Intermezzo: Bergziegen für Bücher

Der Basler Kunstbuchverlag Simonett & Baer setzt auf Diversifizierung und verkauft neben Büchern auch Ledertaschen, Sanduhren und Bienenhonig. Eine gefährliche Strategie.

Christina Genova
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Eine Büchertasche aus Bergziegenleder: Kostenpunkt 700 Franken. (Bild: Newsletter Simonett & Baer)

Eine Büchertasche aus Bergziegenleder: Kostenpunkt 700 Franken. (Bild: Newsletter Simonett & Baer)

Nur auf den Verkauf von Büchern zu setzen erscheint vielen Buchhändlern und Verlegern mittlerweile als riskant. Diversifizierung tut not, das hat auch der kleine Basler Verlag Simonett & Baer beherzigt, der Kunst- und Architekturbücher herausgibt. Diese Woche hat er seinen Newsletter mit allerhand Geschenktipps verschickt, denn schliesslich haben wir ja bald Weihnachten.

Wie wäre es zum Beispiel mit einer Büchertasche aus Bergziegenleder, erhältlich für schlappe 700 Franken. Etwas grösser und aus schwarzem Rindsleder gefertigt kostet sie 1500 Franken: «To schlepp all the books home you might need a strong bag». Passend zum neu herausgegebenen Band «Die Mäuse» von Franz Kafka gibt es handgefertigte Mäuse aus Holz. Jedes Tier ist ein Unikat, Kostenpunkt 30 Franken – pro Stück. Auch Honig aus dem Bündner Schamstal ist in Demeter-Qualität erhältlich (550 Gramm: 35 Franken). Über einen speziellen «Honey-Event» wird man demnächst informiert. Verleger Dino Simonett hat ausserdem zwei Sanduhren gestaltet; 1500 Franken kostet die grössere Version, 750 Franken die kleinere. «Time is very relative», schreibt er dazu. Geld offensichtlich auch.

Wenn Buchhandlungen und Verlage sich in Gemischtwarenläden verwandeln, in denen das Buch zur Nebensache verkommt, ist das eine gefährliche Strategie. Das Signal, das sie damit aussenden, ist verheerend. Denn wer will schon ein Produkt kaufen, an das nicht einmal mehr der Anbieter so richtig glaubt?