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Beflügeltes Spiel im Kirchenschiff

Am Freitag feierte «Der Name der Rose» nach Umberto Eco auf dem Konstanzer Münsterplatz – und im Münster – Premiere in Konstanz. Eine Premiere, die von Blitz und Donner unterbrochen wird. Wobei sich gerade aus dieser Not heraus das Wunder des Theaters vollziehen konnte.
Brigitte Elsner-Heller
Statisten verkörpern mittelalterliches Volk im Klosterkrimi «Der Name der Rose» auf dem Münsterplatz. (Bild: Theater Konstanz/Ilja Mess)

Statisten verkörpern mittelalterliches Volk im Klosterkrimi «Der Name der Rose» auf dem Münsterplatz. (Bild: Theater Konstanz/Ilja Mess)

KONSTANZ. «Open Air»: Das klingt nach dem Lebensgefühl heller, warmer Tage. Mindestens für Veranstalter mag sich das in diesem Jahr eher nach «Blut, Schweiss und Tränen» anfühlen. Auch bei der Premiere von Umberto Ecos «Der Name der Rose», anlässlich des Konzil-Jubiläums vom Theater Konstanz auf den Münsterplatz gebracht, machten sich Wetterturbulenzen bemerkbar und übernahmen nicht nur die Lichtregie, sondern führten auch dazu, dass kurz nach der Pause die Aufführung ins Innere des Münsters verlegt werden musste – sicher nicht der Traum von Herbert Olschok, der sich nach menschlichem Mass als Regisseur des Abends bezeichnen durfte. Was Theater zu leisten imstande ist, wie nah es sein kann, trat aber gerade in dieser Konstellation zutage. Und passte der Donner, der sich dann durchs mittelalterliche Kirchenschiff ausbreitete, nicht sogar vorzüglich zum Stoff?

Ein Feuer wird entzündet

Umberto Ecos Roman wurde nicht zuletzt deshalb ein Welterfolg, weil er die Schilderung des späten Mittelalters mit einem Kriminalfall verknüpfte und mit Lust und Liebe würzte. Und während kluge Menschen die Klugheit Ecos zu würdigen wussten, konnten Krimifans den Ermittlungen des Franziskaners William von Baskerville und seines Adlatus Adson von Melk folgen – wobei schon die Namensgebung darauf hindeutet, dass Eco sich da im Zwiegespräch mit Sherlock Holmes und Dr. Watson befand. Ewige Neinsager können einwenden, dass Eco nach dem Motto «Viel hilft viel» verfuhr. Für eine Theateraufführung vor der Kulisse des Konstanzer Münsters aber vielleicht gar kein schlechter Ausgangspunkt.

Das Feuer, das zu Beginn entzündet wird, ist Metapher für die Scheiterhaufen, die auch in Konstanz gebrannt haben. Und auch für den Brand, in dem bei Eco am Ende die berühmte Bibliothek des Klosters untergeht und damit das Wissen der Welt, deren Verstand vor allem in einem Buch repräsentiert war, das den Mächtigen – hier der römischen Kirche – hätte gefährlich werden können.

Es wird gern gewandelt

Krimifans sind damit bereits am Ende angelangt. Für den Weg dorthin sind William (Odo Jergitsch) und Adson (André Rohde) zuständig, die als Franziskaner (braun gewandet) eigentlich in diplomatischer Mission unterwegs sind und bei den (schwarz gewandeten) Benediktinern auf eine Mordserie stossen. Die Verhandlungen mit der Kurie wegen des Armutsgebots der Franziskaner muss also warten (ein Schelm, wer Böses dabei denkt), denn der Abt (Sebastian Haase) wünscht Aufklärung.

Auf dem Münsterplatz stellen sich also diverse Mönche vor, während im Hintergrund stets gern gewandelt wird: Neben einem Kräuter- und Giftforscher (Georg Melich) und dem Kellermeister (Frank Lettenewitsch) sind es zunächst vor allem die Mönche, die in der Bibliothek zu tun haben, die die Open-Air-Bühne mit Dialogen füllen. Das ist auf Dauer langatmig und auch nicht dadurch abzufangen, dass man mittelalterliches Volk über die Szenerie tanzen lässt – auch wenn sich die Choreographie, die mit Konstanzer Statisten einstudiert wurde, nett anschauen lässt.

Flucht ins Kirchenschiff

Naja, und dann eben tote Mönche, reichlich Theaterblut und nach den derben Amouren des Kellermeisters die etwas zartere Liebesregung des Adlatus, die einem namenlosen Mädchen gilt (Sylvana Schneider). War man eben noch etwas ratlos, mischte der Himmel das Geschehen unmittelbar nach der Pause nachhaltig auf, indem er Blitz und Donner auffuhr und die Besucher mit dem Ensemble ins Kirchenschiff flüchten liess. Und dort ging Ecos «Im Namen der Rose» als szenische Lesung weiter.

Durch den Nachhall waren die Dialoge zwar schwer zu verstehen, aber die Spielfreude des Ensembles schien die Situation, die Improvisation erforderte, geradezu zu beflügeln. Schauspieler erklärten zwischendurch in knappen Worten, was ansonsten hätte zu sehen sein können. Und als schliesslich der Bibliothekar stirbt (Peter Posniak), erklärt er dem Publikum, das in Kirchenbänken sitzt oder an der Seite steht: «Jetzt fliesst ganz viel Blut aus meinem Mund.»

Schluss von der Kanzel herab

Das Wunder des Theaters, hier hat es sich aus der Not heraus vollzogen. Gerade hier ist deutlich, was für ein Ensemble dieses Haus, diese Aufführung, zu bieten hat. Gegen Ende sucht Regisseur Herbert Olschok nach irgendeiner Lesebrille, denn er will den letzten Absatz vorlesen. Und er tut es. Am Mikrophon im vorderen Chorbereich, gerade wie von der Kanzel herab, erklärt er «dem Kirchenvolk», dass die Gefahr für die Mächtigen im Lachen liegt. Denn Lachen besiegt die Angst, macht frei. Frei von der Macht der Religion wie auch von anderer Herrschaft, die auf Angst baut. Hätte sich Eco dieses letzte Bild besser wünschen können? Wer weiss, ob der tosende Applaus draussen auf dem Münsterplatz genauso gross ausgefallen wäre.

Weitere Aufführungen bis 24.7. www.theaterkonstanz.de

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