BILANZ: Die Magie von ruhigen Konzerten

Gestern Abend endete das 11. Kulturfestival St. Gallen. Wegen der kurzfristigen Absage von Judith Holofernes hatte Veranstalter Lukas Hofstetter noch einen stressigen Tag. Aber Anlass zur Freude gab es mehrfach.

Andreas Stock
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Lukas Hofstetter, das Kulturfestival ist gestern Abend zu Ende gegangen. Zum Schluss erlebten Sie noch eine böse Überraschung?

Hofstetter: Ja, weil Judith Holofernes am Freitagmittag ihren Auftritt definitiv abgesagt hat. Sie lag seit Montag im Bett und hatte bereits Konzerte absagen müssen. Nach St. Gallen wollte die deutsche Sängerin aber kommen.

Was macht man, wenn es eine so kurzfristige Absage gibt?

Man versucht alles, um noch einen gleichwertigen Ersatz zu finden. Mit unseren Partnern der Agentur Mainland Music haben wir gefühlt 1000 Telefonanrufe getätigt. Und wir haben Vorschläge bekommen, beispielsweise von Marc Frischknecht, Christof Huber vom Open Air St. Gallen, und wir haben weitere befreundete Festivals kontaktiert, wie das Pool Bar Festival. Man sucht eine Band oder eine Künstlerin, die noch spontan nach St. Gallen kommen könnte. Leider hatte sich nichts ergeben. Aber es ist schön, wie man in so einer Situation von anderen Hilfe bekommt.

Was waren in den drei Wochen Ihre persönlichen Höhepunkte des Festivals?

Da gab es einige. Newton Faulkner war eines der Highlights. Das war ein perfekter, wunderschöner Konzertabend. Aber auch die Auftritte von Sona Jobarteh, The Slow Show und Yes I’m Very Tired Now waren wunderbar. Die ruhigen Abende waren dieses Jahr besonders stimmungsvoll.

Mir ist auch aufgefallen, dass es dieses Jahr ein sehr aufmerksames Publikum gab. Das zeigt Ihnen ja auch, dass das Programm ankommt?

Ja, das hat mich gefreut. Es gab dieses Jahr viele Abende mit dieser magischen Stimmung, auch beim Konzert von Cigarettes after Sex. Das war schön und beeindruckend. Dafür braucht es freilich Künstlerinnen und Künstler, die eine entsprechende Präsenz und das Können dazu haben.

Was ziehen Sie allgemein für eine Bilanz?

Es war ein gutes Jahr, in der zweiten Woche waren alle Abende ausverkauft, und auch in der dritten Woche gab es mehrere ausverkaufte Abende. Es war ein Jahr, in dem ich wieder etwas häufiger wegen des Wetters gezittert habe. Weil es sehr oft unsicher war, ob es Regen oder Gewitter gibt.

Das Festival bedeutet jeweils für Sie und Ihr Team eine intensive Zeit. Ist man dann auch froh, wenn das Festival zu Ende ist?

Natürlich macht sich körperlich eine gewisse Müdigkeit bemerkbar. Aber gerade am Donnerstagabend, nach dem schönen Auftritt von The Slow Show, habe ich gedacht: Schade, dass es nicht noch eine Woche länger geht. So gelungene, stimmungsvolle Abende geniesse ich sehr.

Andreas Stock