Bligg dirigiert souverän

Von «Alles scho mal ghört» bis «Chopfkino»: Der Zürcher Musiker Bligg zeigte am Donnerstag auf dem Olma-Gelände vor rund 3000 Zuschauern eine geschliffene Show mit vielen Hits und wenig Überraschungen.

Roger Berhalter
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«Ich habe die besten Fans der Welt!» Der Zürcher Musiker Bligg gibt sich in St. Gallen bestens gelaunt. (Bild: Michel Canonica)

«Ich habe die besten Fans der Welt!» Der Zürcher Musiker Bligg gibt sich in St. Gallen bestens gelaunt. (Bild: Michel Canonica)

Zwei Paukenschläge, bombastische Streicher, dann steht Bligg auf der Bühne und lässt sein «Chopfkino» los: «Liecht! Kamera! Uuuund Action!» Der Schweizer Volksrapper gibt sich an diesem Donnerstagabend in der Olma-Halle 9.1 bester Laune. Er begrüsst seine «Fründe i de Ostschwiiz» und verspricht schon nach wenigen Songs: «Hüt abet wirds richtig geil!»

Im Handylichtermeer

Jedenfalls rührt Bligg mit der grossen Kelle an. Mit einer siebenköpfigen Band, zwei Sängerinnen und zwei Tänzerinnen lässt er die Temperatur in der Halle schnell steigen. Der 37-Jährige zeigt eine geschliffene Show mit präziser Choreographie, stimmigem Licht, wuchtigem Sound und sogar ein paar schauspielerischen Einlagen. Überraschungen bleiben allerdings aus, und Raum für Zwischentöne bleibt kaum, denn alle Beteiligten auf der Bühne drehen konstant im roten Bereich. Bligg dirigiert das Geschehen souverän, schmeichelt immer wieder dem Publikum («Ich habe die besten Fans der Welt!»), schüttelt in der ersten Reihe Hände und verwandelt den Saal mehrfach in ein Handylichtermeer.

Bild: Michel Canonica
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Nach bald 15 Jahren im Geschäft kann der Musiker auf ein grosses Repertoire zurückgreifen. Er spielt vor allem Songs des aktuellen Albums «Service Publigg», aber auch die früheren Hits «Musigg i dä Schwiiz», «Legendä und Heldä», «Chef» oder «Manhattan». Auch ein Lied von Mani Matter interpretiert er mit seiner Band neu – leider pickt er sich aus dem grossen Fundus des Berner Liedermachers ausgerechnet den Blödelsong «Ds Lotti schilet».

Zwischendurch lässt er die Musiker kurz abtreten und erinnert im Duo mit DJ Sam-B an seine Anfänge als Hip-Hopper. Hier zeigt Bligg ganz ohne Bombast, dass er noch immer rappen kann. Allerdings reagiert das (sehr durchmischte) Publikum eher verhalten auf die alten Hits «Single», «Relaxtra» oder «Alles scho mal ghört». Und die Hip-Hop-Posen, die Bligg während des Konzerts auspackt, wollen nicht mehr zum Radiopop passen, den der Rapper mittlerweile macht.

Schweizer und Ausländer

Bligg ist eben auch Business. Und wer in der kleinen Schweiz so gross ist wie er, muss eben auch gewisse Spiele spielen und beispielsweise gegen Ende des Konzerts Merchandising-Produkte an Kinder im Publikum verschenken. Oder von einer Bank gesponserte Konzerte vor geschlossener Gesellschaft geben, wie er es im vergangenen Oktober im Kugl getan hat. Auch wer von ihm Politisches erwartet, ist fehl am Platz und kommt noch am ehesten auf seine Kosten, als Bligg den französischen Akkordeonisten vorstellt: «Wir wären keine richtige Schweizer Band, hätten wir keinen Ausländer unter uns.» Ansonsten bleibt der Abend gefällig und glatt: «Politik ist nicht mein Metier, dafür sind andere Leute zuständig», sagte Bligg kürzlich in einem Interview. «Ich will mit meiner Musik die Leute unterhalten.» Dieses Ziel hat der Zürcher in St. Gallen definitiv erreicht.

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