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Beschwingte Geometrie

Filmstreifen zu geometrischen Gemälden zu fügen gehört zur Handschrift von Matthias Bosshart, genauso wie die Titel, die oft Künstlern und Werken früherer Zeiten gewidmet sind. In der Galerie Adrian Bleisch in Arbon sind neue Arbeiten des Thurgauer Künstlers zu sehen.
Corinne Schatz
Matthias Bosshart vor seinem Werk «Nach Emile Bernard: Madeleine au Bois d’Amour». (Bilder: Benjamin Manser)

Matthias Bosshart vor seinem Werk «Nach Emile Bernard: Madeleine au Bois d’Amour». (Bilder: Benjamin Manser)

Dies ist ein Artikel der« Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

«Nach Emile Bernard: Madeleine au Bois d’Amour» heisst das drei Meter breite Gemälde, das mit seinen geometrischen Strukturen meilenweit entfernt scheint vom verträumten Bild des Weggefährten von Paul Gauguin in der Bretagne. Zwei Bildebenen heben sich voneinander ab: die farbigen Flächen mit den eingefügten Filmstreifen werden von einem architektonisch wirkenden, weissen Raster aus Rechtecken und Quadraten überdeckt, der sich drei Mal wiederholt. Das glänzende Zelluloid leuchtet rötlich hervor. In Grün, drei verschiedenen Blautönen, Rosa und Gelb sind die übrigen Felder gemalt.

Eine exakte Regel ihrer Anordnung scheint es nicht zu geben, sie wurden jedoch in Diagonalen eingesetzt. Es ist ein Gemälde, bei dem der Titel nicht erst am Schluss, sondern während der Arbeit entstand, resp. als der Maler das vor 18 Jahren begonnene Werk hervor nahm, um es zu vollenden. Die horizontale Anordnung, das Grün und die Blautöne sind es, die für Bosshart die visuelle Erinnerung an das idyllische Bild einer am Waldrand liegenden jungen Frau in blauem Kleid wachruft.

Reisen in den Orient



Diese Art der assoziativen Bezugnahme auf Werke aus der Kunstgeschichte ist charakteristisch für den Maler. Es sind meist kompositorische und farbliche Elemente, die sein visuelles Gedächtnis in Gang setzen. Meistens geschieht dieser Prozess jedoch erst nach der Vollendung, das heisst, seine Werke entstehen nicht als Interpretation eines Vorbildes, sondern setzen seine Assoziationen frei. Neben einigen Grossformaten zeigt Bosshart eine grössere Gruppe von kleineren Werken, die eine freiere, teilweise ornamentale Seite seines Schaffens sichtbar machen.




Ein frühes Interesse an den Schweizer Konkreten und an den New Yorker Werken von Mondrian stand ebenso am Ursprung seines Schaffens wie Reisen in den Orient, die ihn die Ornamentik entdecken liessen. Anders als diese Vorläufer zeigen jedoch Bossharts Arbeiten einen gänzlich undogmatischen, freien Umgang mit der Geometrie. So halten sich in seinem Schaffen mathematische Regelhaftigkeit und intuitive Gestaltung die Waage.

Die Verwendung von Filmstreifen als Gestaltungsmittel bringt eine zeitliche Dimension hinein, ohne jedoch das Erzählerische des Mediums zu integrieren, zumal die Bilder kaum zu erkennen sind. Vielmehr bannt das Aufkleben der Streifen das Zeitliche des Films in eine statische Existenz, während die gemalten Strukturen den Gemälden erst Bewegung und Rhythmus verleihen.

In Ergänzung zu den Gemälden sind Collagen aus alten Postkarten zu entdecken, welche die spielerisch-intuitive Seite des Künstlers sichtbar machen. Anders als die Gemälde fertigt er zu diesen atmosphärischen Kompositionen keine Entwürfe, sondern fügt die Karten spontan zusammen, zerschneidet oder vervielfältigt sie, übermalt gewisse Stellen um Übergänge zu schaffen. Durch die Gegenständlichkeit des Ausgangsmaterials vermitteln die Collagen auch erzählerische, gelegentlich surreale Elemente, welche er den Filmstreifenbildern verweigert.

Matthias Bosshart gelingt es in dieser beschwingten, vielfältigen Ausstellung, die scheinbar engen Grenzen der Geometrie zu sprengen, ihr durch Experimentierfreude und ohne Scheu vor dem Ornamentalen ihre rigide Strenge auszutreiben.

Bis 13.4., Galerie Bleisch, Arbon;
So, 31.3., 11 Uhr: Rundgang durch die Ausstellung

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