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Bitterböses Spiel um Macht

Günther Beelitz hat «Die Macht der Gewohnheit» von Thomas Bernhard als grotesk-tristes Panoptikum am Vorarlberger Landestheater inszeniert.
Helmut Voith

Auch in dieser bitterbösen Parabel über die Kluft zwischen Anspruch und Erfüllung nutzt Sprachkünstler Thomas Bernhard die Form der Komödie, um den Kampf des einzelnen gegen die subjektiv als ignorant und feindlich empfundene Umgebung vorzuführen. Sein «Held», Zirkusdirektor Caribaldi, führt einen verbissenen Kampf gegen das Scheitern des eigenen Lebensentwurfs. In stets sich wiederholenden, quälenden Ritualen beherrscht er die, die ihm ausgeliefert sind, die ihn nach Kräften torpedieren und doch keinen Fluchtweg sehen.

Surreale Zirkuswelt

Hinter dem Samtvorhang erscheint in Paul Lerchbaumers Bühnenbild eine surreale Zirkuswelt. Der Zuschauer erlebt das Leben hinter der Manege. Schon beim Eintreffen richten sich die Akteure für ihren Zirkusauftritt her, links steht das windige Klavier, das der Dompteur hasserfüllt malträtieren wird, in der Mitte thront der Zirkusdirektor mit seinem Cello. Tag für Tag finden sich hier die fünf Menschen des kleinen Wanderzirkus nach der Vorstellung zur erzwungenen Probe von Schuberts «Forellenquintett» ein. Virtuos knurrt, wütet und schweigt Andreas Weissert als Zirkusdirektor mit dem Holzbein, ein Bild des Jammers gibt Olga Wäscher als unfreiwillige Seiltänzerin ab, herrlich ungehobelt Maximilian Laprell als trunksüchtiger Dompteur, eine armselige Kreatur ist Helmut Rühls hustender Jongleur, ein verunsicherter Clown Andreas Jähnert.

Ein satirisches Spiel

Vor 22 Jahren hat ein Arzt dem Direktor zum Cello geraten, als Konzentrationsübung. Seither treibt er alle rücksichtslos zum Mitmachen an. «Wir hassen das Forellenquintett, aber es muss gespielt werden...» Keiner kann spielen, keiner will spielen, es ist die Hölle, aber mit virtuos jonglierter Sprache. In mehrfacher Brechung läuft ein eigentlich banales Alltagsgeschehen ab. Es ist ein satirisches Spiel um vermeintliche Macht, die zur Selbstzerstörung führen muss. Das Publikum goutierte das blutvolle Spiel und die virtuos formulierten Bosheiten.

Weitere Aufführungen: 9., 15., 17., 26. Mai; 1. und 3. Juni, 19.30 Uhr. Infos unter www.landestheater.org

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