TV-Serie
Borat knöpft sich die US-Waffenlobby vor

In «Who Is America?» will der britische Komiker Sacha Baron Cohen Kindergärtler bewaffnen. Was taugen solche Provokationen in der Ära Trump noch?

Lory Roebuck
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Puppy-Pistol: Ein US-Politiker geht Cohen (rechts) auf den Leim.

Puppy-Pistol: Ein US-Politiker geht Cohen (rechts) auf den Leim.

Showtime

Sie sind ihm wieder reihenweise auf den Leim gegangen. Promis, Politiker und andere Gestalten mit mehrheitsunfähigen Ansichten. «Sein Humor ist böse, manipulierend und krank», klagte Sarah Palin, die ehemalige Gouverneurin von Alaska, auf Facebook.

Doch da war es zu spät. Sie war dem britischen Schauspieler und Komiker Sacha Baron Cohen, der sich ihr gegenüber als behinderter US-Kriegsveteran ausgegeben hatte, bereits gutgläubig Rede und Antwort gestanden.

Cohen, der mit satirischen Film- und Fernsehfiguren wie «Borat», «Brüno» und «Ali G» berühmt wurde, hat für seine dokumentarische TV-Serie «Who Is America?», die eben angelaufen ist, gleich mehrere neue Alter Egos entwickelt.

In der ersten Folge spielt er unter anderem einen Verschwörungstheoretiker, der mit dem Ex-Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders über Obamacare streitet; einen Ultraliberalen, der zwei Trump-Unterstützern beim Dinner erzählt, dass er seine Tochter auf die US-Flagge menstruieren lässt; und einen Ex-Häftling, der einer Galeristin Bilder verkaufen will, die er angeblich mit seinen Fäkalien gemalt hat.

«Kinder wären gute Soldaten»

Cohen verfolgt dabei das gleiche Ziel wie immer: Er provoziert seine nichtsahnenden Interviewpartner vor laufender Kamera so lange, bis diese sich unvorteilhaft äussern oder zumindest den kruden Ansichten seiner Figuren beipflichten.

Am besten funktioniert das in «Who Is America?», als Cohen in die Rolle des israelischen Waffenfanatikers Erran Morad schlüpft. Dessen Idee, Kindergärtler mit Waffen auszurüsten, findet in Washington unter aktuellen und ehemaligen Kongressabgeordneten erstaunlich viel Gehör.

Ein Ausschnitt aus «Who Is America?»:

«3-Jährige können noch nicht zwischen Gut und Böse unterscheiden, mit einer Waffe in der Hand wären sie sehr wirkungsvolle Soldaten», sagt etwa der Waffenlobbyist Philip van Cleave. Und nimmt dann mit Morad ein bunt-fröhliches Promovideo für «Puppy-Pistols», «Gunnyrabbits» und «Uzicorns» auf.

Es sind Szenen, bei denen einem das Lachen im Hals stecken bleibt. Ihre Stärke ist, dass sie den Blick über unserer Filterblase hinaus ausweiten auf jene amerikanische Parallelwelt, die wohl auch Trumps Präsidentschaft ermöglicht hat.

Ganz so explosiv wie «Borat» (2006) ist «Who Is America?» aber nicht mehr. In einer Ära, in der es für Menschen in Machtpositionen zum guten Ton gehört, sich schlecht zu benehmen, haben entlarvende Interviews viel von ihrer Wirkung eingebüsst.

So lautet zumindest das Zwischenfazit nach der ersten von insgesamt sieben Folgen. Jene mit Sarah Palin kommt erst noch. Vielleicht birgt diese ja mehr Zündstoff.

Cohen liess durchblicken, dass er auch weitere streitbare Persönlichkeiten wie den Ex-Richter Ron Moore düpiert hat. Mehr will er noch nicht verraten.

Doch wer weiss: Als Ali G. ist es Cohen bereits 2003 gelungen, einen gewissen Donald Trump zu interviewen.

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