«Blacky»

Was ist das Schwerste im Alter? Das Treppensteigen. Joachim Fuchsberger ist 85 und eine Legende. Für hundert Spielfilme und zweitausend Fernsehaufzeichnungen wird er nun geehrt: Der Burda-Verlag verleiht ihm für sein Lebenswerk einen Ehren-Bambi.

Drucken
Teilen

Der Schauspieler und Entertainer ist als Gesprächspartner gefragt wie eh und je, nur dass er nicht mehr über Filme und Fernsehshows spricht, sondern vorwiegend über sein Leben und das Alter. «Ich habe drei Herzoperationen hinter mir, zwei Herzschrittmacher und fünf Stents. Ein befreundeter Arzt sagte mir: Pass bloss auf, für dich haben wir keine Ersatzteile mehr.»

Dem Altwerden kann er wenig abgewinnen, ebenso wenig dem Zeitgeist, der darin viele Chancen sieht. «Das Alter ist eine Verlustrechnung, permanent verliert man alles Mögliche: die physische Kraft, das Gehör, den Appetit. Man kann sich im Alter als begnadet ansehen, wenn der Kopf noch funktioniert.»

Seine Gäste nie bedrängt

1954 begann Joachim Fuchsberger seine Filmkarriere als Hauptdarsteller in dem Dreiteiler «08/15». In den Sechzigerjahren wurde er als Inspektor in Edgar-Wallace-Filmen und anderen Krimis zu einem allbekannten Kinostar. Später wechselte er zum Fernsehen, und die deutsche Nation nannte ihn fortan «Blacky». «Auf los geht's los» hiess seine grosse Samstagabendshow: Eurovision in drei Ländern mit 20 Millionen Zuschauern.

In den Achtzigerjahren moderierte er die ARD-Talkshow «Heut' abend». Er rauchte vor der Kamera Pfeife und befragte Prominente zu ihrem Leben. Nie bedrängte er dabei seine Gäste, er blieb höflich und charmant.

Joachim Fuchsberger hat sein Leben lang Glück gehabt – scheinbar. Dann starb sein Sohn Thomas im Alter von 53 Jahren. Er war in einem durch Diabetes ausgelösten Verwirrungszustand in einen Bach gestürzt und ertrunken. Ein solcher Schicksalsschlag bleibt unauslöschlich. Fuchsberger sagt: «Der Spruch, dass die Zeit alle Wunden heilt, ist Quatsch. Die Zeit heilt keine Wunden.»

Der gebürtige Stuttgarter lebt seit Jahrzehnten in München. Finanziell unabhängig konnte er es sich leisten, zahlreiche Filmangebote abzulehnen, weil er die Drehbücher als unzumutbar empfand. Dieses Privileg drückte er mit einem bayrischen Sprichwort einmal so aus: «Mit vollen Hosen kann man gut stinken.»

«Die Ehe – das härteste Stück Arbeit»

Film und Fernsehen haben ihn prominent gemacht. Doch sollte man ihn nicht fragen, ob er stolz auf seine Karriere sei. Er sagt: «Unsinn. Das einzige, worauf ich wirklich stolz bin, ist meine Ehe. Sie hält seit 58 Jahren. Das war das härteste Stück Arbeit in meinem Leben.»

«Altwerden ist nichts für Feiglinge» heisst sein Buch, das vor wenigen Jahren erschien und ein Bestseller wurde. Er sieht seine Schrift als Aufmunterung: «Ich kann morgen tot umfallen oder 105 werden. Ich weiss es nicht. Aber ich rufe meinen Altersgenossen zu: Tut etwas! – und lasst euch nicht von Rotzlöffeln herumkommandieren!»

Er selbst hat sich soeben zu Filmarbeiten nochmals verpflichten lassen. Für eine Fernsehkomödie steht er ab November vor der Kamera. «Das Drehbuch ist fabelhaft», schwärmt er. «Ich hoffe, dass ich durchhalte.»

Bruno Scheible

Aktuelle Nachrichten