Begehrenswerter Held

Schauspieler Tony Curtis ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Er spielte in über 100 Filmen mit und war eine Pin-up-Ikone, berühmt wurde er jedoch als Frau.

Daniel Kothenschulte
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Tony Curtis und Marilyn Monroe im Film «Some Like It Hot» 1959. (Bild: ap Photo)

Tony Curtis und Marilyn Monroe im Film «Some Like It Hot» 1959. (Bild: ap Photo)

Schönheit ist vergänglich, nur die Kunst macht etwas Ewiges daraus. Tony Curtis ahnte das bereits als junger, schöner Mann. Berühmt, aber unbefriedigt wartete der Star aus erfolgreichen Unterhaltungsfilmen auf seine künstlerische Erweckung. In seiner Autobiographie «An American Prince», die erst seit dem 13. September auf Deutsch vorliegt, schildert er das Eintreffen dieses Moments anschaulich.

Der Pomaden-Pionier

Endlich, die Fünfzigerjahre waren schon beinahe zu Ende, interessierte sich ein grosser Regisseur für Tony Curtis. Billy Wilder wollte ihn für eine Hauptrolle in seiner neuen Komödie «Manche mögen's heiss.» Nur einen Haken hatte die Sache: Er würde die meiste Zeit in Frauenkleidern spielen müssen.

Keine Sekunde zögerte Curtis, und die Filmgeschichte gab ihm Recht.

Auch wenn er nie einen Oscar gewann, wurde er unsterblich: nicht nur als Pomade-Pionier, der mit seiner millionenfach kopierten Frisur, dem «Curtis Cut», und als athletische Pin-up-Ikone, sondern als Schauspieler, der für die Kunst einen hohen Einsatz wagte.

Curtis handelte geschickt. Für den männlichen Teil seiner Rolle betonte er noch seine Maskulinität und imitierte den Akzent von Cary Grant.

Und auch den Part der Josephine begann er zu geniessen: «Ich stellte mir vor, ich wäre Eve Arden oder Grace Kelly oder manchmal sogar meine Mutter.»

Zum Aussterben verurteilt

Den Namen Josephine gab Curtis später einem seiner Yorkshire-Terrier. Und es war gewiss kein Zufall, dass er vor fünf Jahren, als die Fotografin Annie Leibowitz ein Aktfoto von ihm aufnahm, seine Blösse ausgerechnet mit Hündchen Josephine bedeckte.

Das amerikanische Kino der 50er-Jahre ist voller weiblicher Männer: Rock Hudson und James Dean brachten alte Rollenbilder ins Wanken. Zugleich erweiterten Marlon Brando und Paul Newman das Ausdrucksspektrum männlicher Kinohelden durch gereifte Intellektualität. Tony Curtis stand dagegen für den glatten Mainstream des alten Hollywood, als Filmstars nicht nur Jugendidole waren, sondern auch den Müttern und Vätern zu gefallen hatten. Man konnte ihn nicht beneiden um diese Rolle, die zum Aussterben verurteilt war.

Spielen, um Alimente zu zahlen

Im wirklichen Leben war er dafür eher als Sammler von Frauenherzen bekannt. Sechsmal verheiratet – unter anderen mit dem deutschen Filmstar Christine Kaufmann – nahm er viele Filmrollen nur an, um Alimente bezahlen zu können.

Wenn er in seiner Biographie beiläufig notiert, er habe Marilyn Monroe verstanden, weil er sich ihr ähnlich fühlte, erhält man eine Ahnung davon, wie schwer es gewesen sein muss, Tony Curtis zu sein.

Begehrenswert wie kaum ein zweiter Hollywoodschauspieler, schien Curtis selbst mit dem Talent grosser Einfühlungsfähigkeit ins andere Geschlecht gesegnet. Und so verliebte er sich immer wieder Hals über Kopf.

In seinen schönsten Filmen strahlt dieses Abenteurertum übergross und überwirklich von der Leinwand: ein Held, wie es sie nur im Kino geben kann. Und auch das nur alle Jubeljahre.

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