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Bilder aus dem gelobten Land: Eine Frauenfelderin hat Flüchtlinge porträtiert

Die Frauenfelder Künstlerin Carole Isler hat in Griechenland Flüchtlinge getroffen und gemalt. Ihre Porträts von Patienten der Ärzte ohne Grenzen zeigt sie am Comicfestical Fumetto in Luzern.
Dieter Langhart
Flüchtlinge auf Chios: Carole Isler breitet ihre zart farbenen Porträts in ihrem Atelier aus. (Bild: Dieter Langhart)

Flüchtlinge auf Chios: Carole Isler breitet ihre zart farbenen Porträts in ihrem Atelier aus. (Bild: Dieter Langhart)

Die frohen Farben, die offenen Gesichter täuschen – es sind Menschen, die aufgebrochen sind in eine sichere Welt, die gestrandet sind, die nicht mehr weiterkommen, die verzweifelt oder lethargisch oder traumatisiert sind, die krank sind und um Hilfe bitten und diese Hilfe von den Ärzten ohne Grenzen erhalten.

Die sind überall da, wo Menschen auf medizinische Nothilfe angewiesen sind: in Krisengebieten oder bei Naturkatastrophen. Auch in Griechenland: in Athen, auf Lesbos, auf Chios. Wer aber sicher ist und nicht vor dem IS oder Stammesfeinden flüchtet, und wer es sich leisten kann, der bucht vielleicht eine Kreuzfahrt auf einem Luxusdampfer und lässt sich von der Bordmalerin porträtieren.

Die Künstlerin Carole Isler kennt beides: die Verschwendung und die Verzweiflung.

Schöne Zusammenarbeit nach der Blindbewerbung

2016/17 war sie Bordmalerin für vier Monate, darunter sechs Tage Rotes Meer, fünfzig Nationen in der Crew. Sie hatte ein schönes Atelier, SRF war an Bord, man kreuzte vor Eritrea, vor der Küste eines scheinbar beendeten und vom Schiff aus unsichtbaren Unabhängigkeitskrieges.

«Mir fuhr dieser Kontrast zwischen existenziellen Problemen und Luxus ein»

sagt Carole Isler in ihrem Atelier in der Theaterwerkstatt Gleis 5.

Zurück in der heilen Schweiz, schrieb sie die Médecins sans frontières (MSF) an. Blind. Sie wusste, dass Ärzte ohne Grenzen stets eine Ausstellungsfläche am Comicfestival Fumetto bespielen lassen, das reizte sie als Künstlerin. Im Januar riefen MSF an: ob sie mit nach Griechenland wolle. Carole Isler wollte und es passte.

Das Porträt einer jungen Frau mit ihrem Baby. (Bild: Dieter Langhart)

Das Porträt einer jungen Frau mit ihrem Baby. (Bild: Dieter Langhart)

Zwei Februartage war sie in Athen in der Tagesklinik, dem Day Care Center mit 45 Mitarbeitern und dem Fokus auf Familienplanung, Behandlung sexuell übertragbarer Krankheiten, mit Sprechstunden und Betreuung der Opfer von Folter oder sexueller Gewalt. «Sie nahmen mich ernst, eine schöne Zusammenarbeit», sagt die Künstlerin.

Warum laden MSF Kunstschaffende ein? Es geht ihnen um Vermittlung, darum, dass Aussenstehende erzählen, was sie tun. Und wie reagierten die Flüchtlinge?

«Sie waren sehr offen. Sie freuten sich, dass man sich ihnen widmet.»

Carole Isler erzählt. Wie sie später auf der Insel Chios mit dem MSF-Team aus Arzt, Hebamme, Psychiater und einer Fotografin unterwegs war zu Menschen auf der Flucht. Wie Cultural Mediators, oft selber mit Migrationshintergrund, als Übersetzer vor Ort halfen. Wie sie eine ältere Frau traf, die nicht gewohnt war, über Gefühle zu reden. Wie Legal Officers Geflüchtete über ihre Rechte aufklärten. Wie sie diese Menschen skizzierte, fotografierte, um die Porträts daheim fertigzustellen.

Sie erzählt vom Chaos im Camp, von Kälte und Wind («ich konnte abends ins Hotel und heiss duschen»). Vom Kulturschock und von der fehlenden Sicherheit. Von unterdrückten Träumen («ihr seid hier nicht willkommen») und dem 19-jährigen Fussballfan. Von der Mutter mit zwei kranken Kindern, die das Hotelzimmer nötiger gehabt hätten.

Von zwei Mädchen aus Palästina, die sich zum Valentinstag herausputzten. Von den Ärzten, denen die Flüchtlinge eher vertrauten als den Security-Leuten. Von den Einbrüchen im Dorf und von der fehlenden psychologischen Hilfe. Von Schweizern, die im Überfluss leben und sich über nichts freuen können.

Beim Malen an all die ­Geschichten erinnert

Carole Isler sagt: «Ich hätte gern mehr Menschen gefragt, ob sie sich porträtieren lassen.» Wie hat sie gearbeitet? «Ich fühlte mich fehl am Platz, irgendwie dekadent.» Oft aber seien Menschen auf sie zugekommen. «Beim Malen daheim erinnerte ich mich an all die Geschichten.» MSF hatten ihr geraten, sich abzugrenzen, nicht alles an sich heranzulassen. «Man nimmt diesen Menschen ihren Wert», sagt Carole Isler. «Ich aber bin privilegiert, ohne etwas dafür geleistet zu haben.»

Hinweis: Das Comicfestival Fumetto findet noch bis am 14. April an der Rössligasse 12 in Luzern statt. Weitere Informationen unter: fumetto.ch

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