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Beinahe jeden Tag im Dorflädeli

Fast vier Jahrzehnte hat Anneliese Rothenberger in Salenstein gelebt, bestens integriert. Eine lange Freundschaft verband die bedeutende Sängerin mit der Grafenfamilie auf der Mainau. Ein Gesangswettbewerb erinnert dort an sie.
Martin Preisser
Die Patentante: Mit dem kleinen Björn Graf Bernadotte (1976). (Bild: pd)

Die Patentante: Mit dem kleinen Björn Graf Bernadotte (1976). (Bild: pd)

MAINAU/SALENSTEIN. Disziplin, das ist das Wort, das sowohl Peter Forster als auch Björn Graf Bernadotte spontan zu Anneliese Rothenberger einfällt. «Ihre Fanpost, die unser Pöstler manchmal körbeweise hoch in ihre Villa schleppte, hat sie persönlich beantwortet, Brief für Brief, mit ihrer wundervollen Handschrift», erzählt Peter Forster, ehemaliger Gemeindeammann von Salenstein. «Sie war liebenswürdig und sehr korrekt. Alles musste sitzen. Anneliese Rothenberger hat sogar die Farbe der Blumen bestimmt, die sie nach einem Konzert geschenkt bekommen sollte. Die Dramaturgie jeden Auftritts war bis ins Detail geplant.» Schick und gepflegt auch im Alltag habe sie im Dorflädeli alles eingekauft, was sie dort kaufen konnte. 1974, auf der Höhe ihres Ruhms hatte sie unterhalb von Schloss Salenstein eine Villa bezogen, mit traumhaftem Blick über den Untersee.

Galakonzert für die Turnhalle

Weltweit gefeiert, von Wien über Salzburg bis an die New Yorker Met, sang Anneliese Rothenberger auch in ihrer neuen Heimat. «Dass und wie Du in Amriswil für mich gesungen hast, wird mir immer unvergesslich bleiben und mich durch alles Leben, das mir noch vergönnt ist, begleiten», schwärmte der Schriftsteller Carl Zuckmayer 1972.

In Salenstein ermöglichte Anneliese Rothenberger durch ein Galakonzert in der Turnhalle deren neue Inneneinrichtung. «Sie war völlig im Dorf integriert», erinnert sich Peter Forster, der ein schönes Blumenstillleben der Sopranistin besitzt. «Sie war auch eine sehr gute Malerin und hat jeweils bei unseren Kunstausstellungen im Schulhaus mitgemacht.»

Massstäbe setzte Anneliese Rothenberger vor allem als Richard-Strauss-Sängerin. Ihre Rolle als Sophie im «Rosenkavalier» anlässlich der Einweihung des Neuen Festspielhauses in Salzburg 1960 wurde in einem Musikfilm festgehalten. Dirigiert hat damals Herbert von Karajan, der Lieblingsdirigent der Rothenberger. «Er konnte ein Orchester so weit zurücknehmen, das der Gesang noch leuchtender wurde», lobte die Sopranistin die Kunst des Maestro. «Sie war die beste Sophie», schwärmte die Sängerin Lotte Lehmann über Anneliese Rothenberger.

«Sie war eine begnadete Sängerin, hatte aber auch gelernt, mit ihrer Stimme so klug umzugehen wie wenig andere», heisst es im Nachruf der «Frankfurter Rundschau». Am 24. Mai 2010 ist Anneliese Rothenberger 83jährig im Thurgauer Kantonsspital Münsterlingen gestorben und wurde in aller Stille beigesetzt.

Ein Ständchen zur Taufe

Enge Beziehungen pflegte Anneliese Rothenberger, die 1989 ihren letzten Auftritt hatte, auch zur Grafenfamilie Bernadotte auf der Insel Mainau, nur zwanzig Autominuten von ihrer Untersee-Villa entfernt. Die Sopranistin gehörte praktisch zur Familie und war – selbst kinderlos – Patentante von Björn Graf Bernadotte, der heute mit seiner Schwester das Blumeninsel-Unternehmen managt. «Ich war begeistert von ihrer Stimme. Es war völlig beeindruckend, wie viel Stimme aus dieser zarten Person kam.»

Die Sängerin hat zur Taufe von Graf Björn auf einem Schiff in Schweden gesungen. Und gerne erzählt Graf Bernadotte, wie er als Kind in Salenstein auf dem Sofa mit Anneliese Rothenberger Krimis im Fernsehen anschaute. «Sie liebte die Edgar-Wallace- und Agatha-Christie-Streifen.»

Bis heute erinnert ein Zimmer auf Schloss Mainau mit verschiedenen persönlichen Gegenständen an die Freundschaft der Sängerin mit der Mainau-Familie. Seit 1999 gibt es auf der Insel alle zwei Jahre einen Anneliese-Rothenberger-Gesangswettbewerb für den internationalen Nachwuchs. «Manchmal fand sie es fast schade, dass für die jungen Sängerinnen und Sänger, die ihr sehr am Herzen lagen, nur zwei Preise verliehen wurden. Da kam sie dann schon manchmal mit Geld aus ihrer Privatschatulle und hat es dem einen oder anderen Sänger noch zugesteckt», erzählt Björn Graf Bernadotte.

Werden und Vergehen

Anneliese Rothenberger scheute als eine der besten deutschen Opernsängerinnen des 20. Jahrhunderts auch nicht die Nähe zur Operette oder zum Schlager. Mit ihrem warmen, silbrigen Sopran sang sie sich nicht nur in die Herzen der Opernfreunde, sondern auch in die unzähliger Fernsehzuschauer. Ein Wort, das dem Salensteiner Freund Peter Forster auch noch zu Anneliese Rothenberger einfällt, ist «Demut». «Für sie war ihr erfolgreiches Leben, das sie sich selbst erarbeitet hat, nie selbstverständlich. Anneliese Rothenberger kannte sehr genau die Gesetze von Werden und Vergehen. Damit hat sie gut in unsere bäuerliche Gegend am Untersee gepasst.» Und nicht nur einmal bewundert Peter Forster die Schönheit dieser Künstlerin: «Sie sah einfach tadellos gut aus.»

Erinnerung an die grosse Sopranistin auf der Insel Mainau. (Bild: pd)

Erinnerung an die grosse Sopranistin auf der Insel Mainau. (Bild: pd)

Anneliese Rothenberger 1985 an der 25-Jahr-Feier der Gesellschaft zur Förderung der Zürcher Oper. (Bild: akg-images)

Anneliese Rothenberger 1985 an der 25-Jahr-Feier der Gesellschaft zur Förderung der Zürcher Oper. (Bild: akg-images)

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