Beinahe wie Cannabis

Warum?

Bruno Knellwolf
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Sein Name ist Rosenwaldmeister, doch warum duftet dieser wie Cannabis? Tatsächlich verströmt die «Phuopsis stylosa» einen süsslichen Geruch. Kein Wunder herrschte einst in einem St. Galler Stadtquartier helle Aufregung, weil sich sporadisch ein Duft bemerkbar machte, der die Bewohner an Cannabis erinnerte. Die Medien spekulierten, die Polizei machte sich auf die Suche nach Indoor-Hanfplantagen. Doch kein Cannabis weit und breit, das Rätsel blieb Jahre ungelöst, bis eines Tages nach einem Regenguss dieser un­appetitliche Duft aus Boden­deckern entstieg. Und zwar aus den Blüten des Rosenwaldmeisters, der sofort aus dem Quartier weichen musste. In einem Friedhof erhielt dieses Röte­gewächs mit seinen rosaroten Blütenständen, das mit dem afrikanischen Kaffeestrauch verwandt ist, schliesslich Asyl.

Für den süsslichen Duft ist der hohe Gehalt an Cumarin verantwortlich. Im Heu oder in Waldmeisterbowlen wird der Duft oder besser der Geschmack dieses Cumarins sehr geschätzt. In grösseren Mengen schadet es jedoch der Gesundheit. In der EU ist Cumarin deshalb zum Aromatisieren von Lebensmitteln nicht zugelassen. Wahre Freude am Duft haben die Tagfalter, die sich jeweils nach Regenfällen über die Blüte des Rosenwaldmeisters hermachen. Im Kaukasus und im Iran gedeiht er auf sandigen Böden.

Bruno Knellwolf