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Begegnung in Ittingen

Wer damals daran teilhaben durfte, wird es nicht vergessen: Imre Kertész war vor dreizehn Jahren zu Gast bei den 9. Ittinger Pfingstkonzerten. Der ungarische Pianist András Schiff hatte seinen Freund eingeladen. Gebannt lauschte man damals dem Literaturnobelpreisträger.
Martin Preisser

Wer damals daran teilhaben durfte, wird es nicht vergessen: Imre Kertész war vor dreizehn Jahren zu Gast bei den 9. Ittinger Pfingstkonzerten. Der ungarische Pianist András Schiff hatte seinen Freund eingeladen. Gebannt lauschte man damals dem Literaturnobelpreisträger. Imre Kertész las in der Kartause Ittingen aus seinem Essay «Die exilierte Sprache». «Wo findet das Bewusstsein des Holocaust seine sprachliche Heimat?», fragte er. Um diese Rückeroberung der Sprache nach Auschwitz ging es dem ungarischen Schriftsteller auch.

Überleben dank der Liebe

Unter dem Motto «Krieg – Rassismus – Friede» standen 2003 diese Pfingstkonzerte. Und wertvolle Musik von hoffnungsvollen, oft jungen Komponisten stand im Zentrum, die anders als Imre Kertész den Holocaust nicht überlebt hatten. Die Liebe sei es gewesen, die ihn nach Auschwitz am Leben gehalten habe, las Kertész damals aus seinem intensiven Essay – vor einem berührten, stillen, nachdenklichen Publikum.

Diese Liebe spürte man auch in der Auseinandersetzung Imre Kertészs mit dem schweren Thema «Holocaust» und seinen kulturellen Folgen, mit den Themen «Hass» und «Versöhnung». Als literarischer Zeuge des Holocaust sei er «geistiger Asylant», hörte man von diesem grossen ungarischen Schriftsteller, der im Holocaust als «Trauma der europäischen Zivilisation» auch die Existenzfrage für diese Zivilisation sah, je nachdem, «ob dieses Trauma in Form von Kultur oder Neurose weiterlebt».

Musik deutete das Wort

Unvergesslich war an diesem Pfingstkonzert auch die Musik, die András Schiff der Sprache des Überlebens mit Béla Bartóks «Sonate» (1926) und Ludwig van Beethovens Sonate c-Moll op. 111 gegenüberstellte. Ein taufrisches, emotionsgeladenes, unvergessliches pianistisches Hinführen und Reagieren auf die Wortgenauigkeit und Reflexionstiefe von Imre Kertészs Gedanken. Nach 2003 lud András Schiff, mit Heinz Holliger zwanzig Jahre künstlerischer Leiter der Ittinger Pfingstkonzerte, den Schriftsteller nochmals 2007 in die Kartause ein.

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