Berliner Bühnen besetzt und bejubelt

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Theater Selten wird um die Zukunft des Theaters so handfest gekämpft wie am vergangenen Wochenende in Berlin. Während Kunst- und Politaktivisten die Volksbühne unter Leitung des ungeliebten neuen Intendanten Chris Dercons besetzten, startete Oliver Reese am Berliner Ensemble in die Ära nach Claus Peymann – mit grosser Schauspielkunst. Als deutschsprachige Erstaufführung zeigt die Slowenin Mateja Koleznik das düstere Beziehungsdrama «Nichts von mir». Einen Triumph feierte die 29-jährige Österreicherin Stefanie Reinsperger. Ihr Berlin-Début im Theater am Schiffbauerdamm gab die preisgekrönte Schauspielerin in der Rolle der mitfühlenden Magd Grusche in Brechts «Der kaukasische ­Kreidekreis». Die Zuschauer jubelten.

Falls die Besetzung anhält, fallen Proben aus

An der Volksbühne will derweil das Publikum sein Programm selbst machen. Ein Kollektiv namens «Staub zu Glitter» kündigte an, in der Volksbühne solle ein «Anti-Gentrifizierungszentrum» entstehen. Die Übernahme sei als «darstellende Theaterperformance» zu sehen, ein eigenes Programm werde auf die Beine gestellt. Bis dahin wird Party gemacht. Dercon zeigte sich relativ gelassen. Bitte Hausregeln beachten, das Haus nicht beschädigen und den Mitarbeitern friedlich begegnen, appelliert das Volksbühnenteam an die Eindringlinge. «Und bitte lüftet mal.» Sollte die Besetzung allerdings andauern, «sind wir gezwungen, den Probenbetrieb an der Volksbühne einzustellen», so Dercon. Geprobt wird dort zum Beispiel für das neue Stück von Susanne Kennedy – eine der ersten Schauspielpremieren unter Chris Dercon. (sda)