Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Klangwerk Luzern: Bekenntnisse ohne Beichtstuhl

Ausverkaufter Konzertsaal und Standing Ovations für ein Generationenprojekt: Der Konzertchor Klangwerk Luzern macht mit Karl Jenkins den Chor und die Theatertruppe der Kanti Reussbühl zu «Peacemakers».
Urs Mattenberger
Jugend-Demo im KKL: Chor und Theatertruppe der Kanti Reussbühl mit Klangwerk und Orchester Santa Maria. (Bild: Boris Bürgisser, 29. Mai 2019)

Jugend-Demo im KKL: Chor und Theatertruppe der Kanti Reussbühl mit Klangwerk und Orchester Santa Maria. (Bild: Boris Bürgisser, 29. Mai 2019)

Szenen wie diese hat man in einem grossen Chorkonzert im KKL-Konzertsaal noch kaum je erlebt. Eben hat das Orchester Santa Maria mit barockisierenden Klängen auf Karl Jenkins’ Friedensoratorium «The Peacemakers» eingestimmt, da stürmt eine Horde Jugendlicher mitsamt Picknickdecke auf die Bühne. Und wundert sich, wo sie gelandet ist. Denn das KKL, wo «Reiche und Grauhaarige» ein und aus gehen, ist den Jugendlichen fremd, die in der Schüür, im Neubad oder im Treibhaus heimisch sind. Ein Mädchen schielt grinsend zur grossen Orgel hoch: «Das ist ja wie in der Kirche. Nur die Beichtstühle fehlen!»

Gleich mit der ersten theatralen Intervention der Theatergruppe der Kanti Reussbühl (Regie: Dieter Ockenfels) löste der Konzertchor Klangwerk Luzern am Mittwoch den Anspruch auf ein «Generationenprojekt» überraschend deutlich ein. Kam hinzu, dass auf dem Orgel-Balkon auch der Chor der Kantonsschule Reussbühl den Chorklang mit seinen jungen Stimmen glanzvoll verstärkte (Einstudierung Rolf Stucki und Christina Scherler).

Generationenprojekt mit Zukunft

Die beeindruckende Professionalität, mit der sich die Jugendlichen spielend oder singend ins Geschehen einfügten, zeigte: Diese Art der Zusammenarbeit, die hier im Rahmen des Projekts «Die andere Zeit» der Albert-Koechlin-­Stiftung möglich wurde, ist ein Modell mit Zukunft.

Dazu gehörte, dass sich die Theatergruppe nach anfänglicher Skepsis immer mehr für die «Peace­makers» begeisterte. Ein Werk, das sich mit Zitaten von Mahatma Gandhi über Anne Frank bis zu Nelson Mandela für den Weltfrieden über alle Kulturen hinweg einsetzt? Dass das für Jugendliche «cool» klingt, wirkt heute, wo junge Menschen auf der ganzen Welt und auch in unserer Region für das Klima auf die Strasse gehen, nicht didaktisch aufgesetzt, sondern ganz plausibel.

Karl Jenkins’ «The Peace­makers» war dafür eine geeignete Wahl. Der Einbezug von weltmusikalischen Einflüssen ermöglicht einen breiten Schulterschluss auch beim Publikum im restlos ausverkauften Konzertsaal des KKL. Und John Voirols meditativ mäanderndes Saxofon, der Flötenzauber von Barbara Bossert, der entspannt federnde elektrische Bass von Simon Iten oder der archaische Hauch von Brendan Wades’ irischer Flöte sicherten der Aufführung bei aller Monumentalität starke mystische Momente.

Farbige Grosschor-Mystik

Das galt auch für den Auftritt des Konzertchors Klangwerk unter der Leitung von Moana N. Lab­bate. Nach anfänglich vorsichtiger Zurückhaltung steigerte er sich zunehmend und im Verbund mit dem Kantichor zu einem voluminösen, frei strömenden Monumentalklang, der dennoch und exemplarisch in Franz von Assis Friedensgebet eine vorbildliche Transparenz bewahrte. Neben der hinreissenden Weltumarmung – im schlagwerk-getriebenen «Adiemus»-Hit – ermöglichte das eine subtile Gestaltung, wo Klänge mysteriös übereinandergeschichtet werden («Peace» nach Percy Shelly) oder wo sich der Klang des Grosschors, der Streicher und des herausragenden Soprans von Maria C. Schmid in einer Art Al-Fresco-Malerei überlagerten und verschmolzen.

Wo der Grosschor diese Fokussierung vermissen liess, fiel die Spannung allerdings zwischendurch ab, zumal Jenkins auf vordergründige Dramatik verzichtet. Die dahinterstehende Botschaft, dass der Frieden nicht durch kriegerischen Aktionismus zu ge­winnen ist, brachte auch die ­zunehmend in die Aufführung ­integrierte Theatertruppe zum Ausdruck. Etwa mit der Feststellung, dass in unserer Sehnsucht nach dem Frieden auch die Suche nach einem verheissungsvollen Land steckt. Dafür waren die Migranten, die ängstlich über die Bühne hasteten, ein starkes Bild.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.