Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Interview

Pepe Lienhart geht beschwingt durchs Leben

Pepe Lienhard über seine neue Show, Erinnerungen an Udo Jürgens und seine Freude an der Vogelwelt.
Interview: Christoph Sulser
Pepe Lienhard in seinem Reich: Der 72-jährige Bandleader ist begeisterter Plattensammler.

Pepe Lienhard in seinem Reich: Der 72-jährige Bandleader ist begeisterter Plattensammler.

Pepe Lienhard, Ihr neues Programm heisst «World of Music». Können Sie etwas darüber erzählen?

Pepe Lienhard: Meine bisherigen Shows hatten immer das Wort Swing im Titel, zum Beispiel «Swing Live» oder «It’s Swing Time». Diesmal habe ich bewusst darauf verzichtet. Natürlich spielen wir auch wieder Swing, aber ich wollte mich nicht darauf beschränken. Deshalb heisst die Show «World of Music». Damit halten wir uns alles offen.

Wie wählen Sie neue Stücke aus?

Oft kommen meine Sängerinnen und Sänger mit Inputs. Die Amerikanerin Dorothea Lorene hat zum Beispiel «Bohemian Rhapsody» von Queen vorgeschlagen. Einen Mann hätte ich das nie singen lassen, die Messlatte dafür wäre einfach zu hoch. Aber mit ihr entsteht daraus eine ganz eigene Version. Grundsätzlich muss ich zu jedem Song, den wir spielen, einen emotionalen Bezug haben. Und ich muss während der Show etwas darüber erzählen können, das hat sich über die Jahre so ergeben.

Sie spielen diesmal auch Filmmusik von Ennio Morricone. Sind Sie ein Filmfan?

Ja, sehr. Meine Frau Christine und ich machen immer wieder Kinoabende bei uns zu Hause. Dafür haben wir eine Fernsehlounge mit einer zwei mal drei Meter grossen Leinwand. Wir schauen einen Film und machen dazu eine Flasche Wein auf. In der neuen Show spielen wir von Morricone ein Medley aus «C’era una volta il west» (Spiel mir das Lied vom Tod) und ein Stück aus «Cinema Paradiso».

«It don’t mean a thing, if it ain’t got that swing» heisst ein bekanntes Jazz-Stück von Duke Ellington. Wie bringt man eine Band zum Swingen?

Mit guten Musikern. Die Band ist nur so gut wie der schwächste Spieler. Ich bin in der glücklichen Situation, dass die besten Musiker aus der Schweiz und Deutschland bei mir mitspielen. Nebenher betreiben alle noch eigene Projekte, dennoch machen sie mit Freude und Herzblut bei mir mit. Vor dem ersten Konzert der aktuellen Show haben wir gerade einmal drei Tage Zeit zum Proben, dann muss das neue Programm stehen.

Sie waren 37 Jahre lang Freund und Weggefährte von Udo Jürgens. Was haben Sie in dieser Zeit von ihm gelernt?

Die professionelle Einstellung zu meiner Arbeit. Vor einem unserer ersten gemeinsamen Konzerte bin ich erst auf dem letzten Zacken zum Flughafen gefahren. Damals wurde man, wenn man Verspätung hatte, noch bis kurz vor dem Start persönlich zum Flieger gebracht. Udo und die anderen Musiker sassen alle bereits im Flugzeug und warteten genervt auf mein Erscheinen. Udo hielt mir dann vor allen Passagieren eine Standpauke.

Was hat er gesagt?

Ich solle es nie mehr riskieren, einen Flug zu verpassen, weil damit auch die Gefahr bestünde, ein Konzert zu verpassen und letztlich das Publikum zu enttäuschen. Udo hatte sehr grossen Respekt vor dem Publikum und nahm jedes Konzert ernst. Auch nach hundert Auftritten konnte er die Show noch verbessern und hat zum Beispiel an einem Intro gefeilt. Er wollte stets das Optimum rausholen und war auf die Minute pünktlich. Dies hat er uns vorgelebt, und wir haben es über­nommen.

Wie haben Sie im Gegenzug Udo Jürgens beeinflusst?

Udo hat insofern von mir profitiert, dass ich ihm immer eine gute Band hingestellt habe, die korrekt auftritt und keinen Seich macht. Noch am letzten Tag, an dem wir uns gesehen haben, hat er mich nach einem gemeinsamen Abendessen umarmt und sich bedankt, dass ich ihm in dieser Hinsicht den Rücken frei halte.

Welches seiner Stücke haben Sie am liebsten gespielt?

«If I never sing another song» – das war Udos teuerste Produktion und gleichzeitig die am wenigsten erfolgreichste, da er das Lied auf Englisch gesungen hatte. Seine Fans wollten jedoch lieber den deutschsprachigen Udo hören. Er nahm das Stück in Los Angeles mit ausserordentlichen Musiker-Cracks auf. Shirley Bassey und Sammy Davis Jr. hatten die Nummer auch in ihrem Repertoire. Hätte es auch Frank Sinatra gesungen, es wäre ein Welthit geworden. Für mich hat das Lied zusätzlich eine spezielle Bedeutung, da Udo nicht mehr da ist.

Sie sind ein Tier- und Vogel-Fan. Teilt Ihre Frau Christine diese Leidenschaft mit Ihnen?

Sie unterstützt mich dabei und hat Tiere ebenfalls sehr gerne, vor allem unseren Schäferhund Garou. Aber die Vogelkunde ist jetzt nicht so sehr ihre Passion wie die meine. Mein Vater hatte schon Hühner und Enten. Das Interesse dafür entwickelte sich bei mir also schon als kleiner Bub. In den Ferien zieht es mich auch immer in den tropischen Süden.

Dort beobachten Sie die Vögel dann so richtig mit Feldstecher?

Natürlich! Und auch mit Bestimmungsbuch. Wobei ich die meisten Vögel auch ohne erkenne und sogar ihre lateinischen Namen weiss. Wenn ich diese dann beim Beobachten nenne, muss meine Frau jeweils lachen, aber für irgendetwas hatte ich ja Latein im Gymi. (lacht) Die Arbeit mit den Tieren hat mich immer geerdet. Es ist ein gutes Alternativprogramm zum Showbusiness, das teilweise oberflächlich sein kann. Auch zu Hause in unserem Garten, wenn ich den Hühnerstall ausmiste, kann ich auftanken – dann bin ich wieder bereit.

Eines Ihrer früheren Markenzeichen war der Schnurrbart. Wird man Sie jemals wieder mit Schnauz sehen?

Ich bin jemand, der in Phasen lebt. Bis 30 hatte ich keinen Schnurrbart, von 30 bis 60 hatte ich einen. Während dieser Zeit war der Schnauz rund dreimal total in und dreimal total out. Bis 90 werde ich nun keinen Schnauz mehr tragen – dafür lasse ich mir dann einen langen Bart wachsen.

Konzerte

Die Pepe Lienhard Big Band spielt u. a. am 20. und 21. Oktober im Theater 11 in Zürich und am 27. Oktober in der Tonhalle St. Gallen. Das Konzert in Frauenfeld ist ausverkauft.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.