TV-Serie
Bei «Stranger Things» lauert der Schrecken nicht mehr im Halbdunkel

Die Netflix-Serie war so nostalgisch wie eine alte Videokassette. Jetzt sind die neuen Folgen von «Stranger Things» da: grösser, grusliger - und polierter. Netflix will dem Kino die Zuschauer abjagen.

Lory Roebuck
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In den 80ern gabs so einiges zu bestaunen: Die Kids von «Stranger Things». Netflix

In den 80ern gabs so einiges zu bestaunen: Die Kids von «Stranger Things». Netflix

Courtesy Netflix

Der Nervenkitzel sei früher «reiner und ehrlicher» gewesen, erklärten Matt und Ross Duffer im Juli 2016.

Die Zwillingsbrüder mit Jahrgang 1984, die sich The Duffer Brothers nennen, hatten soeben ihre Serie «Stranger Things» auf Netflix lanciert: eine liebevoll gefilmte Hommage an die Gruselklassiker der 80er-Jahre, die sie als Kinder verschlungen hatten: «E.T.», «Poltergeist», Stephen King - und und und.

Die Duffer Brothers tischten einen Nostalgietrip der Sonderklasse auf. «Stranger Things» wurde zu einer der meistgeschauten Netflix-Serien und Ende 2016 von der «Nordwestschweiz» zur besten Serie des Jahres gekürt.

Und jetzt, nach langer Wartezeit, geht es weiter. Pünktlich zu Halloween hat Netflix die zweite Staffel von «Stranger Things» veröffentlicht. Endlich!

Das jugendliche Quartett (Bild) in der US-Vorstadt Hawkins hat sich eben erst von einer unheimlichen Begegnung der monströsen Art erholt, als sich das nächste Unheil anbahnt: Der junge Will (Noah Schnapp) hat eine Vision und erblickt im blutroten Nachthimmel ein riesiges, spinnenartiges Schattenwesen.

Aus dem Halbdunkel hinaus

Jugendliche Helden gegen finstere Kreaturen: Die Duffer Brothers bleiben ihrem Erfolgsrezept treu und haben auch die zweite Staffel von «Stranger Things» mit popkulturellen Reverenzen gespickt.

So nehmen Will und seine Freunde als «Ghostbusters» am Halloween-Umzug teil, die übernatürlich starke Eleven (Millie Bobbie Brown) verpasst sich andernorts einen «Terminator»-Look und mit Sean Astin gesellt sich einer der Kinderdarsteller aus dem 80er-Hit «The Goonies» zum abermals beeindruckenden Darstellerensemble.

Also alles beim Alten? Nicht ganz. Die zweite Staffel von «Stranger Things» ist grösser und grusliger als die erste, in die Herstellung der neuen Folgen floss sichtbar mehr Geld.

Grösser, grusliger, cineastischer: In die Produktion der neuen Folgen floss mehr Geld.

Grösser, grusliger, cineastischer: In die Produktion der neuen Folgen floss mehr Geld.

Netflix

Die Bilder sind dementsprechend spektakulärer, der Schrecken lauert nicht mehr nur im Halbdunkel einer mysteriösen Parallelwelt, sondern manifestiert sich als physische Bedrohung, die es auf die Bewohner von Hawkins abgesehen hat.

Der Erfolg von «Stranger Things» hat Netflix in die Pflicht genommen. Wirkte die erste Staffel noch wie eine charmante alte VHS aus einem verstaubten Regal, hat die neue Staffel eher etwas von einem modernen Kinofilm, dessen Handlung in den 80ern angesiedelt ist.

Das ist kein Zufall. Mit seinen Produktionen hat Netflix Hollywood zum Kampf um die Gunst des zahlenden Publikums herausgefordert. Der Streaminganbieter hofft, immer mehr Zuschauer aus dem Kinosaal vor den bequemen Bildschirm daheim zu locken.

Nicht alle Geheimnisse verraten

Im Fall von «Stranger Things» könnte dieser Plan aufgehen. Denn die Duffer Brothers haben ihre neuen Folgen nicht einfach nach dem hollywoodschen Sequelprinzip – grösser, lauter, brutaler – gedankenlos aufgeblasen.

Die Duffer Brothers mit ihren jugendlichen Darstellern beim Dreh von «Stranger Things» Staffel 2.

Die Duffer Brothers mit ihren jugendlichen Darstellern beim Dreh von «Stranger Things» Staffel 2.

Netflix

Wer «Stranger Things» schaut, erkennt, dass die Macher mit einer klaren Absicht vorgehen, dass die unheimlichen Abenteuer in Hawkins auf etwas hinführen, das nun sachte aufgebaut wird.

Sie möchten fünf Staffeln drehen und haben das Ende von «Stranger Things» bereits im Kopf, verrieten die Duffer Brothers. Auch ein Notizbuch mit der Geschichte und den Regeln des Upside Down, ihrer düsteren Parallelwelt, haben sie angefertigt.

Aber sie möchten nicht alle Geheimnisse preisgeben. Denn die Duffer Brothers wissen: Am grusligsten ist das Unfassbare, das, was sich dem Rätselhaften nie ganz entzieht.

«Stranger Things» Staffel 1 und 2 jetzt auf Netflix.