Bootleg

HÖRBAR JAZZ

Tom Gsteiger
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Bild: Tom Gsteiger

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HÖRBAR JAZZ

Während der Prohibition schmuggelte man in den USA Whisky auch im Stiefelschaft (Bootleg). Inzwischen wird der Begriff Bootleg in erster Linie für illegale Tonträger verwendet. Längst gibt es aber auch offizielle Bootleg-Serien, mit denen die Sammlerleidenschaft zusätzlich angestachelt werden soll. Die wohl bekannteste Bootleg-Serie ist Bob Dylan gewidmet. In Jazzkreisen stösst jene mit Konzertaufnahmen des Trompeters Miles Davis auf grosses Interesse. Teil 4 dieser Serie ist eine enorm interessante 4-CD-Box, die den Zeitraum 1955 bis 1975 abdeckt. In diesen zwei Jahrzehnten kam es in Davis' Musik zu einer faszinierenden und überaus radikalen Metamorphose. Wer sich zum Beispiel hintereinander Davis' lyrisch-unprätentiöse Interpretation der Monk-Ballade «Round Midnight» von 1955 und das 1973 mit einer stark elektrifizierten Band (mit zwei E-Gitarristen) aufgenommene Stück «Turnaroundphrase» anhört, erlebt einen ästhetischen Schock sondergleichen. Davis hat sich noch viel extremer gewandelt als Picasso! Herzstück der Box ist CD 2, auf der zu erleben ist, wie Davis' bahnbrechendes Quintett mit Wayne Shorter, Herbie Hancock, Ron Carter und Tony Williams innerhalb nur eines Jahres (1966/67) einen konzeptionellen Quantensprung machte.

Miles Davis, «At Newport: 1955-1975. Bootleg Series Vol. 4», Columbia / Sony

Comeback

Von 1989 bis 1992 nahm der hinterlistige Gitarrist John Scofield drei gloriose Quartett-Alben mit dem tollkühnen Tenorsaxophonisten Joe Lovano auf. 2003 ging dieses kongeniale Paar mit der All-Star-Gruppe ScoLoHoFo (mit Dave Holland und Al Foster) erneut ins Studio. Und nun kommt es zum zweiten Comeback, wobei die Leader-Rolle wiederum Scofield zufällt: Er hat alle neun Stücke auf dem neuen Album geschrieben, darunter das Titelstück «Past Present», bei dem es sich um eine spannende Blues-Variante handelt. Vervollständigt wird die bravouröse Band durch Scofields langjährigen Weggefährten Bill Stewart (Schlagzeug) und durch den Bassisten Larry Grenadier, der durch seine Mitarbeit im Trio des Pianisten Brad Mehldau bekannt geworden ist. Dieses Quartett groovt nicht nur wie der Teufel, sondern weiss auch, dass der Teufel im Detail steckt!

John Scofield, «Past Present», Impulse / Universal

John Scofield, Past Present (Impulse (Bild: Tom Gsteiger)

John Scofield, Past Present (Impulse (Bild: Tom Gsteiger)

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