Brandheisser Krimi

LESBAR OSTSCHWEIZ

Hansruedi Kugler Brigitte Schmid-Gugler
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Bild: Hansruedi Kugler Brigitte Schmid-Gugler

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LESBAR OSTSCHWEIZ

Petra Ivanov lebt zwar in Zürich, ist aber seit ihrem ersten Krimi ein Zugpferd des Appenzeller Verlags. Mehrdeutig ist der Titel ihres neuen Krimis. Wörtlich und im übertragenen Sinn werden «heisse Eisen» angepackt: Ein stur-grüner Politiker kämpft gegen reiche Villenbesitzer für einen Seeuferweg und wird ermordet, die Staatsanwältin Regina Flint legt sich mit einem einflussreichen und zwielichtigen Immobilien-Hai an, und schliesslich spielt ein Spanferkelgrill eine makabre Rolle. Die Leser seien vorgewarnt: In «Heisse Eisen» gibt es detailliert beschriebene Folterszenen. Ivanov-Kenner wissen aber: Die Autorin schreibt mit direkter und unverblümter Sprache in die düsteren Ecken unserer Gegenwart: Zwangsprostitution, Mafia, Sadomaso-Szene oder Internet-Kriminalität. So wuchtig die Themen, so meisterhaft detailliert schreibt Petra Ivanov über die Ermittlungen der Polizei und der Staatsanwaltschaft. Begeisternd auch, wie spannend sie Verhöre erfindet, wie sie gesellschaftliche Milieus anschaulich macht und wie sie als Kontrast zum Düster-Kriminellen die Alltags- und Beziehungsprobleme ihrer Polizisten beschreibt: Die Schweiz ist ein lebendiges Multikulti-Land.

Petra Ivanov: Heisse Eisen. Appenzeller Verlag 2015, 336 S., Fr. 39.90.

Die Tage ebnen

An seinem 80. Geburtstag vor fünf Jahren hatte Werner Lutz vom Rhein als von seinem «Gefährten» gesprochen, an dessen nahem Lauf er lebt und mit dem er konstant im Gespräch sei. Er, der Fluss, habe ihn das Zuhören und die Geduld gelehrt. Geduld mit sich, mit dem Entstehen seiner filigran geschnitzten Wort- und Satzskulpturen lässt sich aus jedem seiner schmalen Bücher herauslesen. Geduld ist auch das solide Werkzeug seines neuen Bandes. Er spricht von der Geduld, in seinen Ordnern nach Abgelegtem zu graben; den Wörtern eine neue Haut wachsen zu lassen. Geduldig schreitet Werner Lutz durch die Ebenen seiner Tage. Mit behutsamem Tasten findet er Gespinste auf laublosen Bäumen, subtilste Regungen des Gefühls, verdichtete Kunstwerke. Zarte, faserdünne Striche, gleichsam nur Nervenspuren solcher Striche, sparsame Reduktionen im Geäst der Melancholie. «Nicht die Traurigkeit das sanfte Tier/ nicht der Regen/ gefesselt an seine Melodie/ nicht der Tag geschlagen mit Zeit/ der Irrtum ist es/ er wächst in mir/ ich bin sein Garten sein Schattengeber/ seine Zärtlichkeit.»

Werner Lutz: Die Ebenen meiner Tage, Waldgut 2015, 116 S., Fr. 32.– Vernissage: Sa, 31.10., 18 Uhr, Buchhandlung zur Rose, St. Gallen

Bild: Hansruedi Kugler Brigitte Schmid-Gugler

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