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Landesstreik 1918: Die Appenzeller Bauern hatten keine Zeit für Streik

Das Theaterprojekt «1918.ch» zeigt auf: Obwohl einige Arbeiter mit der Bewegung solidarisierten, wollte man in den beiden Appenzell nichts vom einem Streik wissen.
Mirjam Bächtold
Auf dem Zürcher Paradeplatz wurde auch das Militär gegen die Streikenden eingesetzt. (Bild: KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/STR)

Auf dem Zürcher Paradeplatz wurde auch das Militär gegen die Streikenden eingesetzt. (Bild: KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/STR)

«Isch abe au cheibe rüebig hüt» – «Jo ho.» – «Isch ebe ‹ein Landesstreik im Gange›.» – «Äh wa!» So könnte es im November 1918 in Appenzell geklungen haben. Als fast in der gesamten Schweiz die Arbeiter während drei Tagen streikten. So jedenfalls inszeniert der Autor und Regisseur Paul Steinmann ein Gespräch zwischen drei Appenzellern über den Streik im Rest der Schweiz.

Im September sind die Kantone Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden an drei Abenden für eine sechsminütige Szene zu Gast am Theater zum Landesstreik in Olten. In Mini-Szenen nimmt Paul Steinmann das auf, was für die zwei Kantone zur damaligen Zeit bezeichnend war. In beiden Appenzell wollte man nichts von einem Streik wissen. «Es waren viele Bauern, sie konnten nicht einfach mit der Arbeit aufhören. Die Tiere mussten gemolken werden», sagt Steinmann. Dieses Bild von «Uns geht das nichts an» bringt er in witzigen und satirischen Dialogen auf die Bühne.

Mit der Satire und dem bewussten Einsatz von Klischees will Paul Steinmann einen Kontrapunkt zur ernsten Thematik des Landesstreiks setzen. Für sechs Minuten soll das Publikum lachen können. «Im Rest der Schweiz hat man vom Appenzeller das Bild aus der Käsewerbung. Dieses Bild von ‹Wir sagen nichts›», sagt der Regisseur. Dieses Bild der etwas begrenzten Appenzeller, die sich vom Rest der Schweiz abschotteten, bringt Paul Steinmann mit wenigen Worten auf den Punkt. «Es gab zwar in Appenzell Ausserrhoden einzelne Fabriken und vielleicht gab es auch einzelne Arbeiter, die sich mit den Streikenden solidarisierten. Aber grösstenteils wollte man vom Streik nichts wissen.»

Zwei Gegenspieler aus Ausserrhoden

Paul Steinmann hat zur Vorbereitung viel gelesen, vor allem über Howard Eugster und Emil Sonderegger. Beides waren Ausserrhoder, Eugster sass damals für die SP im Nationalrat, Sonderegger kommandierte während des Streiks die Ordnungstruppen in der Stadt Zürich. «Zuerst wollten wir eine Szene mit diesen zwei historischen Gegenspielern inszenieren. Doch dann merkten wir, das gibt Stoff für ein ganzes Stück.»

«Wir», das sind Paul Steinmann und einige Mitglieder des Theaters Varian. Die Szene für das Landesstreik-Theater entstand in gemeinsamen Gesprächen. «Es hat mir auch eine Appenzellerin beim Übersetzen der Dialoge ins Innerrhodische geholfen», sagt der Aargauer. Die Theatergruppe wurde 2013 gegründet, anlässlich des Freilichtspiels in Hundwil zur 500-Jahr-Feier des Anschlusses beider Appenzell zur Eidgenossenschaft. Damals schrieb Paul Steinmann bereits das Stück. «Es entstand ein guter Kontakt und eine weitere Zusammenarbeit.» Die Szene wird am 12., 13. und 14. September in Olten, dem «Gravitationszentrum des Landesstreiks», zu sehen sein.

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