Blumen auf Kafkas Grab

Hans Höller, Arturo Larcati: Ingeborg Bachmanns Winter- reise nach Prag. Piper 2016, 176 S., Fr. 26.90

Bettina Kugler
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Bild: Bettina Kugler

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Hans Höller, Arturo Larcati:

Ingeborg Bachmanns Winter- reise nach Prag. Piper 2016,

176 S., Fr. 26.90

Bitterkalt ist es im Januar 1964, als Ingeborg Bachmann mit einem jungen Begleiter nach Prag reist – ein Jahr nach ihrer Trennung von Max Frisch und ihrem psychischen Zusammenbruch. Meist bleibt die Dichterin, die nicht mehr an rettende Worte zu glauben vermag, im Zimmer; einmal nimmt sie ein Taxi zum Jüdischen Friedhof, um Blumen auf Kafkas Grab zu legen. Gleichwohl setzt diese «Winterreise», wie die beiden Bachmann-Forscher Höller und Larcati überzeugend darlegen, neue Schöpfungskraft frei: ein Zyklus von Prag-Gedichten entsteht, darunter «Böhmen liegt am Meer».

Hanns-Josef Ortheil:

Glaubensmomente. btb 2016, 288 S., Fr. 14.90

Taufe mit Kölsch, römische Offenbarungen

Glauben als prägende Form in Haltungen, in Alltags- und Festtagsritualen: So hat ihn der Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil als Kind katholischer Eltern in Köln kennengelernt – und mitgenommen in sein literarisches Schaffen. In viele seiner Romane und persönlich gefärbten Lebenserkundungen spielen Glaubensmomente hinein: Etwa, wenn er sich in «Die Erfindung des Lebens» an den Kirchgang mit den Eltern erinnert, an das Hochamt im Kölner Dom. An die Selbstverständlichkeit und Kraft, mit welcher die Eltern ihren Glauben lebten – ohne grosse Worte darüber zu verlieren. Oder an die Bilder, die Texte und Lieder, mit denen er aufgewachsen ist. In handlicher Brevierform liegt nun eine Auswahl von Textauszügen vor, jeweils kurz kommentiert und eingeordnet: eine Einladung, kindlich zu staunen, sich aufmerksam in jenen Resonanzraum zu versetzen, den viele nicht so positiv – bergend, anregend – erlebt haben wie Ortheil.

Glaubensmomente von Hanns-Josef Ortheil (Bild: Bettina Kugler)

Glaubensmomente von Hanns-Josef Ortheil (Bild: Bettina Kugler)