BIBELSTUNDE: Die absolute Wahrheit

Die Bibel ist Roger Bachmanns Lieblingsbuch. Der Berufsmissionar und Leiter mehrerer Bibelkreise glaubt jedes Wort, das in der Bibel steht.

Christina Genova
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«Herzliche Einladung zum Bibelkreis St. Gallen» steht an der Türe zum kleinen Ladenlokal nahe des Silberturms. Jeden Donnerstag um 20 Uhr hält Roger Bachmann dort eine Bibelstunde ab. Seit zwanzig Jahren ist er Vollzeitmissionar beim christlichen Informationsdienst CID. Die Organisation, die vom kürzlich verstorbenen Werner Arn geleitet wurde, wird von Experten als fundamentalistisch und sektenhaft eingestuft.

Heute wird Roger Bachmann, der reformiert aufgewachsen ist und sich mit 24 Jahren bekehrt hat, im Bibelkreis das Kapitel 12 des Markus-Evangeliums lesen und darüber eine Stunde predigen. Welche Sicht hat er auf die Bibel? «Ich glaube jedes Wort, das in der Bibel steht. Das ist die absolute Wahrheit.» In der Bibel gebe es keine Widersprüche. Sie sei das Wort Gottes, Gott selber. Werde die Bibel nur mit dem menschlichen Verstand gelesen, könne sie kein Wegweiser sein: «Nur wenn wir auf den heiligen Geist hören, können wir die Bibel interpretieren.» Der heilige Geist wohne in den Herzen bekehrter Menschen.

Ein Fingerhut voll Bibelwissen

Vier bis sechs Personen nehmen jeweils am Bibelkreis teil: «Das Interesse in der Schweiz ist mager», sagt Roger Bachmann. Von Südamerika, wohin er mindestens einmal pro Jahr als Missionar reist, ist er sich anderes gewohnt. Bevor Roger Bachmann mit der Bibellesung beginnt, singt die Gruppe zwei oder drei Lieder aus dem evangelikalen Liederbuchklassiker «Jesu Name nie verklinget». Danach wird gebetet: für die Weltmission aber auch für persönliche Anliegen. Zum Abschluss des Bibelkreises folgt nochmals ein frei gesprochenes Gebet: «Beten ist wie atmen, das kommt ganz natürlich.» Eine Diskussion über die Predigt oder den Bibeltext ist nicht vorgesehen.

Obwohl Roger Bachmann mehrere Bibelkreise leitet, Lehrer an der Bibelschule ist und täglich in der Bibel liest, bleibt er bescheiden: «Wenn man die Bibel als ein Meer sieht, weiss ich einen Fingerhut davon.»

Christina Genova

christina.genova@tagblatt.ch