BIEL: «Ich entspreche dem Klischee»

Pegasus sind ausgezogen, um international Karriere zu machen. Die Arbeit in London und Berlin hat Früchte getragen. Leadsänger Noah Veraguth erklärt, wie viel Besessenheit und Einsamkeit dafür nötig waren.

Reinhold Hönle
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Interview: Reinhold Hönle

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@tagblatt.ch

Noah Veraguth, der Sound einiger Ihrer neuen Songs erinnert stark an Ed Sheeran.

Man muss sich immer von den Grössten inspirieren lassen und Sheeran zählt momentan bestimmt zu ihnen. Was er sehr gut kann, ist, aus sehr wenig sehr viel machen.

Was ist nach der letzten CD «Love & Gunfire» passiert?

Wir sind für fast 15 Monate nach London gezogen, um neue Songs zu schreiben. Wir wollten das schon immer mal tun. Vor zwei Jahren hatten wir dafür endlich genug Zeit und Geld.

Wie hat Ihr Leben dort ausgesehen?

Wir mieteten ein Cottage, eigentlich das Abwart-Haus, zwischen einem Cricketfeld und einem Friedhof. Dort konnten wir Musik machen, ohne jemand zu stören.

Habt Ihr in einer Pegasus-WG gewohnt?

Nein, nur Gabriel und ich teilten uns einen Haushalt. Stefan lebte nebenan. Simon kam nur kurz nach London, ist dann aber aus der Band ausgestiegen.

Wie haben Sie sich ergänzt?

Während ich wusste, dass ich mit Gabriel Songs schreiben kann, war ich überrascht, wie gut es auch sonst gepasst hat. Ich bin sehr mütterlich und habe geschaut, dass wir uns wohl fühl-ten. Gabriel ist ein exzellenter Koch, aber es hat Diskussionen darüber gegeben, wie er die Küche hinterlassen hat.

Sind Sie ins Londoner Nachtleben eingetaucht, um sich inspirieren zu lassen?

Das ist nicht nötig. London ist auch sonst eine vibrierende Stadt. Ich liebe das Flair, die Tu-dor-Häuser mit ihren Spitzbögen, und wenn ich mich in ein Café setzte und die «Daily Mail» las, fühlte ich mich irgendwie edel. Für mich ist London wie ein nobles Kleidungsstück, in das man hineinschlüpft und sich danach auch entsprechend verhält. Das Songschreiben ist ein bisschen wie ein Schauspiel. Man muss sich in verschiedene Rollen fallen lassen.

Wie kam es zur Zusammenarbeit von Sony Schweiz und Columbia Deutschland?

Als wir nach London gingen, war unser Hauptziel, mit dem Songmaterial im Ausland eine Plattenfirma zu finden, die auch an uns glaubt. Da wir keine Band sind, die plötzlich «explodiert», ist es wichtig, dass sie Geduld hat und uns viele Auftritte ermöglicht, denn das live Spielen ist eine unserer grossen Stärken. Mit dem Umzug nach Berlin haben wir Columbia gezeigt, dass wir bereit sind, unsere Komfortzone zu verlassen.

Was hätten Sie, wie in «God Knows» beschrieben, in Ihrem Leben gerne anders gemacht?

Ich war an einem Punkt, wo ich mich gefragt habe: Habe ich im zwischenmenschlichen Bereich alles richtig gemacht? War ich ein guter Sohn? War ich ein guter Bruder? War ich ein guter Freund? Und ich konnte das nicht immer bejahen. Oft vergisst man denen, die immer für einen da sind, die verdiente Wertschätzung entgegenzubringen. Ohne zwei, drei Menschen wüsste ich nicht, wo ich heute im Leben stünde.

Wie viel Besessenheit ist nötig, um als Musiker Karriere machen zu können?

Obwohl ich Musiker kenne, die verheiratet sind und ein «normales Leben» führen, ist mir bewusst, dass ich dem Klischee entspreche, dass Musiker beziehungsunfähig sind. Ich habe es nie geschafft, mich auf die Liebe und die Musik zu fokussieren.

Wie gehen Sie damit um?

Es ist schwierig, mich in Abenteuer wie eine Albumproduktion zu stürzen, wenn ich weiss, dass meine sozialen Beziehungen darunter leiden oder sogar daran zerbrechen werden.

Dann ist es kein Zufall, dass Ihr «Wedding Song» ein trauriger ist?

Vermutlich, ich hatte jedoch nicht geplant, ein Lied über die Ehe zu schreiben. Das Bild der Braut, die vom Vater zum Altar geführt wird, wo sie den schönen Kaufmann aus dem Vorort heiratet, ist mir zugeflogen. Daraus entwickelte ich die Geschichte einer Braut, die ihrem Vater zuliebe geheiratet hat und um ihre romantische Vorstellung von einem Hochzeitsfest zu verwirklichen. Dann aber liegt sie jede Nacht wach und fragt sich, weshalb sie ihre Zeit mit diesem Ehemann verschwendet, obwohl sie einmal ganz andere Pläne hatte.

Wo sehen Sie Ihre Zukunft?

Die Schweiz ist meine Heimat. Ich werde sicher weiter einen Teil meiner Zeit hier verbringen. Ich reise aber auch sehr gerne und mag England. Der Süden – Surrey und East Sussex – haben es mir besonders angetan. Dieses Wunderland, aus dem viele Schriftsteller stammen, wäre sicher inspirierend.

Pegasus: «Beautiful Life», Sony Music/Columbia, ab Freitag im Handel.

Konzerte:

24.6. Quellrock Bad Ragaz

1.7. Open Air St. Gallen

12.8. Stars In Town Schaffhausen 26.8. Summerdays-Festival, Arbon