Blues statt Botox

50 Ways Nach sieben Jahren ohne eigenes Album meldet sich Vera Kaa zurück. Nach ihrem 51. Geburtstag ergreift sie die Flucht nach vorn, hat Heidi Klum ein Lied gewidmet und wäre manchmal gerne wieder ein Chilbi-Meitli. Reinhold Hönle

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Sängerin Vera Kaa fühlt sich jetzt reif genug für den Blues. (Bild: pd)

Sängerin Vera Kaa fühlt sich jetzt reif genug für den Blues. (Bild: pd)

Frau Kaa, sind Sie jemand, der sich schnell langweilt?

Vera Kaa: Ja, schon eher. Ich bin nicht gerade für Beständigkeit bekannt. Doch das Leben ist genau so: Jeder Tag ist neu. Im Herzen bin ich trotzdem ein treuer Mensch – auch der Musik gegenüber.

Die Abwechslung ist Ihnen so wichtig, dass Sie auf Ihrer CD auf 50 Arten singen?

Kaa: Mich fasziniert die ganze Palette von Rock bis Jazz. Aber nichts finde ich momentan so wunderbar wie den Blues.

Wie ist die Platte entstanden?

Kaa: Ich habe ein Jahr an ihr gearbeitet. Zuerst plante ich, einfach mal zu machen, was mir in den Sinn kommt. Ich versuchte einen Blues zu komponieren, doch es ist mir zuerst nicht gelungen. Die ersten Lieder waren dann die Hymnen «Maple Winds» und «10 Minute». Eine ist einem frühverstorbenen Freund gewidmet, die andere habe ich für mich selbst geschrieben – eine Hommage an meine Kindheit.

Was hat Sie zum Ohrwurm «Chilbiziit» inspiriert?

Kaa: Als Teenager war die Chilbi das grösste Ereignis neben der Fasnacht – vergleichbar mit der Street Parade heute. Ich hatte sooo hohe Absätze und natürlich liefen dort Slade und Status Quo. Ich höre noch den drohenden Unterton, wenn meine Mutter despektierlich sagte: «Go nume wie nes Chilbi-Maitli!» Da dachte ich: «Blos mir doch i d'Schue – ich bin es Chilbi-Maitli!»

Und nun sind Sie plötzlich über 50 und spielen mit dem Albumtitel darauf an, oder?

Kaa: Ja, natürlich, weil die 50 in den Songs drinnen sind und ich voll zu meinem Alter stehen will! Ich gehöre zu den Frauen, die sich weder liften noch Botox spritzen lassen.

Braucht das Mut?

Kaa: Ich versuche das alte Dogma zu sprengen, eine Frau mit 50 dürfe dies oder jenes nicht mehr tun. Schliesslich sind wir die Generation, die in den 80er-Jahren für ihre Kultur auf die Strasse gegangen ist. Da sollten wir versuchen, agil und fit zu bleiben.

Was bewegte Sie im Vergleich zu früheren runden Geburtstagen?

Kaa: Mit 20 hatte ich das Gefühl: Wow, nun bin ich erwachsen! Und lag damit völlig falsch. Die erste Krise hatte ich vor meinem 30. Geburtstag, weil ich nicht wusste, wo ich stehe. Selbst mit 40 war ich noch unsicher. Nun bin ich eine reife Frau und ergreife die Flucht nach vorn. Das geht natürlich nur, wenn es die Gesundheit erlaubt.

Die Texte haben Sie mit Ihrem Lebensgefährten David Eldred und die Musik mit Ex-Ehemann Greg Galli geschrieben – eine ungewöhnliche Ménage à trois.

Kaa: Wir haben eine wunderbare, sehr kreative Dreierbeziehung, die sich glücklicherweise auf die Musik beschränkt.

Wer hat Sie zum satirischen «Blues Ain't For Sissies» inspiriert?

Kaa: Heidi Klums «Germany's Next Topmodel». Diese Frau schlägt einfach alles, wenn sie mit ihrer Gwäggi-Stimme alle zur Schnecke macht – das ist ja nur noch traurig! Als ich bei meinen ersten Konzerten sagte, das nächste Lied wäre Heidi Klum gewidmet, ist das Publikum auch erschrocken. Als die Leute die Ironie bemerkten, waren sie jedoch beruhigt.

Vera Kaa: «50 Ways», BoxTon, ab heute im Handel Konzerte: 27.5. Frauenfeld, Eisenwerk, 26.11. Schaffhausen, Sommerlust.