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Belcanto in der Geisterbahn

Die diesjährigen St. Galler Festspiele warten mit einer Trouvaille auf und inszenieren als Schweizer Erstaufführung Alfredo Catalanis Oper «Loreley» im Klosterhof. Mit einem Vergnügungspark als Bühnenbild.
Martin Preisser
Elena Rossi als Loreley und Vittorio Vitelli als Hermann bei den Proben zu Alfredo Catalanis «Loreley». Die Oper hat in einer Woche Premiere. (Bild: Michel Canonica)

Elena Rossi als Loreley und Vittorio Vitelli als Hermann bei den Proben zu Alfredo Catalanis «Loreley». Die Oper hat in einer Woche Premiere. (Bild: Michel Canonica)

Martin Preisser

martin.preisser@tagblatt.ch

Die St. Galler Festspiele haben sich für ihre 12. Auflage ein neues Soundsystem gegönnt. Das bedeutet nicht nur mehr und bessere Lautsprecher auch in den Aufgängen der Zuschauertribüne, sondern vor allem eine verfeinerte Software für die Klangabmischung. Doch manchmal etwas «spröde» habe es in früheren Produktionen im Klosterhof geklungen, sagt Werner Signer, Geschäftsführer von Konzert und Theater St. Gallen.

Das verbesserte Tonsystem überzeugt bei den Proben

Das ist jetzt anders. Die Klänge, die bei den Proben, die vorgestern intensiv begannen, auf dem Klosterhof zu hören waren, begeistern durch Opulenz und Präzision, vor allem auch bei den Streichern des Orchesters. Nochmals verbessert wurde beim Soundsystem auch das Tracking, also die genaue Herkunft und Richtung des Tons.

Umso schöner, dass die ausgereiftere Technik nun einer Musik zur vollen Geltung und Brillanz verhilft, die vom ersten Takt an packend wirkt und vor allem sofort die Wagner-Begeisterung von Alfredo Catalani (1854–1893)verrät. Die Oper «Loreley» sei zu Unrecht vergessen, sagt Operndirektor Peter Heilker. «Es ist Musik, die einen gefangen nimmt. Sie ist süffig, eingängig und fast filmartig», schwärmt er von dieser Märchenoper, die in St. Gallen als Schweizer Erstaufführung zu sehen ist.

Fünfzig Jahre ist es her, dass das Stück, 1890 in Turin uraufgeführt, an der Mailänder Scala zuletzt zu sehen war. Das Märchenhafte der Oper, bei der Loreley Rache nimmt und für einmal nicht die Sopranistin, sondern der Tenor dem Wahnsinn verfällt, siedelt Bühnenbildner Gideon Davey in einem Vergnügungspark an. Eine Mini-Geisterbahn dreht auf dem Klosterplatz ihre Runden. Reste einer Achterbahn stehen herum, mit Hunderten von Glühbirnen, von denen jede einzeln ansteuerbar ist. Schienen, Bahn, Stahlkonstruktionen: Alles wurde in den eigenen Werkstätten des Theaters St. Gallen für diese Oper hergestellt. Eine Schonung mit verschiedenen Nadelbäumen ergänzt die Szenerie.

Der Wind ist wichtiger Faktor beim Bühnenbildbau

Der Reiz des Bühnenbildes entsteht auch durch den Gegensatz der Barockfassade der Kathedrale und der Märchenlandschaft davor. Ein Schloss mit Türmchen ist aufgebaut und der Felsen der Loreley, der eher ein wenig wie eine kleine Eigernordwand wirkt. Was als Kulisse schwer und massig aussieht, ist in Wahrheit bedruckter, winddurchlässiger Stoff. Der Wind im Klosterhof ist ein Thema und lässt aus Sicherheitsgründen keine schweren Kulissen zu.

Bei dieser opulenten Inszenierung einer italienischen Trouvaille hat St. Gallen sich wiederum ein international hochkarätiges Produktionsteam geleistet. Da darf man sich nicht nur auf den Einfallsreichtum des amerikanischen Regisseurs David Alden freuen, dem die Idee gefällt, «in einer durchaus bürgerlichen Innenstadt ein erotisches Märchen zu erzählen». Nicht nur mit der Litauerin Ausrine Stundyte und der Italienerin Elena Rossi als Loreley sowie Timothy Richards und Derek Taylor als Walter darf man auf eine Sängercrew der Spitzenklasse gespannt sein.

Premiere: Fr, 23.6., 20.30 Uhr, Klosterhof, St. Gallen; Karten: stgaller-festspiele.ch oder 071 242 06 06; Wettertelefon: 071 242 06 05

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