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Kann man einen Mord vergessen. Im spannenden Krimi sicher

Ein sterbender Multimillionär will via Hypnose herausfinden, ob er als junger Mann an einem Mord beteiligt war. Der Thriller des Belgiers Eugene Chirovici ist genial.
Arno Renggli
Der 54-jährige Wahlbelgier Eugene Chirovici zweifelte lange daran, ob sein Roman «Das Echo der Wahrheit» wirklich gut ist. (Bild: PD)

Der 54-jährige Wahlbelgier Eugene Chirovici zweifelte lange daran, ob sein Roman «Das Echo der Wahrheit» wirklich gut ist. (Bild: PD)

Es wäre ein wenig absurd, schon im April den Krimi des Jahres erküren zu wollen. Zugleich aber ist schwer vorstellbar, dass da noch einer kommt, der besser ist als «Das Echo der Wahrheit» von Eugene Chirovici. Aber wir lassen uns gerne überraschen.

Eine Überraschung war vor zwei Jahren auch der erste Thriller des aus Transsilvanien stammenden Wahlbelgiers. «Das Buch der Spiegel», in 38 Ländern erschienen, erzählt eine raffinierte Story um einen in einem Buchfragment geschilderten Mord. Drei Protagonisten versuchen nacheinander und mit immer mehr Vorwissen herauszufinden, was wirklich geschehen ist.

Psychiater immer mehr besessen vom Fall

Genau dies will im neuen Buch von Eugene Chirovici auch der schwerreiche Amerikaner Josh Fleischer. Er ist schwer krank, hat nur noch wenige Wochen zu leben und eine Last auf der Seele: Vor Jahrzehnten war er als junger Mann ins mysteriöse Verschwinden einer jungen Frau involviert. Doch weil er zugedröhnt war, kann er sich nicht genau erinnern, was in jener Nacht in einem Pariser Hotelzimmer passiert ist. Wo nicht nur die Frau, sondern auch sein bester Freund zugegen war. Dies soll nun der renommierte Psychiater James Cobb mittels Hypnose herausfinden.

Die Sessions ergeben weitere Anhaltspunkte, aber nicht wirklich Klarheit. Und Cobb beginnt auf eigene Faust zu recherchieren. Da wird ihm das Tagebuch eines Mannes zugespielt, der sich vor Jahren in einer psychiatrischen Anstalt das Leben genommen hat. Und der in den Fall verwickelt ist. Cobb ist immer mehr besessen von dem Rätsel. Was auch mit seiner eigenen Vergangenheit und einer traumatischen Schuld zu tun hat. Schliesslich reist er selber nach Paris und stösst auf die fatale Wahrheit.

Wahrheit und Schuld und inwiefern beides eindeutig oder vielleicht nur Produkte einer sich verändernden Wahrnehmung beziehungsweise Erinnerung ist: Das bildet den gedanklichen Hintergrund der Story. Doch so wichtig und relevant das Thema auch ist, es wird einem nicht derart massiv präsentiert, dass es den Krimigenuss schmälern könnte. Dafür ist auch die Handlung zu spannend und zu gut erzählt. Vordergründig scheint sie gar nicht viel Tempo zu haben. Zu den Hypnosesession gelangt man erst nach einem Drittel des Buches. Aber auch dieses enthüllt schon derart viel Interessantes, dessen grösseren Kontext man erst erahnt, was einen auch in ständiger Vorfreude weiterlesen lässt. Gleichzeitig entwickelt die Story eine suggestive Kraft, auch dank einer gewissen albtraumartigen Surrealität, die allerdings den Rahmen der Logik nie verlässt und auch gänzlich ohne Fantasy-Elemente auskommt. Übrigens auch ohne Effekthascherei oder überdrehte Action, wie im Thrillergenre oft anzutreffen.

Erst Erfolg des Vorgängers liess ihn ans Buch glauben

Erzählweise und Sprache sind vielmehr von hoher literarischer Qualität, indes auf schlichte, unprätentiöse Art. Das gedankliche Niveau ist genau so hoch wie die Verständlichkeit. Da schreibt einer, der nicht demonstrieren muss, was er als Autor kann. Und während beim ersten Buch die Auflösung vielleicht eine Spur überkonstruiert war, ist sie im neuen Buch absolut stimmig.

Chirovici schrieb den Entwurf zu «Das Echo der Wahrheit» bereits vor fünf Jahren, war aber nicht davon überzeugt. Eine zweite Fassung liess er zwei Jahre lang im Schreibtisch liegen. Erst ermutigt durch den Erfolg von «Das Buch der Spiegel» wagte er sich erneut an den Stoff und schrieb die endgültige Version. Darüber kann man als Liebhaber hochklassiger Krimis nur froh sein. Und hoffen, dass bald schon ein nächster erscheint.

Eugene Chirovici: Das Echo der Wahrheit. Goldmann, 316 S., Fr. 32.-

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