Bernstein, der Magier

DVD Klassik Er ist das Idol meiner Jugend gewesen. Damals, in den Sechzigerjahren des Zwanzigsten Jahrhunderts, hat Leonard Bernstein mit seinen – vom Fernsehen übertragenen – «Young People's Concerts» eine unglaubliche Wirkung auf junge Menschen erzielt.

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DVD Klassik

Er ist das Idol meiner Jugend gewesen. Damals, in den Sechzigerjahren des Zwanzigsten Jahrhunderts, hat Leonard Bernstein mit seinen – vom Fernsehen übertragenen – «Young People's Concerts» eine unglaubliche Wirkung auf junge Menschen erzielt. Sein Charisma, ja seine Magie findet man auch auf diesen zwei DVD wieder, auf denen Bernstein mit den Wiener Philharmonikern die Sibelius-Sinfonien Nummer 1,2,5 und 7 dirigiert. Die Aufnahmen stammen aus den Jahren 1986 bis 1990, Bernsteins Todesjahr. Sie sind, das muss man sagen, von glasklarem Klangbild und so durchhörbar, wie man es sich bei jenen Bruckner-Aufnahmen wünschen würde, von denen unten die Rede ist. Bernstein wirkt körperlich fragil, ist aber sehr präsent und vermag auch in sehr ruhigen Passagen eine enorme Spannung aufzubauen. Man folgt diesem Sibelius beinahe atemlos – wie damals, in den Sechzigerjahren, seinen Jugendkonzerten.

Sibelius: Sinfonien Nr. 1,2,5 und 7, Leonard Bernstein, Wiener Philharmoniker, 2 DVD, C Major, Fr.52.-

Thielemanns Bruckner

Grosses Blech und feinste Töne, rasante Steigerungen und selbstvergessene, elegische Bögen: das ist Anton Brucker. Ein Meister des Orchestralen, leider zu seiner Zeit weitgehend verkannt. Heute jedoch sind seine Sinfonien aus den grossen Konzertsälen nicht wegzudenken. Bruckner, das sei Ostpreussen, sagt der Dirigent Christian Thielemann. «Wenn ich über diese weiten Seen blicke, dann weiss ich, wie die Vierte von Bruckner geht.» Bruckner: Das ist der dunkle Klang, das sind «diese langen Generalpausen, in denen nichts passiert und eigentlich alles passiert». Die vierte Sinfonie in Es-Dur, auch die «Romantische» genannt, dirigiert Thielemann auf dieser DVD zusammen mit der wohl noch beliebteren siebten Sinfonie in E-Dur. Meisterlich arbeitet er mit den Münchner Philharmonikern die von den Streichern geprägten langsamen Sätze heraus, meisterlich gelingt Thielemann auch das ausdrucksvolle, oft sehr zarte Finale der Siebten. Anderes freilich enttäuscht eher – vor allem die Akustik im Festspielhaus Baden-Baden. Denn legt das Blech einmal los, dann deckt es andere Instrumentengruppen zu.

Bruckner: Sinfonien Nr. 4 und 7, Christian Thielemann, Münchner Philharmoniker, C Major, Berlin 2010, Fr. 31.20

Rolf App