Bögen auf dem Weg

In der aktuellen Ausstellung in der Galerie Sonja Bänziger präsentiert die Galeristin das Werk eines Künstlers aus Franken: Gerd Kanz zeigt Variationen über das Thema Bogen.

Kristin Schmid
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Dreidimensionale Bogen-Kunst von Gerd Kanz. (Bild: Ralph Ribi)

Dreidimensionale Bogen-Kunst von Gerd Kanz. (Bild: Ralph Ribi)

Der Rundbogen ist eine markante architektonische Form. Seine Scheitelhöhe beträgt immer genau die halbe Spannweite. Er wirkt harmonisch, ruhig, archaisch. Er trägt wesentlich zum klaren Raumeindruck romanischer Kirchen bei. Es ist also wenig verwunderlich, dass Rundbögen bis heute nicht nur als architektonisches Trägersystem, sondern auch als ästhetisches Element zum Einsatz kommen.

Atelier in Brauerei

Bei der ehemaligen Brauerei im fränkischen Untermerzbach sind die Fenster nicht mit Rund-, sondern mit Segmentbögen überspannt. Dennoch gibt deren Gestalt wesentliche Impulse für die Arbeit von Gerd Kanz. Der 1966 in Erlangen geborene Künstler hat in der Brauerei sein Atelier und verwendet Rund- und Segmentbögen als Grundform seiner Werke. Die mit Segmentbögen überwölbten Fenster des Bauwerkes liefern ihm das Format für seine Reliefziegel aus Holz und anderen Materialien. Sie sind in der Ausstellung auf beiden Stockwerken zu sehen und stellen Variationen zu den Themen Farbe, Oberflächenstruktur und Linie dar.

Sie erinnern in Materialität und Kompositionsprinzipien stark an die Formensprache des Informel. Den Kontrast zu den Reliefs stellen Kanz' dreidimensionale Bogenstrukturen dar. Der Künstler präsentiert sie an der Wand hängend und klassifiziert sie dadurch zwar einerseits bewusst als Bild oder Relief, andererseits aber ist kein Hintergrund oder Bildträger vorhanden. Stattdessen sind Rundbögen auf hohen Pfeilern in bis zu sechs Schichten offen hintereinander angeordnet und wie beim Brauereigebäude auf drei Geschossen. Die Pfeiler sind nicht parallel und ihr Abstand variiert mit der Spannweite der Bögen.

Dynamisches Raster

Auch die Geschosshöhe ist nicht einheitlich. Kanz weist den Bögen unterschiedlich grossen Raum zu. Da er eine nahezu monochrome, allerdings mit manieriert wirkenden Alterungsspuren durchsetzte Farbigkeit wählt, gewisse formale Grundkonstanten und eine Rahmenkonstruktion beibehält, fügt sich alles zu einem dynamischen Raster. So als stehe Paul Klees berühmte «Revolution des Viaduktes» kurz bevor, als würden sich die Brückenbögen im nächsten Moment aus ihrem baulichen Korsett lösen und sich einzeln auf den Weg begeben. Kanz hat in den hochbeinigen Bögen seinen Weg gefunden und variiert sie nun immer wieder aufs neue in Grösse, Farbe und Gestalt.

Bis 16.5.; Galerie Sonja Bänziger (Magnihalden 17); Do + Fr: 16–19; Sa: 12–16 Uhr

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