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Besuch aus dem All

The View zeigt in seinen ungewöhnlichen Ausstellungsräumen in diesem Jahr Arbeiten von vier Künstlern. Es wartet eine Auseinandersetzung mit der Urgeschichte, moderner Überwachungstechnik und dem «Circle of Life».
Florian Weiland

SALENSTEIN. Nadelspitze Zähne, Tentakel, die aus dem Hals wachsen, und ein Körper voller länglicher Stacheln. Hier muss es sich um ein Monster handeln, das nur der Phantasie eines Künstlers entsprungen sein kann. Doch halt, solche Wesen gab es wirklich. Das wurmähnliche Urtier Hallucigenia lebte vor mehr als 500 Millionen Jahren in unseren Ozeanen. Wissenschafter gelang es erst vor kurzem, das Aussehen dieses Mini-Monsters – Hallucigenia erreichten eine Grösse von wenigen Zentimetern – zu rekonstruieren. Die Kunst war der Wissenschaft, wie so oft, einen Schritt voraus.

Drei Urwesen

Als Martin Walde erstmals von diesen wunderlichen Wesen hörte, war er sofort fasziniert. Er sah in den Hallucigenia, über die man damals nur wenig wusste, ein «modernes Einhorn der Wissenschaft». So machte er sich sein eigenes Bild. Im unterirdischen Wasserreservoir, einem der ungewöhnlichen Ausstellungsräume von The View, sind nun drei dieser Urwesen zu sehen. Fragile Skulpturen aus Glas, durch die unregelmässige, farbige Lichtblitze zucken. Ein faszinierendes Schauspiel, das durch die vielfachen Spiegelungen der Skulpturen in den Glasbehältern noch verstärkt wird. Die Art der Präsentation erinnert an ein Naturkundemuseum. Und wer weiss, vielleicht haben sie wirklich so ähnlich ausgesehen. Oder bekommen wir hier doch nur die Halluzinationen eines Künstlers zu sehen?

Lokomotive im Plexiglas

Ein Rauschen klingt aus dem Nebenraum herüber. Wie passend, verweist es doch auf den Lebensraum der Urtiere – das Meer. Doch wir haben kein Wasser gehört. Das Geräusch stammt von einer Modelleisenbahn. Sie steht im Zentrum einer originellen Installation von Boris Petrovsky, die eine Welt für sich bildet. Denn die Lokomotive mit ihren roten Waggons ist in eine Plexiglaskugel eingeschlossen – und fährt im Kreis. Sie jagt ihren eigenen Waggons nach, scheint die Lücke schliessen zu wollen, was ihr nie gelingen wird. Ein ewiger Kreislauf. Die verspielte Anklage steckt voller Sinnbilder. Aber sie hat auch einen hohen ästhetischen Wert. Eine ausgeklügelte Lichtregie bezieht den Raum in die Arbeit ein.

Wagt man sich in den feuchten Stollen des nahen Militärunterstands hinein, stösst man auf eine absurde Maschinerie des Konstanzer Künstlers. Sie besteht aus Plexiglas und erinnert durch ihre Gestalt und die grelle Beleuchtung an einen Seziertisch. Es handelt sich um einen Raumentfeuchter, der das Wasser, das hier allüberall von den Wänden tropft, sammelt, um es anschliessend wieder freizugeben. Ein ewiger, sinnloser Kreislauf auch hier.

In der Schreinerei 14 in Salenstein, die als Ausgangsbasis von The View dient, werden auch diesmal neue Fotoarbeiten von Dierk Maass präsentiert. Erstmals aber gesellen sich in den Ausstellungsräumen und im Garten Arbeiten anderer Künstler hinzu. So setzen die Skulpturen der in Singen geborenen Künstlerin Martina Lauinger einen spannenden Kontrast. Grazile Gebilde, meist paarweise oder in Vierergruppen, die ihre volle Wirkung erst entfalten, wenn sie zum Klingen gebracht werden. Über die verschiedenen Stadien von Beziehungen lässt sich dagegen beim Anblick ihrer knotenähnlichen Gebilde trefflich philosophieren. Manche Skulpturen verschmelzen zu einer untrennbaren Einheit, andere wahren Distanz.

Genau beobachtet

Weit mehr Aufmerksamkeit zieht aber eine Skulptur von Björn Schülke auf sich. Sie ist, wie ein Wesen aus dem All, auf der Wiese gelandet. Was will diese Maschine, die an eine Raumsonde erinnert, von uns? Ihre Energie gewinnt sie durch Sonnenkollektoren. Mit Hilfe von Miniaturkameras und Spiegeln beobachtet sie uns. Es ist die perfekte Einstimmung auf die Arbeiten des Kölner Künstlers, die im Zivilschutzkeller, dem dritten Ausstellungsort von The View, auf uns warten. Sein Thema ist die Überwachung, und wir treffen auf zahlreiche Maschinen, mal klein wie Insekten, mal in Form eines Zeppelins. Sie filmen uns. Spionieren uns aus. Doch schon bald fragt man sich: wer beobachtet hier wen? Die Maschinen uns oder wir sie?

The View, Fruthwilerstrasse 14, Salenstein; bis 30.9. Fr/Sa 11–19, So 11–17 Uhr. www.the-view-ch.com

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