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Bescheidenheit, Neid und Missgunst: Warum es in Sachen Kultur am Bodensee hapert

Ist die Kulturpolitik um den Bodensee wirklich so lahm, wie der Konstanzer Theaterintendant Christoph Nix behauptet? Ostschweizer Politikerinnen, Regierungsräte und Kulturfachleute äussern sich zum Stand der grenzübergreifenden Kulturpolitik.
Julia Nehmiz
Kleine Projekte am Bodensee funktionieren, wie hier «Arsen und Spitzenhäubchen» im Seeburgpark Kreuzlingen. Aber für grosse, grenzüberschreitende Projekte reicht es nicht. (Bild: Mario Gaccioli)

Kleine Projekte am Bodensee funktionieren, wie hier «Arsen und Spitzenhäubchen» im Seeburgpark Kreuzlingen. Aber für grosse, grenzüberschreitende Projekte reicht es nicht. (Bild: Mario Gaccioli)

Die Internationale Bodenseekonferenz: ein zahnloser Tiger. Die hiesigen Kulturpolitiker: ohne Charisma, ja sogar ohne Interesse für Kultur. Grosse Ideen für grenzüberschreitende Projekte: Fehlanzeige. Es waren deutliche Worte, die der Intendant des Theater Konstanz Christoph Nix in unserer Zeitung schrieb.

In seinem Gastbeitrag prangerte Nix die fehlende gemeinsame Kulturpolitik in der Bodenseeregion an. Man könnte grenzüberschreitend Projekte mit Strahlkraft entwickeln. Doch weder Institutionen noch Politiker seien daran interessiert.

Martin Klöti vermisst gemeinsame Aktionen

Ist es denn so? Fehlen in der Region kulturelle Grossprojekte? Fehlt gemeinsamer Wille? «Das Potenzial der grenzüberschreitenden Kulturvermittlung hat sicher noch Luft nach oben», sagt die Thurgauer Regierungsrätin Monika Knill, die dem Departement für Erziehung und Kultur vorsteht.

Auch ihr St.Galler Amtskollege Martin Klöti sieht das so. Christoph Nix äussere sich pointiert und provoziere damit, das sei sein Stil. Aber es sei richtig, dass sich die Bodenseeanrainer zu stark mit sich selbst beschäftigen. Eine Chance wäre die IGA 2017 gewesen, die Internationale Gartenschau. Da haben 26 Kommunen rund um den Bodensee und die Deutschen Verbände der Gartenbauer vier Jahre lang verhandelt – und sind dann ausgestiegen.

Der St.Galler Regierungsrat Martin Klöti, hier bei einem Festakt in Konstanz. (Bild: Ralph Ribi)

Der St.Galler Regierungsrat Martin Klöti, hier bei einem Festakt in Konstanz. (Bild: Ralph Ribi)

Ähnlich erging es auch der Expo 2027 Bodensee-Ostschweiz. «Ich bedaure es sehr, dass wir uns nie richtig einig werden in grossen Würfen», sagt Klöti.

«Die Bescheidenheit, Neid und Missgunst sind die Feinde grosser Taten in unseren Breiten.»

Die Kulturpolitik lasse gemeinsame, grosse Aktionen vermissen.

Kreuzlingen und Konstanz mit guter Partnerschaft

Im Kleinen funktioniert es hingegen, sagt die Kreuzlinger Stadträtin Dorena Raggenbass. Es gebe eine gute Zusammenarbeit mit dem Konstanzer Kulturamt, man organisiere regelmässig grenzüberschreitende Anlässe wie die Kunstnacht.

Die Stadt Kreuzlingen unterstütze das Konstanzer Theater, Konstanz unterstütze Projekte in Kreuzlingen. Doch um den Bodensee herum mit seiner Grösse sei es nicht einfach, überregionale Projekte zu lancieren.

Die Zusammenarbeit über die Grenzen wird von der Internationalen Bodenseekonferenz IBK gefördert. Nix bezeichnete die Organisation als «Schlafmütze». IBK-Geschäftsführer Klaus-Dieter Schnell findet dies unpassend: Die Kulturpolitik stehe zwar nicht im Zentrum der IBK-Arbeit, sei aber ein wichtiger Aspekt. «Kultur macht einen grossen Teil der Attraktivität der Bodenseeregion aus.»

Bedürfnis nach Austausch ist da

Die IBK-Kulturkommission organisiert regelmässig Foren für Künstlerbegegnungen sowie für den Austausch der verschiedenen Förderstellen und vergebe jährlich Förderpreise für junge Kunstschaffende in Höhe von 80'000 Franken. Klaus-Dieter Schnell stimmt Christoph Nix in einem Punkt zu:

«Eine gemeinsame Kulturpolitik gibt es nicht.»

Es gebe unter den Bodenseeanrainern das Bedürfnis nach Austausch, das spürt Schnell in seiner täglichen Arbeit. Doch ob man unbedingt eine gemeinsame Politik definieren müsse?

Margrit Bürer, Leiterin des Ausserrhoder Amts für Kultur und Vorsitzende der IBK-Kulturkommission, hält persönlich nicht viel von Leuchtturmprojekten. «Da müsste man einen Wettbewerb ausschreiben und mit allen diskutieren, ob man das überhaupt will.» Die Förderinstrumente der IBK wie die jährlichen Kulturförderpreise oder der Kleinprojektefonds hätten sich bewährt.

Margrit Bürer, Leiterin Amt für Kultur, Appenzell Ausserhoden. (Bild: Michael Genova)

Margrit Bürer, Leiterin Amt für Kultur, Appenzell Ausserhoden. (Bild: Michael Genova)

Region zu gross, Zugverbindungen zu schlecht

Einen gemeinsamen Bodensee-Kulturraum mit grossen Projekten? Für die Frauenfelder Buchhändlerin Marianne Sax illusorisch. «Schauen Sie sich nur die Zugverbindungen an.» Sax wird oft gefragt, ob man die Literaturhäuser in der Bodenseeregion verknüpfen könne. Darin sieht sie keinen Sinn: «Die Region ist zu gross.»

Sax ist Programmleiterin des Thurgauer Literaturhauses, die Zusammenarbeit mit dem Literaturbüro Konstanz sei gut, aber mit dem Allgäu oder Vorarlberg unvorstellbar. «Ich bin da nicht sehr zuversichtlich.»

Marianne Sax, Buchhändlerin aus Frauenfeld und Thurgauer Grossrätin. (Bild: Andrea Stalder)

Marianne Sax, Buchhändlerin aus Frauenfeld und Thurgauer Grossrätin. (Bild: Andrea Stalder)

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