Bedeutende Dietrich-Schenkung

Das Kunstmuseum Thurgau darf mitten im Sommer eine massgebliche Schenkung vermelden. Das «Mädchenbildnis» von Adolf Dietrich ist ab sofort in der Kartause Ittingen ausgestellt.

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WARTH. In den seltensten Fällen stehen Museen genügend Mittel zur Verfügung, um die historisch gewachsenen Sammlungen mit bedeutenden Werken zu ergänzen. Gerade bei einem Künstler wie Adolf Dietrich, dessen Bilder auf dem nationalen oder internationalen Markt gehandelt werden, besteht heute kaum mehr die Chance, Spitzenwerke erwerben zu können. Umso bedeutender ist die Schenkung einzuschätzen, die vor einigen Monaten dem Kunstmuseum Thurgau überreicht wurde.

Seltener Blick in Malstube

Bei der grosszügigen Schenkung handelt es sich um ein grosses Porträt von Dietrich, das im Werkverzeichnis als «Mädchenbildnis» bezeichnet wird. Die blond gelockte Frau, die dem Künstler in seiner Stube Modell sitzt, heisst Anna Füllemann. Sie wurde 1921 geboren und stammt aus einer der Füllemann-Familien, die wie der Künstler selbst in Berlingen lebten. Kinder dieser Familien, und eben auch das junge Mädchen, dienten Adolf Dietrich verschiedentlich als Modelle. «Zu einer Besonderheit wird das Bildnis durch die detaillierte Ausgestaltung des Hintergrunds, zeigt Dietrich seine Modelle ansonsten sehr oft vor einem dunklen, fast schwarzen Hintergrund», heisst es in der Mitteilung des Kunstmuseums Thurgau. Hier erlaube der Künstler dagegen einen Blick in seine Malstube, die in kaum veränderter Form in Berlingen bis heute Besuchern offen stehe.

Im Werkverzeichnis wird 1937 als Entstehungsjahr angegeben. Die 1921 geborene Anna Füllemann macht auf dem Bild aber einen deutlich älteren Eindruck als jenen eines 16jährigen Mädchens. Bei genauer Betrachtung zeigt sich dann auch, dass die Datierung von Dietrich eher als «1943» zu lesen ist. Das Werk zeigt also eine Frau im Alter von 22 Jahren. Der stolz an der linken Hand getragene Ring, den Dietrich recht prominent inszeniert, könne allenfalls ja auch als Hinweis auf eine bereits erfolgte Verlobung gelesen werden. Anna Kunle-Füllemann, wie das Mädchen nach ihrer Verheiratung hiess, lebte bis 2015.

Winterthurer Sammler-Familie

«Das Bild ergänzt die Porträts von Dietrich in der Sammlung des Kunstmuseums um ein weiteres Meisterwerk», schreibt das Museum. Neben dem Bildnis des Vaters, dem Selbstporträt von 1932 und dem Bildnis seiner Nichte mit langem Haar (1930) erweitere das Werk die Dietrich'sche Bildnisgalerie des Museums hervorragend.

Das Werk wurde dem Museum von Wolfgang und Maja Vogel aus Winterthur übergeben. Grosseltern und Eltern Vogel hatten Adolf Dietrich persönlich gekannt und nach dessen Tod noch mehrere Werke erworben. Mit ihrer Schenkung honoriere die Familie nicht nur die unermüdliche Forschungsarbeit des Museums, sie bekunde auch ihre Verbundenheit mit Berlingen und der Malerei Dietrichs. (red.)