Böse und sexy

«Chicago» kommt zum ersten Mal in der Broadway-Inszenierung nach Zürich. Ein Musical für überzeugte Erwachsene, mitreissend und pur.

Katja Fischer De Santi
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Mörderinnen, die im Gefängnis um ihr Leben tanzen und lügen – um der Skandalpresse zu gefallen – davon handelt «Chicago». (Bild: pd)

Mörderinnen, die im Gefängnis um ihr Leben tanzen und lügen – um der Skandalpresse zu gefallen – davon handelt «Chicago». (Bild: pd)

«Chicago», das ist das vielleicht beste Musical für Menschen, die mit Musicals nichts am Hut haben. Es ist böse, es ist wahnsinnig sexy. Es gibt kein Happy End, keine bonbonfarbenen Kostüme, und statt eines aufwendigen Bühnenbilds nur ganz viel schwarzen Raum. Es geht um Sex and Crime, Erfolg und Glamour, Macht und Geld, und ganz viel Jazz. Eine unwiderstehliche Mischung, wie es scheint. 1975 ersannen John Kander und Fred Ebb das Musical «Chicago». Allein in den ersten zwei Jahren wurde es in New York über 1000mal aufgeführt. 1996 ebendort aufgepeppt zum preisgekrönten Mega-Erfolg, der seit 20 Jahren ununterbrochen am Broadway läuft.

In St. Gallen auf Deutsch, in Zürich auf Englisch

2012 führte das Theater St. Gallen äussert erfolgreich eine eigene Inszenierung auf. Im November kommt das englische Original nach Zürich. Zum ersten Mal, was ziemlich erstaunlich ist. Aber wohl an der etwas redimensionierten Bühne liegt, die nun auch ins Theater 11 passt. Gerade ist man damit beschäftigt, in Schottland die Zelte abzubrechen, wo die Crew zuletzt gastierte und den riesigen Saal des «Playhouse» Abend für Abend gut füllte.

Was wohl daran liegt, dass es sich mit dem Musical «Chicago» verhält wie mit einem guten Film, man kann es wieder und wieder sehen, es langweilt einen nie. Da wird so herrlich gezickt, und gesteppt, da gibt es lange Beine und trainierte Bäuche zu sehen, und auch die Story überzeugt nach 40 Jahren immer noch.

Roxie will als Tänzerin Schlagzeilen machen. Das gelingt ihr, als sie ihren Liebhaber umbringt, im Gefängnis landet und den smarten Anwalt Billy auf ihre Seite bringen kann. Was Variété-Sternchen Velma, ebenfalls wegen Mordes im Gefängnis, ziemlich wurmt. Am Schluss werden beide freigesprochen, doch glücklich sind sie nicht. «Fun, isn't it?», singt Roxie zum Schluss zweideutig. Des Mordes ist sie freigesprochen, doch die Journalistenmeute ist bereits weitergezogen, der nächste Skandal, der nächste gefallene Star wartet schon. Das Scheinwerferlicht erlischt.

Roxie und Velma, diese beiden über Leichen gehenden Möchtegern-Stars, wickeln das Publikum mit jedem Hüftschwung, jeder exakt zum Takt hochgezogenen Augenbraue etwas mehr um den Finger. Das Stück kommt allein aus dem Ensemble, aus dessen Gesten und Bewegungen, aus dessen Wort und Witz, aus dessen Gesang und Tanz. Die Handschrift der Choreographen-Legende Bob Foss ist unübersehbar. Die Posen stimmen von den Zehenspitzen bis zur Haarwurzel. Musical als reines Theater. Für Fans ein Fest.

Musical «Chicago», Theater 11 8. bis 20. November 2016 Vorverkauf bei Ticketcorner