Bestickt, zu Schutzmasken gefaltet, übermalt: 50 Künstler interpretieren die St.Galler Galeriezeitung «Artefakt» neu

Seit fünf Jahren gibt es das Kunstblatt der Galerie Macelleria d'Arte, die auf rosafarbenes Metzgerpapier gedruckt wird. Sieben Ausgaben sind bisher erschienen, die achte Ausgabe soll jetzt durch den Verkauf der künstlerisch überarbeiteten Versionen finanziert werden.

Nina Rudnicki
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Galerist Francesco Bonanno mit einer«Artefakt»-Ausgabe. Im Hintergrund die Interpretationen der Künstlerinnen und Künstler.

Galerist Francesco Bonanno mit einer«Artefakt»-Ausgabe. Im Hintergrund die Interpretationen der Künstlerinnen und Künstler.

Bild: Michel Canonica

Eine Ausstellung mit allen Ausgaben der Galeriezeitung «Artefakt» – das plante das Redaktionsteam um Francesco Bonanno von der St.Galler Galerie Macelleria d’Arte bereits bei der Nullnummer 2015. «Wir fanden es eine schöne Idee, alles, was auf dem Metzgerpapier entstehen würde, als Gesamtwerk zu betrachten», sagt Francesco Bonanno und spielt damit auf das rosarote, glatte Papier an, auf das die Zeitung jeweils gedruckt wird.

Das «Artefakt» wurde auch mit Stickereien überarbeitet.

Das «Artefakt» wurde auch mit Stickereien überarbeitet.

Michel Canonica

Nun ist es so weit: Bis Mitte August können Interessierte in der Macelleria d’Arte die sieben bisher erschienenen Artefakt-Ausgaben betrachten. Allerdings nicht in originaler Form, sondern als Interpretationen zahlreicher Künstlerinnen und Künstler aus ganz Europa. Entstanden sind so über 50 Kunstwerke.

Die Londoner Künstlerin Harriet Riddell hat das Thema Liebe und Rhythmus von Ausgabe 5 mit ihrer Nähmaschine bearbeitet. Geschaffen hat sie ein menschliches Herz, dessen Arterien Äste voller Blätter sind. Die Stickerei zieht sich über das gesamte Artefakt. Auch Skulpturen sind Teil der Ausstellung: Die Künstlerin Josephine Frampton hat ein Artefakt zu einer Blumenvase weiterverarbeitet, die Künstler Corina Rutishauser und Axel Oberstrass haben einige Ausgaben zu Coronamasken gefaltet.

Wegen der Coronapandemie musste die Ausstellung «Artefakt Bonus» verschoben werden.

Wegen der Coronapandemie musste die Ausstellung «Artefakt Bonus» verschoben werden.

Michel Canonica

Letztere Arbeit gehört zu jenen Interpretationen, die spontan während des Lockdowns entstanden sind. Ursprünglich hätte die Ausstellung am 28.März eröffnet werden sollen. Der Termin wurde wegen der Coronapandemie aber abgesagt. «Aus künstlerischer Sicht war das gar nicht so schlecht, denn während des Lockdowns sind viele weitere Interpretationen des Artefakts zusammengekommen», sagt Francesco Bonnano und zeigt auf die Artefakt-Arbeit «Das schwarze Herz» des Künstlerinnenduos Müller Tauscher. Das Werk thematisiert das bedrückende Gefühl während des Lockdowns. Alle derzeit in der Macelleria d’Arte ausgestellten Kunstwerke stehen zum Verkauf. Der Preis liegt zwischen 350 und 1250Franken. «Damit möchten wir die nächste Artefakt-Ausgabe finanzieren», sagt der Galerist. «Geplant ist ein Schwerpunkt zum Thema Fake News sowie eine Sonderausgabe auf Esspapier.»

Ausgezeichnet mit zwei Designpreisen

Eine «Artefakt»-Interpretation des Arboner Künstlers Marc Moser.

Eine «Artefakt»-Interpretation des Arboner Künstlers Marc Moser.

Michel Canonica

Esspapier, Luftpolsterfolie, Kuhfell, Stickerei: Zu jeder Artefakt-Nummer auf Metzgerpapier gehört auch eine auf aussergewöhnliches Material gedruckte Sonderausgabe. Gewöhnliches Papier zu bedrucken wäre dem Artefakt-Team zu langweilig.

Die Gestalter Hannah Gstrein und Jonathan Owadia.

Die Gestalter Hannah Gstrein und Jonathan Owadia.

Benjamin Manser

Gegründet wurde das Artefakt als Reaktion auf die bei den Tageszeitungen laufend zurückgeschraubte Kulturberichterstattung. Von Anfang an mit dabei war das St.Galler Grafiker-Duo Hannah Gstrein und Jonathan Owadja. Für die Gestaltung des Artefakts wurden sie an den European Design Awards 2016 mit Gold und an den International Design Awards 2017 mit Silber ausgezeichnet. Francesco Bonanno sagt:

«Ich hätte nie erwartet, dass wir so viele verschiedene Interpretationen des Artefakts erhalten werden.»

Er erzählt von einem 85-jährigen Künstler aus Luzern, der vor kurzem zufällig an der Macelleria d’Arte vorbeikam und spontan beschloss, ebenfalls zwei Artefakt-Ausgaben für die Ausstellung zu gestalten.

Nach dem Ende der Ausstellung steht im August ein weiterer Höhepunkt in der Macelleria d’Arte an. Francesco Bonanno feiert das 30-jährige Bestehen seiner Galerie. «Während dreier Tage und mit einem Kunstznacht», sagt er.

Über 50 Künstler überarbeiteten das« Artefakt», die Galeriezeitung der Macelleria d'Arte.

Über 50 Künstler überarbeiteten das« Artefakt», die Galeriezeitung der Macelleria d'Arte.

Michel Canonica

Macelleria d’Arte, Raiffeisenplatz 6, St.Gallen www.macelleria-darte.ch

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