiele, für deren finanzielles Wohlergehen Michael Diem seit 2008 verantwortlich ist.
Rolf App
Ihm bringen Carmens Karten Glück: Michael Diem auf der Bregenzer Seebühne. (Bild: Ralph Ribi (Bregenz, 14. März 2018))

Ihm bringen Carmens Karten Glück: Michael Diem auf der Bregenzer Seebühne. (Bild: Ralph Ribi (Bregenz, 14. März 2018))

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@tagblatt.ch

Noch dämmern die Bregenzer Festspiele im Winterschlaf dahin. Mal ist es schon frühlingshaft heiter, mal winterlich kalt. Die Bühne im See liegt verlassen, erst im Juli wird das Kartenspiel von Georges Bizets «Carmen» neu gemischt. Einer, der in seinem Büro in luftiger, bei starkem Wind auch durchaus etwas wackliger Höhe und spektakulärer Aussicht jetzt schon an der Arbeit ist, das ist Michael Diem, der Kaufmännische Direktor. Sein Name kommt dem Ostschweizer Leser bekannt vor, er klingt nicht nach Österreich. Und tatsächlich: «Meine Vorfahren sind in der Reformation aus Appenzell Ausserrhoden nach Vorarlberg ausgewandert, weil sie katholisch bleiben wollten», erzählt er.

Dort, genauer: in Dornbirn, ist er als Sohn eines Sattlers, Tapezierers und Bodenlegers auch aufgewachsen. «Es war auch mein lang gehegter Wunsch, das väterliche Handwerksunternehmen weiterzuführen.» Der Vater wollte aber, dass er noch die Matura machte, da begann ihn denn das Kaufmännische stärker zu interessieren.

«Ich bin immer noch nah beim Handwerk»

Doch die Herkunft wirkt nach. «Ich bin aber immer noch nah beim Handwerk», sagt Michael Diem. «Wir haben hier viele Handwerker, grosse Teile der Seebühne werden selber hergestellt. Wenn man sich da auskennt, kann man es besser kalkulieren.» Kalkulieren können muss er bei den Bregenzer Festspielen, zu denen er vor 21 Jahren nach Studium und Militär gestossen ist. Als Controller hat er angefangen, sein Vorgänger Franz Salzmann hat ihn Stufe um Stufe nach oben befördert.

Wobei er seit 2008 eigentlich an der Spitze zweier Organisationen steht – der Bregenzer Festspiele auf der einen, der Bregenzer Kongresskultur auf der andern Seite, welche das Fest- spielhaus ausserhalb der Festspiele an Dritte vermietet. «Es geht dabei nicht nur um Kulturveranstaltungen», sagt Diem. «Tagungen und Kongresse finden hier statt, und während der Faschingszeit machen wir auch viele Schulbälle. Junge Menschen können so auch ein erstes Mal Veranstaltungsluft schnuppern.»

230000 Karten, 7000 Plätze

Man spürt, wie wichtig Michael Diem diese Aufgeschlossenheit gegenüber jungen Menschen ist. Überhaupt schlägt in seiner lebhaften Art immer wieder die Begeisterung für die Produktionen auf der Seebühne und im Festspielhaus durch – sodass man beinahe glauben möchte, er und nicht Elisabeth Sobotka ein paar Büros weiter trage fürs Künstlerische die Verantwortung.

Was beiden wichtig ist: Die Bregenzer Festspiele wollen ein Anlass für ein breites Publikum sein und immer wieder neue, junge Generationen anziehen. Die Latte liegt hoch: Fast 7000 Plätze fasst die Seebühne, an die 230000 Karten müssen verkauft werden, um Ausgaben von 20 Millionen Euro zu stemmen, von denen nur gerade ein Drittel aus Subventionen oder von Sponsoren stammen. Denn nicht nur das Spiel auf dem See mit seiner millionenteuren Bühne muss finanziert werden, sondern auch die Oper im Festspielhaus und etliche andere Projekte. «Wir wollen ein breitgefächertes Festival sein», betont Michael Diem.

Das klappt auch in geografischer Hinsicht gut. 62 Prozent der Besucher stammen aus dem süddeutschen Raum, für sie gehören die Festspiele zur Ferienzeit. «Die Baden-Württemberger begegnen uns mit enorm viel Herzblut – so dass manchem gar nicht klar ist, dass Bregenz schon zu Österreich gehört.» Dreizehn Prozent kommen aus der Schweiz und Liechtenstein. «Wir haben eine intensive Kooperation mit den Hotels am Bodenseeufer, etwa mit dem ‹Bad Horn›.» Was den Zahlenmenschen in Michael Diem aber besonders beruhigt: Die Schweizer kaufen als Erste und gern die teuersten Karten.

Ein Wagnis aber bleiben die Bregenzer Festspiele. Das hat Michael Diem 2011/12 erlebt, als sich Umberto Giordanos «André Chénier» unerwartet schwach verkauft hat. Leider hat Michael Diems Idee sich nicht verwirklichen lassen, für die zweite Saison den Startenor Rolando Villazón zu verpflichten, der schon einmal hier war für Puccinis «La Bohème». «Die Rolle von Andrea Chénier hat zu dem Zeitpunkt leider nicht gepasst, deshalb konnte er nicht kommen.» Sodass man auf jene Rücklagen zurückgreifen musste, die Diem als sorgfältig rechnender Kaufmännischer Direktor zur Seite gelegt hat.

Sorgen für diesen Sommer muss Diem sich nicht machen, bereits hat er eine Zusatzvorstellung angekündigt. Danach beginnt gleich der Vorverkauf – für Verdis «Rigoletto».

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