Blass

HÖRBAR Die Zeiten, als Marilyn Manson mit seinem in jeder Hinsicht extremen und explizit provokanten Auftreten und seiner gleichnamigen Band christliche Kreise und gutbürgerliche Familien schockierte, sind längst vorbei.

David Gadze
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Bild: David Gadze

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HÖRBAR

Die Zeiten, als Marilyn Manson mit seinem in jeder Hinsicht extremen und explizit provokanten Auftreten und seiner gleichnamigen Band christliche Kreise und gutbürgerliche Familien schockierte, sind längst vorbei. Spätestens sein Auftritt in der Michael-Moore-Doku «Bowling For Columbine» zeigte einer breiten Öffentlichkeit, dass sich hinter der Maske ein intelligenter Sozialkritiker verbirgt. Dass der «bleiche Kaiser», wie er sich im Titel seiner neuen Platte selbst nennt, aber mit seiner Musik nicht mehr überraschen kann, ist eine Tatsache, die sich in den vergangenen Jahren stetig akzentuierte. Zwar zeigt sich der 46-Jährige auch auf «The Pale Emperor» bissig, und immer wieder gelingt es ihm auch, einen zu packen. Doch vielen Songs fehlt es an Frische und Feuer. Allzu oft wirken sie wie ein lauer Aufguss der Grosstaten aus vergangenen Zeiten. Früher war jede Marilyn-Manson-Platte eine Bombe. «The Pale Emperor» ist höchstens noch ein Böller.

Marilyn Manson: The Pale Emperor (Vertigo/Universal Music)

Psychedelisch

Viele hatten Archive nach ihrem letzten Album «Axiom», einer Art Soundtrack zum gleichnamigen Filmprojekt, bereits abgeschrieben. Zu monoton, zu langatmig, zu austauschbar präsentierte sich die Gruppe. Und jetzt, nur etwas mehr als ein halbes Jahr später, legen die Londoner bereits ihr nächstes Werk vor, das zehnte in der rund 20jährigen Bandgeschichte. Ein Schnellschuss? Im Gegenteil. Auf «Restriction» zeigen sich die Londoner wieder in Höchstform. Aus Trip-Hop und Progressive Rock erschaffen sie diese psychedelische Klangmixtur, die sich wie eine Welle im ganzen Körper ausbreitet. Harte Beats zerschellen an sphärischen Synthieflächen, Klänge und Stimmungen fliessen ineinander und vermengen sich zu dieser so dynamischen Musikgewalt, wie sie nur Archive hinbekommen.

Archive: Restriction (PIAS/Musikvertrieb) Live: 9. März, Zürich (X-Tra)

Herzerwärmend

Genau vier Jahre liessen sich The Decemberists Zeit für ihr neues Album. Die Indie-Folk-Band aus Portland, Oregon, serviert genau das, was man von ihr kennt: Melodien, die ins Herz gehen. Zwar wird die bittersüsse Melancholie früherer Platten von fast schon zu viel Fröhlichkeit überdeckt, doch für den Jahresanfang kommt diese Platte wie gerufen.

The Decemberists: What A Terrible World, What A Beautiful World (Rough Trade/Musikvertrieb) Live: 28. Februar, Zürich (Kaufleuten)

Bild: David Gadze

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