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Ausstellung im Kunsthaus Luzern mit Max Pechstein: Berauscht vom Rhythmus des Meeres

«Ab auf die Insel!», so lockt das Kunstmuseum weiterhin. Die Werke Max Pechsteins führen auf die pazifische Inselgruppe Palau, jene von Claude Sandoz auf die Karibikinsel St. Lucia. Sie werden am Mittwoch von Julia Pechstein, Enkelin des Expressionisten, vorgestellt.
Interview Edith Arnold
«Frauen mit buntem Teppich»: Max Pechstein, Südsee, 1920, Öl auf Leinwand. (Bild: PD)

«Frauen mit buntem Teppich»: Max Pechstein, Südsee, 1920, Öl auf Leinwand. (Bild: PD)

Max Pechstein (1881–1955) war ein deutscher Expressionist. Als Abenteurer besuchte er auch die Inselgruppe Palau. Viele Werke sind seit dem Weltkrieg verschollen. Seine Enkelin Julia Pechstein (60) versucht, das umfassende Werk von Hamburg aus zu dokumentieren. Wir telefonierten mit ihr auf ihrer Fahrt nach Luzern.

Julia Pechstein, Sie reisen im ausgebauten Mercedes Sprinter nach Luzern. Hängt darin ein kleiner Max Pechstein?

(lacht)

Nein, doch übers Smartphone bin ich gut mit dem Werk meines Grossvaters vernetzt.

Werke von Max Pechstein hat es auch im Kunsthaus Zürich.

Ja, darunter das wunderbare «Selbstbildnis mit Hut» von 1918. Als es in den Zwanzigerjahren in Berlin schwieriger wurde, konnte mein Grossvater in Zürich ausstellen. Walter Minnich, ein befreundeter Arzt, half ihm dabei.

Der schenkte dem Kunstmuseum Luzern später «Frauen mit buntem Teppich». Das Bild hängt nun in der Ausstellung «Ab auf die Insel!»...

... zusammen mit «Ronmay» und «Zwei Eingeborene». Die «Reisebilder»-Doku musste dagegen digitalisiert werden. Leider können wir Besuchern nicht ermöglichen, durch die 50 Federlithografien zu blättern. Es ist ein Unikat mit 13 handkolorierten Blättern. Dahinter steckt eine interessante Story.

Nämlich?

Das Buch wurde 1919 mehrfach gedruckt und verkauft. Als mein Grossvater 1945 nach Berlin zurückkehrte, war fast der ganze Atelierbesitz weg. Er musste Geld verdienen. An der Universität der Künste fand er noch ein Exemplar und aquarellierte es. Ich erwarb das Werk vor drei Jahren an einer Auktion. So kann ich verhindern, dass jemand die kolorierten Blätter einzeln verkauft.

Was löst die Ausstellung «Ab auf die Insel!» bei Ihnen aus?

Ich freue mich auf den Vergleich vor Ort. Claude Sandoz und mein Grossvater haben eine gleiche Intension verfolgt: auf eine Insel gehen, um dem Malerdasein freien Lauf zu geben. Die Suche nach der Ursprünglichkeit ist für viele Maler eine Inspiration.

Bild aus der Werkgruppe «Soca Painting II» (Claude Sandoz, St. Lucia/West Indies, Aquarell auf Papier, 1999, Detail). (Bild: PD)

Bild aus der Werkgruppe «Soca Painting II» (Claude Sandoz, St. Lucia/West Indies, Aquarell auf Papier, 1999, Detail). (Bild: PD)

Ihr Grossvater lebte aber zu einer anderen Zeit...

Sein erstes Malerparadies war die Kurische Nehrung in der Ostsee. Dorthin konnte er reisen, weil er ein grösseres Bild verkaufte – an Walther Rathenau, dem späteren deutschen Aussenminister. Vom Landstreifen im Meer schrieb er, er komme sich vor wie ein Entdecker. Bald war er berauscht vom ewigen Rhythmus des Meeres.

Wie gelangte er nach Palau?

Palau war eine deutsche Kolonie. Mein Grossvater hatte kaum Geld, aber gute Kontakte: Ein Berliner Kunsthändler finanzierte ihm die Reise vor, bekam dafür das exklusive Verkaufsrecht auf die heimgebrachten Arbeiten. Die Reise startete im Mai 1914, dann war er rund zwei Monate auf dem Schiff.

Ihr Grossvater malte Schiffe, Sie sind passionierte Seglerin. Waren Sie auf Palau?

Es hat erst von Panama bis zu den Galapagosinseln gereicht. Ich bin hauptberuflich Apothekerin in Hamburg. Aber Palau steht auch noch auf dem Programm.

Wie kann man sich Ihren Vortrag in Luzern vorstellen?

Ich stelle etwa «Ronmay», ein Mädchen von Palau, «Soca Painting II» mit Einheimischen aus St. Lucia gegenüber. Sandoz reist seit 1997 auf die Karibikinsel. Auch ich war dort. Meine fotografierten Palmen projiziere ich nun auf die «Golden Rain»-Palmen von Sandoz. Ich sah viele Dinge, die nicht mehr der Freiheit der indigenen Bevölkerung entsprachen. Diese Realitäten werden von den beiden Künstlern bewusst ausgeklammert. Sie sehen ihr Paradies. Das ist künstlerische Freiheit.

«Ronmay» wirkt ziemlich nackt auf dem Bild.

Ich finde «Ronmay» toll. Die junge Dame war damals mit Hibiskusblüte im Haar auf Grossvater zugegangen, wie er notierte. Wobei das Bild nicht in Palau entstand. Er malte es aus der Erinnerung wie die anderen 130 Ölgemälde auch – 1917 während sechs Monaten im Berliner Atelier, den Kunsthändler im Nacken. Mein Grossvater war ein Workaholic. Aus Palau existiert ein einziges Gebilde: «Monsunstimmung auf Palau». Vor Jahren wurde es in England verkauft; wir haben aber keinen Kontakt zu den Eigentümern. Alle anderen Werke wurden wohl von den Japanern zerstört. Er kam im Juni 1914 an, im August brach der Krieg aus, im Oktober besetzten die Japaner den Ort. Am 1. November begann seine abenteuerliche Flucht: mit 40 Kisten Material reiste er an, mit zwei Reisetaschen ab.

Das Werk von Max Pechstein ist umfassend. Dabei sind viele Exponate verschollen.

Am bedauerlichsten ist der Verlust von «Der Tanz» aus der Heymann-Sammlung. Von 1200 Ölbildern sind heute 600 lokalisiert.

Sie logieren auf dem Campingplatz Lido Luzern. Wohin führt die Reise danach?

Zurück nach Hamburg. Die Zeichnungen im Kunstmuseum Bern und die Glasbilder beim Arbeitsamt in Genf schaue ich mir bei der nächsten Reise an.

«Reise ins Paradies» – Julia Pechstein folgt den Spuren ihres Grossvaters, Mittwoch 26.9., 18 Uhr, www.kunstmuseumluzern.ch. Die Ausstellung läuft bis zum 28. Oktober.

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