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Filmtipp: Bizarre Maskenspiele

Ein junger Mann wird im Ersten Weltkrieg im Gesicht verstümmelt. Fortan trägt er kunstvolle Masken wie das Phantom der Oper. Der Franzose Albert Dupontel hat den packenden Anti-Kriegsroman «Au revoir là-haut» meisterhaft als tragische Komödie verfilmt.
Irene Genhart

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

Wenige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg wird in Marokko ein gewisser Albert Maillard (Albert Dupontel) verhaftet. Er hat einen Koffer voller Geld, eine Frau, ein halbwüchsiges Mädchen bei sich und muss sich auf dem Kommissariat erklären.

Davon ausgehend blendet «Au revoir là-haut» zurück in die letzten Wehen des Ersten Weltkrieges, genauer an den 9. November 1918. Der Waffenstillstand ist bereits beschlossen und bis in die Schützengräben kommuniziert.

Doch Leutnant Henri d’Aulnay-Pradelle (Laurent Lafitte) will noch einige letzte Meriten verdienen und bricht mutwillig nochmals ein Gefecht vom Zaun. Unter dessen Opfern befindet sich Edouard Péricourt (Nahuel Pérez Biscayart), Maillards bester Freund: ein blutjunger Soldat, fast Knabe noch: wohl erzogen, sensibel, künstlerisch begabt. Péricourt überlebt. Doch sein Gesicht ist derart verstümmelt, dass er seinem strengen Vater nicht wieder unter die Augen treten will. So sorgt Maillard denn dafür, dass Péricourts Namen auf den Listen der Toten auftaucht und bezieht mit ihm eine Mansarde in Paris. Derweil Maillard mit diversen Hilfsjobs für ihr Überleben sorgt, fertigt Péricourt für sich verschiedene Masken an und beginnt wieder zu zeichnen: Denkmäler und Gedenkstätten für gefallene Helden.

Schlitzohrige Betrügereien in Paris nach dem Krieg

Auch Pradelle treibt sich nach dem Krieg in Paris herum. Er ist im Bestattungsgeschäft tätig, nimmt im Auftrag des Staates Exhumierungen und Verlegungen vor und verdient sich mit schlitzohrigen Betrügereien eine goldige Nase.

Der junge Péricourt (Nahuel Pérez Biscayart) stellt kunstvolle Masken her, um sein verstümmeltes Gesicht zu verbergen. (Bild: Pathé Films)

Der junge Péricourt (Nahuel Pérez Biscayart) stellt kunstvolle Masken her, um sein verstümmeltes Gesicht zu verbergen. (Bild: Pathé Films)

Zu Grunde liegt «Au revoir là-haut» ein preisgekrönter Roman von Pierre Lemaitre («Wir sehen uns da oben»), der zum Teil fiktiv, zum anderen sich auf historisch verbriefte Ereignisse stützend das Schreckens-Panoptikum des Krieges, vor allem aber die einzigartige Nachkriegsstimmung schildert.

Zwischen Trauma und Freudentaumel

Dupontel, nebst Regie auch fürs Drehbuch verantwortlich, hat den Roman verdichtet, Episoden ineinander verquickt und die Erzählung um Edouard und seinen Vater emotional ausgebaut. Resultat ist ein Film, der mit ausgesprochenem Flair fürs Komisch-Groteske, zugleich feinem Gespür für leise Zwischentöne die ersten Nachkriegsjahre auf die Leinwand packt. Als eine gespensterhafte Zeit, in der die Menschen von Freudentaumel gepackt ebenso wie von Traumas gelähmt im Normalalltag wieder Tritt zu fassen versuchen. Dabei erinnern die grotesk-makaber anmutenden Grabaushebungen unmittelbar an die grossen Filme von Marc Caro und Jean-Pierre Jeunet, derweil Péricourts Masken, die nicht nur die Verstümmelung verdecken, sondern auch Gefühlslagen spiegeln, unvermittelt auf die Geschichte des Phantoms der Oper verweist.

Grosse Liebe zu den Figuren

Selbst in düsteren Momenten unverhofft zu stiller Heiterkeit findend, zeichnet «Au revoir là-haut» eine grosse Liebe zu seinen Figuren, auch wenn diese alles andere als immer sympathisch gezeigt werden. Vor allem von Nahuel Pérez Biscayart sensationell gespielt, ist «Au revoir là-haut» einer der seit Jahren besten Filme über und gegen den Krieg.

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