Begeisternd

HÖRBAR ROCK

David Gadze
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hörbar - 1 - steven wilson (Bild: David Gadze)

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HÖRBAR ROCK

Er gilt als Erneuerer des Progressive Rock, als Visionär und als brillanter Musiker. Warum das so ist, beweist Steven Wilson auf seiner neuen Platte. Für sein viertes Solo-Album hat der Kopf der Gruppe Porcupine Tree die Geschichte einer jungen Britin vertont, die von Freunden, Familie und Nachbarn unbemerkt zwei Jahre lang tot in ihrer Londoner Wohnung lag. Vereinsamung in der Masse und gesellschaftliche Entfremdung als Leitmotiv – das passt zu einem, der selber der Anonymität der britischen Metropole den Rücken kehrte und aufs Land zog. Auf «Hand. Cannot. Erase.» öffnet sich der 47jährige Brite klanglich so weit wie nie zuvor und lässt insbesondere elektronischen Elementen viel Raum. Die kristallklaren Songs ändern unentwegt ihr Gesicht. Sie beginnen meist mit einem einfachen Muster aus akustischen Gitarren oder Pianoklängen, werden in der Folge dichter, komplexer und dynamischer, um die aufgebaute Spannung am Ende explosionsartig zu lösen. Das ist zwar nicht immer neu, aber immer wieder begeisternd.

Steven Wilson: Hand. Cannot. Erase. (Kscope/Irascible); Live: 29. März, Pratteln (Z7)

Psychedelisch

Das Markenzeichen von Moon Duo ist der wabernde Space Rock, mit dem sie den Hörer auf den ersten beiden Platten in luftige Höhen entführten. Auf seinem neuen Werk «Shadow Of The Sun» setzt das US-Duo den auf dem Vorgänger «Circles» eingeschlagenen Weg zu zugänglicheren Songs mit einfacheren Strukturen fort. Statt langen Improvisationen steht Kompaktheit im Vordergrund. Die psychedelische Wirkung der Musik schmälert das keineswegs. Songs wie «Wilding» oder «Zero» ziehen einen vom ersten Takt an hinein. Was auch damit zu tun hat, dass Ripley Johnson und Sanae Yamada ihren Songs einen Schlagzeuger, den Tour-Drummer John Jeffrey gönnen. Das gibt der Musik zusätzlichen Schub. So ist «Shadow Of The Sun» alles andere als ein Tiefflieger.

Moon Duo: Shadow Of The Sun (Sacred Bones/Irascible); Live: 18. April, Zürich (Bogen F)

Traurig

Wenige Musiker verpacken ihr Liebesunglück so berührend in Musik wie Scott Matthew. Seine Stimme, in der all der Herzschmerz mitschwingt, und die weinenden Instrumente fügen sich einmal mehr zu schönen Songs zusammen. Die Intensität der ersten vier Platten erreicht «This Here Defeat» aber nicht.

Scott Matthew: This Here Defeat (Glitterhouse/Irascible); Live: 25. April, Zürich (Bogen F)

hörbar - 2 - moon duo (Bild: David Gadze)

hörbar - 2 - moon duo (Bild: David Gadze)

hörbar - 3 - scott matthew (Bild: David Gadze)

hörbar - 3 - scott matthew (Bild: David Gadze)

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