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Dokfilm im Kino: Bäume leben als vernetzte soziale Wesen

Der Dokfilm «Intelligente Bäume» zeigt, dass Wälder komplexe Gemeinschaften sind. Bäume brauchen einander und helfen sich gegenseitig. Und der Mensch muss punkto Forstwirtschaft über die Bücher.
Arno Renggli
Illustration, wie Bäume miteinander kommunizieren, etwa via Wurzeln oder Pilze. (Bilder: Outside the box)

Illustration, wie Bäume miteinander kommunizieren, etwa via Wurzeln oder Pilze. (Bilder: Outside the box)

Hat ein Baum eine drohende Gefahr wahrgenommen, etwa den Befall durch ein schädliches Insekt, teilt er dies den anderen Bäumen seiner Umgebung mit. Wie das geschieht, weiss die Forschung noch nicht im Detail. Aber die Kommunikation zwischen den Bäumen kann man beobachten, wie der Dokfilm «Intelligente Bäume» von Julia Dordel und Guido Tölke zeigt.

Bäume sind untereinander vernetzt. Dabei läuft vieles unter der Erdoberfläche ab, etwa über komplexe Wurzelsysteme oder über Pilze, welche sich auf mehreren Quadratkilometern ausbreiten können. Dies betonen im Film die kanadische Forstwissenschaftlerin Suzanne Simard sowie der deutsche Förster und Bestsellerautor Peter Wohlleben (u.a. «Das geheime Leben der Bäume», 2015). Der spricht gar vom einem «Wald Wide Web».

Die Starken helfen den Schwächeren

Dabei sind es nicht etwa nur Bäume der gleichen Baumart, die so miteinander verbunden sind, ganz im Gegenteil. Gepflanzte Monokulturen etwa sind kontraproduktiv, machen aus Bäumen krankheitsanfällige Einzelkämpfer. Bäume, so macht der Film deutlich, sind soziale Wesen. Sie brauchen einander, helfen einander, schauen etwa für die Verteilung von Licht, Nährstoffen oder wasser. Die Starken beschützen die Schwächeren, es gibt «Mutterbäume», die sich um junge Bäume kümmern. Etwa indem sie die Lichtzufuhr drosseln, um die Jungbäume dazuzubringen, dem Licht entgegen und damit gerade zu wachsen.

Komplexe Wurzelsysteme verbinden Bäume untereinander, wobei man das Meiste nicht so, da es unterirdisch ist.

Komplexe Wurzelsysteme verbinden Bäume untereinander, wobei man das Meiste nicht so, da es unterirdisch ist.

Es gibt «befreundete» Bäume, die so eng miteinander verbunden wie ein Ehepaar. Und wenn einer stirbt, lebt der andere auch nicht mehr lange. Baumstümpfe, welche selber keine Fotosynthese mehr machen können, werden von anderen Bäumen versorgt werden. Weil sie, so die Forscher, noch Informationen gespeichert haben, die den anderen Bäumen nützlich sein kann.

Innert Sekunden mit der Motorsäge

Es versteht sich von selber, dass der Mensch mit seinen Eingriffen den Bäumen kaum nützt und viel schadet. Zuviel wollen wir vom Wald, und auch zu schnell wollen wir es, als dass der Wald unsere Eingriffe verarbeiten könnte. Das eine oder andere Bild des Films tut weh: Etwa wenn eine gigantische Maschine heranfährt, einen Baum umschlingt und innert Sekunden per Motorsäge kappt. Die schweren Fahrzeuge zerstören überdies die Pilzkulturen des Waldes und drücken den Boden zusammen, sodass Kommunikation oder Wasserspeicherung stark reduziert wird.

Für die Filmemacher und die Experten ist klar: Der Mensch muss eine sinnvolle Koexistenz mit dem Wald erst lernen. Dies zeigt die Dokumentation in unaufgeregten Bildern und mit gut dosierten Grafiken. So sieht man beispielsweise, wie man Moleküle nachweisen kann, die innerhalb eines Waldes zirkulieren und so den Austausch sichtbar machen. An einigen Stellen geht der Film etwas detaillierter auf die Forschung ein, aber ohne den Zuschauer zu überfordern. Man ist beeindruckt von diesem Lebensraum und diesen Lebewesen. Wird sicher den nächsten Waldbesuch anders erleben. Und vielleicht sogar das eigene Verhalten etwa punkto Holzverbrauch überdenken.

«Intelligente Bäume»: Ab Donnerstag 26. Juli, im Kino Bourbaki Luzern.

Im Vorprogramm wird jeweils der Kurzdokfilm «Ins Holz» von Corina Schwingruber Ilic und Thomas Horat gezeigt. Darin ist zu sehen, wie alle vier Jahre am Ägerisee über drei Wintermonate in einem steilen Bergwaldgelände Holz geschlagen und nach alter Tradition flössbar gemacht wird. Weder Technik noch wirtschaftliche Veränderungen konnten das nachhaltige Handwerk verdrängen.

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