Beglückender «roter Stuhl»

Nächsten Dienstag wird der Berliner «Steh-Greif»-Kabarettist Thomas Kreimeyer in der Kellerbühne auftreten. Das wird kein Kabarettabend wie jeder andere. Auch, weil eine ungewöhnliche private Initiative hinter dem Auftritt steckt.

Andreas Stock
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Thomas Kreimeyer erhebt das Gespräch mit seinem Publikum zu einer kabarettistischen Bühnenform. (Bild: pd)

Thomas Kreimeyer erhebt das Gespräch mit seinem Publikum zu einer kabarettistischen Bühnenform. (Bild: pd)

«Edith, was hast du da bloss wieder angefangen?», habe sie zu sich selber gesagt. Edith Adam Steiner muss lachen, als sie bei einem Kaffee erzählt, wie es dazu gekommen ist, dass sie zur Veranstalterin eines Kabarettabends in der Kellerbühne wurde. Es ist überhaupt ein munteres Gespräch mit der St. Galler Kinderhortleiterin. Die Wirkung der vielen positiven Begegnungen und Erlebnisse der letzten Monate, von denen sie ob ihrer kulturellen Eigeninitiative berichten kann, sie scheinen einem in Person von Edith Adam Steiner regelrecht entgegenzustrahlen.

«Es flutschte richtig», so ihre herzhafte Beschreibung für eine erfreuliche Geschichte, bei der sich alles harmonisch aneinanderfügte. Der Kellerbühnen-Auftritt nächsten Dienstag von Thomas Kreimeyer, er wird noch zum i-Tüpfelchen einer beglückenden Erfahrung werden.

Spontane Unterhaltung

Angefangen hatte es mit einem Kabarettabend von Kreimeyer in Vaduz. Mit einem Bekannten ist Edith Adam Steiner hingefahren.

«Es waren nur etwa ein Dutzend Leute im Saal, aber es war ein super Erlebnis, und wir haben alle derart viel gelacht, dass ich eine Woche lang von dieser positiven Energie profitierte», beschreibt die Hortleiterin ihren ersten Kreimeyer-Abend. «Ich gehe sonst eher wenig ins Kabarett», gesteht sie ein. Ihr sei das oft zu gekünstelt, zu konstruiert. Bei Kreimeyer sei das aber anders. Jeder Abend sei einmalig, entstehe spontan und authentisch aus dem Gespräch mit dem Publikum heraus.

«Steh-Greif-Kabarett» nennt Kreimeyer, was er seit bald zehn Jahren unter dem Titel «Kabarett der rote Stuhl» im Theater präsentiert. Vorgegeben ist dabei nichts, ausser dass sich Kreimeyer mit dem Publikum unterhält. Aus der Art freilich, wie er mit den Zuschauern kommuniziert, wie er ihre Äusserungen ganz wörtlich nimmt, verkürzt oder umformuliert, entsteht der Humor. Der Witz entwickelt sich immer aus dem Moment, aus der jeweiligen Gesprächssituation heraus.

Zu sehen war das schon einmal vergangenen Sonntagabend, als der Berliner einen Kurzauftritt in der Fernsehsendung «Giacobbo/Müller» absolvierte: Eine Eieruhr, auf der er die Zeit seines Auftritts ablaufen lässt, war Ausgangspunkt für ein witziges Gespräch mit dem Publikum darüber, wo und wie sie denn ihre Eier besorgten. Was nacherzählend kaum mehr lustig erscheint, erheiterte das Publikum im Moment der Unterhaltung aber bestens.

Unternehmergeist geweckt

Es sei ein Humor, der sich nicht über den Gesprächspartner lächerlich mache, sondern vorführe, welche Komik sich hinter dieser Unterhaltung verstecke, wobei es wohl persönlich aber nie peinlich werde. Man lache stets über sich selber, wie Edith Adam Steiner betont. Kreimeyer habe ein sicheres Gespür dafür, irritierende Situationen oder wunde Punkte in den Gesprächen zu umgehen.

Ihre Begeisterung für dieses amüsante, unterhaltsame Bühnenprogramm wollte Edith Adam teilen. Als sie dann feststellte, dass Kreimeyer zwar in Winterthur, aber nicht in St. Gallen auftreten wird, war ihr Unternehmungsgeist – sie gehörte einst auch zu den Initiantinnen des Waldkindergartens – angestachelt. Und weil das Kellerbühne-Programm bereits feststand, entschied sich Edith Adam eben, die Kellerbühne zu mieten und den Berliner Kabarettisten gleich selbst einzuladen. «Das ist mir noch nie passiert», habe Thomas Kreimeyer gesagt, als sie ihn für einen Auftritt in St.

Gallen angefragt habe.

Plakatierung

Es gehört nun mit zu den glücklichen Fügungen dieser Geschichte, dass Kellerbühne-Leiter Matthias Peter in der Zwischenzeit mehr über Kreimeyer erfahren hatte und Edith Adam darauf von der privaten Miete der Kellerbühne sowie der Buchung des Bühnenkünstlers entlastete. Weil die Theaterprogramme bereits gedruckt waren, blieb ihr aber noch die Bewerbung der Veranstaltung.

Auch von dieser Plakatierungstour durch die Stadt – ein meist (noch immer) leidiges Thema für jeden Veranstalter – hat die Initiantin nur Positives zu berichten: Sie habe sehr schöne Begegnungen und Gespräche gehabt, und ihre Plakate seien stets willkommen gewesen. Zur Kleinkunstveranstalterin will Edith Adam Steiner trotz der positiven Erfahrung nun aber nicht werden. Sie freut sich jetzt einfach auf den Auftritt von Thomas Kreimeyer. Und falls die Kellerbühne ausverkauft sein sollte, umso schöner.

Di, 25.5., Kellerbühne St. Gallen, 20 Uhr; VV: Migros Klubschule und www.kellerbuehne.ch