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«Bin zu alt für Liebeskomödien»

Hugh Grant hat den Golden Icon Award erhalten. Witzig ist nicht nur seine Komödie «Florence Foster Jenkins» mit Meryl Streep, sondern auch die Medienkonferenz mit dem Briten.
Andreas Stock

Die Ironie und der spitzbübische Schalk sind ihm ins Gesicht geschrieben, ebenso wie erste Altersfältchen. Zudem setzt Hugh Grant während der Medienkonferenz manchmal sein aus den Filmen vertrautes, schiefes Schmunzeln auf, das zwischen Unbeholfenheit und Selbstbewusstheit changieren kann. Oder er dreht seine graublauen Augen nach oben, wenn ihm eine Frage nicht so behagt: «Das geht zu tief» (ins Privatleben), sagt der 56jährige Londoner einmal, als er eine Parallele zwischen sich und seiner Rolle in «Florence Foster Jenkins» ziehen soll. In der köstlichen Tragikomödie von Stephen Frears ist Hugh Grants Figur St. Clair mit der exzentrischen Millionärin Foster Jenkins (Meryl Streep) verheiratet, gleichzeitig hat er eine Freundin, die er liebt.

Auf diese fünf Jahre ist er stolz

Hugh Grant, der sein Privatleben so gut wie möglich schützt, hat selbst vier Kinder mit zwei Frauen. Und verrät doch, dass er die letzten zwei Jahre statt mit Filmen «mit anderen Dingen wie Politik und Kinderkriegen» beschäftigt gewesen sei. Mit Politik meint er die Organisation Hacked Off, in deren Vorstand er ist. Hacked Off hat sich für ein Gesetz engagiert, das eine stärkere Kontrolle der britischen Boulevardmedien fordert. «Auf die Arbeit dafür in den letzten fünf Jahren bin ich wirklich stolz», sagt der Schauspieler. Das Parlament habe das Gesetz, womit die Privatsphäre besser geschützt werden soll, verabschiedet; es fehle nur noch eine technische Formalität, doch ziere sich die Regierung.

Berühmt geworden ist der Brite als Herzensbrecher in romantischen Komödien wie «Vier Hochzeiten und ein Todesfall», «Notting Hill» oder «Bridget Jones». Dabei sei das gar nicht sein bevorzugtes Genre, gesteht Grant, aber er habe nichts anderes angeboten bekommen. Einige dieser Filme schätzt er zwar, aber sich selber sieht er nicht gerne darin – was ihn mit vielen anderen Schauspielerinnen und Schauspielern verbindet: «Man sieht nur, was man alles nicht gut gemacht hat und es wirkt seltsam sich zuzusehen. So, wie wenn man seine eigene Stimme auf dem Anrufbeantworter hört.»

«<Cloud Atlas> war meine schwierigste Rolle»

Mittlerweile sei er «zu alt geworden für Liebeskomödien». Und: «Ehrlich, es ist auch eine Erleichterung.» Bösewichte und komplexe Figuren zu spielen sei viel interessanter als einen Liebhaber.

Gelegentlich hat Hugh Grant solche vielschichtigere Figuren verkörpern dürfen. Beispielsweise in «Bitter Moon» von Roman Polanski, im Medizinthriller «Extreme Measures» von Michael Apted oder zuletzt in «Cloud Atlas», worin er gleich sechs Bösewichte verkörperte. Das habe er nicht so durchgedacht, als er zugesagt habe, erzählt Hugh Grant eine seiner witzigen Anekdoten: «Es war meine schwierigste Rolle. Da stand ich auf einer Bergspitze in Deutschland, mit rasiertem Kopf und falschen Zähnen und sollte einen postapokalyptischen Kannibalen spielen. Und dachte, ich weiss nicht, wie ich das spielen soll – ich brauche eine witzige Dialogzeile!»

Nach Zürich mit dem Midlife-Crisis-Auto

Zur Rolle des gescheiterten Schauspielers in «Florence Foster Jenkins» habe er leicht Ja sagen können, weil das ein komplexer Charakter sei und er mit Regisseur Stephen Frears und Meryl Streep arbeiten konnte. Die Vorstellung, neben der 19fachen Oscar-nominierten Schauspielerin zu agieren, sei zwar «furchteinflössend» gewesen. «Aber es ist wie beim Tennis: Wenn man gegen Roger Federer antritt, spielt man auch besser.»

Ob dank Meryl Streep – die Florence Jenkins, «die schlechteste Sängerin aller Zeiten» im New York der 1940er-Jahre so formidabel verkörpert – oder nicht, Hugh Grant spielt ihren Ehemann überzeugend. Die Tragikomödie, die auf realen Figuren beruht, ist so warmherzig wie witzig und dreht sich um Musik-Leidenschaft und mangelndes Talent. Stephen Frears gelingt es, sich über die zwar lausigen aber umso leidenschaftlicheren Sopran-Koloraturen, die Florence ihrem Publikum entgegen schmettert, nicht lächerlich zu machen. Apropos Leidenschaft: Hugh Grant hat ein Faible für «verrückte» Autos, wie er verrät. Er kurve mit ihnen gerne in Europa herum und er ist nun auch selber nach Zürich gefahren. Mit was für einem Wagen, wollte er nicht verraten: «Ein Midlife-Crisis-Auto» meint er nur knapp.

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