BERLINALE: Starkes Thema, biederer Auftakt

Mit «Django» startete die 67. Berlinale mit einem für sie typischen Film: Politisches Engagement wird im Streifen über Django Reinhardt mit Unterhaltung gemischt.

Walter Gasperi
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Die Berlinale-Jury (von links) mit den Schauspielerinnen Julia Jentsch und Maggie Gyllenhaal, Regisseur Wang Quan, Regisseur Paul Verhoeven, Schauspieler Diego Luna, Künstler Olafur Eliasson und Produzentin Dora Bouchoucha Fourati. (Bild: EPA/Clemens Bilan)

Die Berlinale-Jury (von links) mit den Schauspielerinnen Julia Jentsch und Maggie Gyllenhaal, Regisseur Wang Quan, Regisseur Paul Verhoeven, Schauspieler Diego Luna, Künstler Olafur Eliasson und Produzentin Dora Bouchoucha Fourati. (Bild: EPA/Clemens Bilan)

Walter Gasperi

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@tagblatt.ch

Als das politischste unter den grossen europäischen Filmfestivals gilt die Berlinale. Schon zur Eröffnung schlug Etienne Comars Début «Django» diesen Ton an, denn der Franzose zeichnet nicht nur ein Porträt des grossen Sinti-Gitarristen Django Reinhardt, sondern konzentriert sich auf dessen Flucht aus dem von den Nazis besetzten Frankreich im Herbst 1943. Statt in ­anekdotisches Abhaken von Lebensstationen abzugleiten, erzählt Comar schlüssig und geradlinig von diesem zentralen Ereignis. Wird er am Beginn bei einem Auftritt in Paris noch gefeiert, so fordert ihn bald seine Geliebte mit Hinweis auf Deportationen und Ermordung von Sintis durch das Nazi-Regime zur Flucht in die Schweiz auf.

Josef Hader, Kaurismäki und frühere Gewinner

Comar forciert die Bezüge zur Gegenwart nicht, erzählt aber unübersehbar in der historischen Geschichte auch vom aktuellen Flüchtlingselend. Gleichzeitig will er aber an den Völkermord an Roma und Sinti erinnern, dem 500000 Menschen zum Opfer fielen. Mit dem Überleben von Reinhardt und seiner Familie passt «Django» auch zumindest zum ersten Teil des von Berli­nale-Direktor Dieter Kosslick formulierten Mottos: «Mut, Zu­versicht und Humor». Wirklich mitzureissen vermochte diese Eröffnung aber nicht. Denn auch die grossartige Musik kann nicht über die ausgesprochen biedere Erzählweise hinwegtäuschen. Neben Newcomer Comar steuert der Österreicher Josef Hader mit der Tragikomödie «Wilde Maus» das zweite Regiedébut zu dem 18 Filme umfassenden Wettbewerb um den Goldenen Bären bei.

Der Finne Aki Kaurismäki setzt mit «The Other Side of Hope» seine mit «Le Havre» begonnene Flüchtlingstrilogie fort. Dominiert wird der Wettbewerb aber von Regisseuren, die in den letzten Jahren an der Berlinale für Höhepunkte sorgten. So präsentiert der Rumäne Catalin Peter Netzer, der 2013 mit «Mutter und Sohn» den Goldenen Bären gewann, die Beziehungsgeschichte «Ana». Der Chilene Sebastian Lelio, dessen «Gloria» vor drei Jahren bejubelt wurde, legt mit «Una mujer fantástica» ein ­weiteres Frauenporträt vor, und Oren Moverman steuert mit dem starbesetzten Thrillerdrama «The Diner» den einzigen US-Beitrag im Bärenrennen bei.

Stark präsent ist das deutsche Kino, das mit drei Regisseuren vertreten ist, die Erfahrung im Berlinale-Wettbewerb haben. Gespannt sein darf man auf An­dres Veiels Dokumentarfilm «Beuys» sowie Thomas Arslans Vater-Sohn-Geschichte «Helle Nächte». Mit Volker Schlöndorff, der sich bei «Rückkehr nach Montauk» von Max Frischs Erzählung inspirieren liess, fehlt auch ein Altmeister nicht.

Die grossen Kracher von Dannys Boyles Fortsetzung von «Trainspotting» bis zu James Mangolds «Wolverine»-Sequel «Logan» laufen ausser Konkurrenz. Nicht nur zu diesen Pre­mieren werden Stars wie Richard Gere, Ewan McGregor, Stellan Skarsgard, Hugh Jackman und Catherine Deneuve an die Spree kommen. Auch die von Paul Verhoeven geleitete Jury ist unter anderem mit Maggie Gyllenhaal und Julia Jentsch hochkarätig.