Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

BEGEGNUNG: Der warme Klang ihres Cellos

Die Cellistin Chiara Enderle gilt als eines der grössten Schweizer Talente am Cello. Morgen spielt die Tocher eines Musikerpaars am Lucerne Festival.
Rolf App
Die 24-jährige Chiara Enderle mag die Wandelbarkeit ihres Instruments. (Bild: Vera Markus)

Die 24-jährige Chiara Enderle mag die Wandelbarkeit ihres Instruments. (Bild: Vera Markus)

Rolf App

Wenn sie morgen Dienstag um die Mittagszeit am Lucerne Festival, begleitet von der Pianistin Hiroko Sakagami, Schuberts Arpeggione-Sonate, Pendereckis Capriccio per Siegfried Palm und Brahms Cellosonate Nr.2 spielt, hat die 24-jährige Chiara Enderle einen weiteren wichtigen Schritt in ihrer Karriere als Musikerin getan. Dass sie ein grosses Talent ist, das unterstreichen mehrere Preise, die sie schon errungen hat. Das unterstreichen aber vor allem jene zwei CDs, in denen sie ihr Können zeigt.

Auf der einen spielt sie zusammen mit dem Münchener Kammerorchester unter Howard Griffiths das Cellokonzert von Paul Wranitzky, einem heute ganz unbekannten Zeitgenossen von Haydn, Mozart und Beethoven, auf der andern Kammermusikwerke für Violoncello des schweizerisch-amerikanischen Komponisten Ernest Bloch. Wranitzkys Konzert verlangt in seiner Bewegtheit, ja Munterkeit die Agilität der Solistin heraus, Ernest Blochs Musik erfordert in ihrer Nähe zu Bach jene Art von Versenkung, von Hingabe, die oft ein Resultat grösserer Lebenserfahrung ist.

Auf der Suche nach einem geeigneten Instrument

Dass die Zürcherin Chiara Enderle diesen Spagat zwischen spielerischer Lebensfreude und dem Abtauchen in seelische Tiefen so gut schafft, das ist beeindruckend. Und berührend. Denn das Cello vermag mit seinem sinnlichen Klang an tiefere Schichten unseres Unbewussten zu rühren. «Wenn man es spielt, umarmt man es zugleich», sagt sie. Und beschreibt bei unserem Gespräch jenen «runden, warmen Klang», den ihr Instrument haben muss. «Ich bin auf der Suche nach einem geeigneten Instrument und gerade am Ausprobieren. Jedes Cello hat seine eigene Stimme. Diese Stimme muss zu mir passen und darf mich nicht einschränken in meinen Ausdrucksmöglichkeiten.»

Auch auf eine gewisse Tragkraft kommt es an. «Tritt man mit Orchester auf, dann darf das Cello nicht untergehen.» Und schliesslich spiele sie gern ein Cello, auf denen man mittels Vibrato einen schillernden Klang erzeugen könne.

Das Ziel sind «erfüllende Konzerte»

Man spürt in diesen Ausführungen, dass Chiara Enderle in ihrer kurzen Karriere sehr genaue Vorstellungen von dem entwickelt hat, was sie zur Entfaltung ihrer Musikalität braucht. Auf die Frage nach ihrem Ziel sagt sie: «Ich hoffe, erfüllende Konzerten spielen zu können, das ist meine Leidenschaft und ein grosses Erlebnis. Ich trete gern auf, auch wenn ich Lampenfieber durchaus kenne. Und ich habe gelernt, wie ich mich optimal auf ein Konzert vorbereite und darauf einstimme.» Vielleicht könnte irgendwann noch das Unterrichten dazu kommen, «das wäre eine gute Kombination», sagt sie. Sie hat sie bei ihren Lehrern Thomas Grossenbacher und Steven Isserlis beobachten können.

Ein Musikerinnenleben setzt Begabung voraus. Aber es erfordert auch Ausdauer und Selbstdisziplin. Chiara Enderle hat beides zu Hause beobachten können. Denn sie ist in die Musik hineingeboren worden. Ihre Eltern bilden die eine Hälfte des Carmina Quartetts, der Vater spielt Violine, die Mutter Bratsche. «Wenn sie im Quartett übten oder auftraten, habe ich immer auch das Cello gehört. Seine besondere Klangfarbe hat mich fasziniert», erzählt sie. Und, was sie sich damals noch nicht überlegt habe: Es sind auch die unterschiedlichen Rollen, die ihr Instrument so anziehend machen. «Mal ist das Cello Bass-, mal ist es Melodie-Instrument.»

Dass Cellisten überdies «gesellige, hilfsbereite Menschen» sind, wie sie sagt, trägt zu Chiara Enderles Gefühl des Aufgehobenseins in der Welt der Musik bei. Sie ist schon auf Cello- festivals gewesen, und auch am Davos Festival hat sie viel Zeit gehabt, andere junge Musiker kennen zu lernen. Dass sie Kammermusik liebt, passt in dieses Bild einer kontaktfreudigen jungen Künstlerin. «Kammermusik, das ist gelebte Demokratie», sagt sie. «Ausserdem: Ich bin vor anderthalb Jahren mit dem Studium fertig geworden und habe keinen Lehrer mehr, der mir Inputs gibt. In der Kammermusik bekomme ich neue Ideen und Anregungen.»

Denn Musikerin sein, das bedeutet für sie vor allem, «mich immer weiter entwickeln».

Auftritt: Morgen Dienstag, 12.15 Uhr, Lucerne Festival CDs: Anton & Paul Wranitzky: Violinkonzert/Sinfonie/Cellokonzert (Sony). Ernest Bloch: Kammermusikwerke für Violoncello (Musiques Suisses)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.